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Leichtfertiger Umgang mit Cannabis? Das sagt die Uelzener Drogen-Beraterin

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Von: Norman Reuter

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Zwei Hände halten mehrere getrocknete Cannabisblüten.
Die Gefahren des Cannabis-Konsums würden unterschätzt, sagt Sandra Katheininger. Die Debatte über die Legalisierung der Droge habe ihren Anteil daran.  © Hartmann, Stefan

Der Kreistag hat für das neue Jahr Geld bereitgestellt, damit jetzt im gesamten Kreisgebiet junge Menschen über die Folgen eines Drogenkonsums aufgeklärt werden können. Zudem erhalten jene, die von den Drogen loskommen wollen, im Zuge des Streetwork-Projekts Hilfestellungen. Wie nötig all das ist, erklärt Sucht-Beraterin Sandra Katheininger.

Über Langeweile hat sie sich in den zurückliegenden Jahren wahrlich nicht beklagen können. Seit 2019 ist Sandra Katheininger für die Uelzener Fachstelle für Sucht und Suchtprävention, Drobs, als Streetworkerin im Einsatz, kümmert sich dabei um junge Menschen, die bereits süchtig oder suchgefährdet sind. Sie klärt präventiv auch über die Gefahren eines Konsums auf.

Bislang war ihre Arbeit auf das Uelzener Stadtgebiet begrenzt, im neuen Jahr kann Katheininger im gesamten Kreisgebiet aktiv werden. „Damit kann ich alle Schulen besuchen, im Kurpark von Bad Bevensen vorbeischauen“, umreißt sie.

Der Kreistag hat dafür nun die Gelder gewährt. Ein erster Antrag für das vergangene Jahr war noch abschlägig beschieden worden. Die Kreisverwaltung stellte im Zuge der Haushaltsberatungen für 2023 noch einmal heraus, dass sie hinter der Idee steht: „Eine sich verfestigende Suchtproblematik junger Menschen kann enorme Auswirkungen auf deren Biographie haben. Neben negativen Verläufen unter anderem bezüglich Schulbesuch, Ausbildung und Beruf sind auch die Folgekosten für ärztliche Versorgung, Therapie, Arbeitslosigkeit bis hin zu Straffälligkeit, welche die Allgemeinheit zu tragen hat, hoch.“

Sandra Katheininger hat feststellen müssen, dass junge Menschen inzwischen leichtfertiger mit der Thematik Drogen umgehen. Die Debatte über eine Legalisierung von Cannabis habe dazu ihren Beitrag geleistet, sagt die 31-Jährige. Die Gefahren des Konsums von Cannabis würden unterschätzt.

Junge Klienten, die sie im vergangenen Jahr über die Fachstelle betreute, gaben vorwiegend an, Cannabis zu konsumieren, berichteten dabei von klaren Suchterscheinungen. Katheininger betont: „Der Cannabis-Konsum ist eine der Ursachen für Psychosen.“ Er könne Depressionen verstärken. Gerade bei Heranwachsenden, bei denen sich das Gehirn noch einmal neu zusammensetze, könne die Droge den Entwicklungsprozess stören.

Über all das will sie an Schulen im Landkreis berichten. Der Bedarf dafür besteht, immer wieder haben sie in den zurückliegenden drei Jahren Hilferufe von Lehrern und Sozialarbeitern erreicht. Gut 50 Prozent ihrer Stelle sei für die Präventionsarbeit vorgesehen. Die anderen 50 Prozent will sie mit jungen Menschen ins Gespräch kommen, die bereits ihre Erfahrungen mit Drogen gemacht haben, die abhängig oder suchtgefährdet sind, um ihnen Hilfestellungen zu geben.

Als Streetworkerin wird sie dabei nicht nur in den Räumen der Fachstelle und in Schulen anzutreffen sein, sondern auch dort hingehen, wo sich junge Menschen treffen. In den ersten Corona-Jahren sei das schwierig gewesen. „Vieles verlagerte sich in die privaten Räume“, so Sandra Katheininger. Inzwischen verändere sich die Situation wieder. Wobei sie oftmals auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu neuen Klienten kommt. „Ein Betroffener schildert, dass ein Kumpel auch Probleme habe.“

Dabei erlebt sie, dass Betroffene es nicht bei einem Beratungsgespräch belassen. Es werde gemeinsam daran gearbeitet, die Sucht zu überwinden. Das klingt so einfach, ist es aber nicht, auch nicht bei Cannabis, wie Katheininger unterstreicht. Sie berichtet von einem Klienten, der nun seit einem Jahr kein Cannabis mehr konsumiere. „Und er sagt mir: Er träumt immer noch davon“, berichtet die Sozialarbeiterin.

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