Kommentar von AZ-Redakteur Norman Reuter zum Verkauf von Schloss Holdenstedt

Mit langem Atem zum Schlossverkauf

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Das Schloss Holdenstedt bekommt in Kürze einen neuen Eigentümer.

Die Stadt wird sicher nicht widersprechen. Die Suche nach einem Käufer für das Schloss Holdenstedt und letztlich die Vertragsverhandlungen waren ein Kraftakt. Er scheint nun bewältigt zu sein.

Noch im Oktober sollen die Unterschriften für den Eigentümerwechsel geleistet werden – nach mehr als fünf Jahren, die seit dem Grundsatzbeschluss der Uelzener Politik zum Verkauf des Schlosses vergangenen sind.

Hunderte Exposés zum Schloss sind in der Zeit verschickt worden. Von der Politik gesetzte Fristen, bis zu denen eigentlich der historische Bau veräußert sein sollte, verstrichen, ohne dass Vollzug gemeldet werden konnte. Die Gewählten, die sich vor dem Hintergrund der Verschuldung der Stadt für den Verkauf ausgesprochen hatten, übten sich in unendlicher Geduld – auch, als mit Thies Boysen ein potenzieller Schlossherr gefunden war, sich aber die Verkaufsverhandlungen immer wieder in die Länge zogen.

Der außergewöhnlich lange Atem spricht dafür, dass die Alternative, nämlich den mehr als 300 Jahre alten Bau zu behalten und zu sanieren, in den Augen der Gewählten und der Verwaltung nicht wirklich eine Option war. Jährlich steckte die Stadt Geld in die Unterhaltung – der Bau ist aber vor allem zu sanieren. Mit dem Verkauf kann die Stadt sagen, sie habe eine Sorge weniger. Sie hat aber auch ein Stück Geschichte aus der Hand gegeben, was für Uelzen, das sich – Stichwort „Hansestadt“ – geschichtsbewusst präsentiert, schon ein beachtlicher Vorgang ist.

Was aber dieses Geschichtsbewusstsein betrifft, so hat sich die Hansestadt in den zurückliegenden Jahren in Bezug auf das Schloss auch nicht mit Ruhm bekleckert. Es waren Vereine und Initiativen, die für Leben im Schloss sorgten. Dass die Stadt dort mal einen Neujahrsempfang oder auch mal eine Tagung ausgerichtet hätte, um es einem breiteren Publikum zu präsentieren – Fehlanzeige.

Wer mit wachem Augen durch den viel gepriesenen Park ging, dem fielen morsche Brücken auf, das zu selten geschnittene Gras und die zu wenig gefegten Wege. Und ehrlich gesagt, wer von der Angst spricht, dass der Park verloren gehen könnte, der muss sich die Frage gefallen lassen, wo sein Einsatz in den letzten Jahren für die Anlage war.

So ist der Verkauf eine Chance. Eine Chance, weil mit dem Investor jemand Pläne für das Areal hat. Wohnanlagen für Senioren sind geplant und das Schloss soll Stätte für kulturelle Veranstaltungen bleiben. Zugleich soll der Bau in Schritten saniert werden, heißt es. Das klingt nach einer Perspektive für die historische Anlage.

Ein Kraftakt liegt nun noch vor dem Investor, der die Ausgaben zu stemmen hat, die Uelzen nicht mehr tragen wollte. Es ist zu hoffen, dass ihm auch nicht der Atem ausgeht – denn darin liegt dann die Gefahr beim Verkauf. Jetzt hält nicht mehr die Stadt die Zügel in der Hand, wenngleich es vertragliche Regelungen geben soll.

In den 1980er Jahren war Anthroposophen, die seinerzeit Schlossherren gewesen sind, die Unterhaltung des Schlosses über den Kopf gewachsen und die Stadt Uelzen sprang als Käufer ein. Es ist zu hoffen, dass eine solche „Schloss-Rettung“ eine Geschichte der Vergangenheit bleibt und nicht wieder zu einer der Zukunft wird.

VON NORMAN REUTER

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