Politik befasst sich mit Plänen zur Wiederbelebung

Leere Kaufhalle in Uelzen: Der Weg zum „Hanse Hof“

Die Kaufhalle in Uelzen an der Lüneburger Straße
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Steht seit 2004 leer: Die Kaufhalle in Uelzen
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Die Uelzener sprechen von einem Schandfleck: Die Kaufhalle an der Lüneburger Straße steht seit 2004 leer. Eine lokale Investorengruppe hat Pläne für sie und benachbarte Gebäude. Doch in den letzten Jahren gerieten Politik, Stadt und Investoren wegen Gestaltungsfragen aneinander. Jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache.

Uelzen – Putz blättert vom Vordach der Kaufhalle an der Lüneburger Straße. Die Eingangstüren, durch die einst Kunden traten, sind verschlossen. Seit 2004 wird hier nicht mehr eingekauft. Im Frühjahr 2021 könnte es nun aber so weit sein, dass die rechtlichen Voraussetzungen vorhanden sind, um dem Gebäude neues Leben einhauchen zu können. Ein Bebauungsplan-Entwurf für die Kaufhalle und benachbarte Gebäude liegt zurzeit der Uelzener Politik zur abschließenden Beratung vor.

Ideen für eine Wiederbelebung gibt es: Nach dem Willen der Lüneburger Straße GbR, einer lokalen Investorengruppe, die das Gebäude 2015 erwarb, soll aus der Kaufhalle ein „Hanse Hof“ werden. Mit Mietwohnungen und Einzelhandelsflächen. Auch eines ehemaligen Apotheken-Gebäudes wenige Meter weiter sowie eines Hauses an der Achterstraße will man sich annehmen.

Aber vor einem Start der Arbeiten liegt, gerade bei solch großen Projekten, das Bebauungsplan-Verfahren. In einem solchen Bebauungsplan legt die Kommune fest, was baulich möglich sein soll und für was die Gebäude genutzt werden dürfen.

Im vorliegenden Fall zieht sich das Verfahren inzwischen seit mehr als zwei Jahren. Stadt, Politik und Investoren gerieten im Verlauf aneinander. Das ging so weit: Im Herbst 2019 verkündete die Investorengruppe einen Planungsstopp wegen des Bebauungsplan-Verfahrens.

Argumentiert wurde seinerzeit damit, dass die Vorgaben im Bebauungsplan erheblich von den Plänen der Investoren abweichen würden, weshalb sich das Projekt nicht realisieren ließe. Knackpunkt war seinerzeit gar nicht so sehr die Kaufhalle, sondern das Haus an der Achterstraße 8 und das ehemalige Apotheken-Gebäude an der Lüneburger Straße 21.

Kritik an Gestaltung der Fassade

Inzwischen ist der Bebauungsplan überarbeitet worden, und er könnte im März im Rat als Satzung beschlossen werden. Der Ausschuss für Zukunftsplanung hat sich in seiner Sitzung in dieser Woche mehrheitlich bereits dafür ausgesprochen. Aber es wurde auch deutlich, dass die künftige Gestaltung der Lüneburger Straße 21 (Apotheken-Gebäude) die Politik noch teilweise umtreibt.

Eine Visualisierung, die im Ausschuss gezeigt wurde, provozierte die Gegenrede. Susanne Niebuhr (WIR für Uelzen): „Für uns fügt sich das überhaupt nicht ins Straßenbild ein“. Und Karl-Heinz Günther sagte für die CDU-Fraktion: „Wir wollen auf keinen Fall eine Sandsteinfassade.“

Zu sehen war in der Illustration ein Gebäude mit etwas in die Straße ragenden Erkern in den Obergeschossen. Die Fassade war farblich untergliedert, in verschiedenen Sandstein- und Beigetönen. Die Bitte der AZ an die Investoren, die Visualisierung für eine Berichterstattung nutzen zu dürfen, blieb erfolglos.

Derzeit besitzt das Apotheken-Gebäude im unteren Teil eine Schaufenster-Front, im oberen Teil ist eine schmuckvollere Fassade mit Ornamenten zu entdecken. Ob nicht diese Fassade erhalten bleiben und der Teil dahinter komplett neu aufgebaut werden könne, fragte Rainer Schimmel, beratendes Mitglied des Ausschusses. Er nannte als Vorbild den Uelzener Hof, wo in gleicher Weise verfahren wurde.

Apothekengebäude an der Lüneburger Straße 21 in Uelzen. Die Gestaltungsfragen sorgen für Debatten.

Braucht es zusätzliche Einzelhandelsflächen?

Schimmel hinterfragte auch, ob Uelzen angesichts der Entwicklung – Stichwort Online-Verkauf – zusätzliche Einzelhandelsflächen benötige. Michael Kopske vom Fachbereich Planung der Hansestadt, sagte, die Stadt solle sich nicht die Möglichkeiten verbauen, in dem sie zu viele Auflagen mache. Es gebe auch keinen Zwang, dort Einzelhandel unterzubringen. Die Flächen dürften beispielsweise auch für Büros genutzt werden. Und was Gestaltungsfragen der Fassade für die Lüneburger Straße 21 betrifft, erklärte Kopske: „Der Investor ist gesprächsbereit.“

Auskünfte, beispielsweise dazu, wann es mit Arbeiten zur Kaufhalle und den weiteren Gebäuden losgehen könnte, wenn im Frühjahr die Politik den Bebauungsplan genehmigen sollte, waren gestern nicht von der Investorengruppe zu bekommen. Auch die Frage, ob es bereits für die Einzelhandelsflächen Gespräche mit möglichen Mietern gebe, blieb unbeantwortet. Auf Anfrage der AZ erklärte der Geschäftsführer Burkhard Schenk, dass er keine konkreten Auskünfte erteilen könne, weil ihm hierzu die Freigabe der Investorengruppe fehle.

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