Mithilfe moderner Geräte können Gefahren für Einsatzkräfte ermittelt werden

Uelzens THW baut Abteilung auf: Lasertechnik für mehr Sicherheit

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Ist das Haus einsturzgefährdet? Mithilfe eines sogenannten Tachymeters und an dem Gebäude angebrachter Messpunkte lassen sich bereits kleinste statische Veränderungen festhalten.

Uelzen. Es macht „Piep“, es macht „Plong“. Der Reflektor auf einem Schrank ist gefunden, meldet das Vermessungsgerät – ein Tachymeter modernster Bauart, das einen Laserstrahl schickt. Im Schulungsraum des Uelzener Technischen Hilfswerks (THW) am Bohldamm macht sich kurz Zufriedenheit breit.

Modernste Technik im Einsatz: Stefan Brixner erläuterte den THW-Mitgliedern die Funktionsweise des Vermessungsgeräts.

Dann geht es weiter mit den Fragen an Stefan Brixner, denn der schult am Sonnabend zum Thema „Einsatzstellensicherung“. Das Uelzener THW baut zu diesem Bereich derzeit eine neue Einsatzeinheit auf. Ein Vermessungsgerät für 50 000 Euro, ein stoß- und spritzwassergeschützter Laptop mit besonderer Software, eine spezielle Funkverbindung zwischen Tachymeter und Laptop sowie die Reflektoren sollen Menschen und Gerät im Einsatz vor Schaden bewahren. Das THW in Uelzen ist einer von drei Standorten in Niedersachsen, die mit dieser Technik ausgerüstet sind. Bundesweit sind es 18 – bei 668 Ortsverbänden. Brixner ist ein bisschen stolz. „Im Umkreis von 150 bis 200 Kilometern gibt es nichts Vergleichbares.“

Der Baufachberater des THW Uelzen steckt schon tief in der Materie. Und auch Truppführer Tobias Meinke kann mit der Technik umgehen. Am Sonnabend gilt es, die anderen THW-Kameraden an das „Einsatzstellen-Sicherungssystem“ (ESS) heranzuführen. Denn mit der Lasermessung durch das Tachymeter lassen sich angeschlagene Bauwerke unter Einsatzbedingungen von Feuerwehr, THW und Polizei aufspüren. Zum Beispiel bei einem Brand, zum Beispiel bei der Überwachung von Deichen, zum Beispiel bei der Spurensicherung. „Auf den Zehntel-, ja 100stel-Millimeter genau können wir damit arbeiten“, sagt Brixner.

Dabei wird die Einsatzgruppe von ihm geführt. Brixner entscheidet, wo die Reflektoren an einem Bauwerk angebracht werden – und er kann nach Auswertung der Daten sogar zur Evakuierung der Einsatzstelle raten, „was man ohne Gerät vielleicht noch nicht getan hätte“.

Dabei geht es auch um Zeit: In zehn Minuten ist das Equipment aufgebaut, das Anbringen der Reflektoren, die die Messpunkte sind und aufgeklebt werden können, kann aber leicht eine Stunde dauern, etwa, wenn eine Drehleiter zum Einsatz kommen muss. Deswegen kann zur Not auch ohne die Reflektoren gemessen werden.

Sechs, acht oder zehn Punkte lassen sich mit dem Tachymeter anvisieren, fortlaufend verarbeitet die Software die Daten. „Wenn wir nichts finden, heißt das aber nicht, dass da nichts passiert“, sagt Brixner. Die Arbeit der Helfer und Retter bleibt gefährlich.

So haben Brixner und Meinke schon auf die eigenen Messungen vertraut. Nach einem Garagenbrand in Visselhövede ging Meinke anschließend selbst für die Polizei in das hinein, was noch übrig geblieben war – und sicherte Beweise.

Von Christian Holzgreve

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