ADAC-Fahrsicherheitszentrum Lüneburg hat zehn Prozent Trainings-Teilnehmer verloren / Geschäftsführer musste gehen

Die lange Bremsspur des ADAC-Skandals

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Fahrbahn unter Wasser: Hier kann man leicht ins Schleudern kommen. Auch im Fahrsicherheitszentrum Lüneburg gab es Schwierigkeiten: Die Teilnehmerzahlen für die Trainings sanken um zehn Prozent, der Geschäftsführer wechselt zum zweiten Mal.

Embsen. Wer keine Autos mag, ist hier fehl am Platz: Im Fahrsicherheitszentrum Lüneburg trainieren gestandene Autofahrer und Fahranfänger, Senioren und Rettungswagen-Piloten.

Die Sicherheit in Extremsituationen steht dabei im Mittelpunkt, aber der Spaß am Fahren dürfte eine wichtige Motivation sein. Doch die Anziehungskraft der Anlage bei Embsen an der Bundesstraße 209 scheint nachgelassen zu haben. Die Zahl der Teilnehmer sank von jeweils über 20 000 in den Spitzenjahren 2012 und 2013 auf 18 000 im vorigen Jahr (2014 waren es 19 000). Diese Zahlen nennt der Träger, der ADAC Hansa, auf AZ-Nachfrage.

Neu: Paul Droßard (55) leitete die Kartbahn in Bispingen.

Auch meldete der Verein mit Sitz in Hamburg am 1. März den zweiten Wechsel des Geschäftsführers für das Fahrsicherheitszentrum innerhalb eines Vierteljahres. Im Dezember wurde Bernd Beer ersetzt, der die Einrichtung immerhin sieben Jahre lang geführt hatte. Zu dieser Personalie will sich ADAC-Hansa-Sprecher Christian Hieff allerdings nicht äußern. Er betont aber, Carsten Bohnensack, der die Anlage seit Dezember leitete, habe als Geschäftsführer des ADAC Hansa nur während der Vakanz vertreten. Sein Nachfolger ist Paul Droßard. Der 55-Jährige leitete über zehn Jahre lang Ralf Schumachers Kartbahn „Motodrom“ in Bispingen.

Tieferer Grund für den zehnprozentigen Teilnehmerrückgang ist der ADAC-Skandal um die gefälschte Rangfolge beim Autopreis „Gelber Engel“ und die Verquickung von Verein und wirtschaftlichen Interessen Anfang 2014. Hieff spricht von der „langen Bremsspur des Skandals“, der das Geschäft in Lüneburg vermiest habe.

Weil viele Kunden, vor allem gewerbliche, langfristig buchen, habe der Skandal erst im vorigen Jahr richtig auf die Geschäftszahlen durchgeschlagen.

Hinzu kommt wohl auch die schlechte Presse vor Ort durch den Protest gegen Rennveranstaltungen auf der Kartbahn. So konnte die Bürgerinitiative „Blauer Himmel über Ilmenau“, die Bürger in Embsen und Melbeck vertritt, im vorigen Jahr erreichen, dass ein am 18. Juli angesetztes Slalomrennen abgesagt wurde (AZ berichtete). Pressesprecher Hieff sagt: „Das Fahrsicherheitszentrum hat institutionell und organisatorisch rein gar nichts mit den Aktivitäten auf der Bahn zu tun.“ Der ADAC habe zum letzten Mal 2003 ein Rennen veranstaltet. Die Bahn wird von den Motorsportclubs AC Ilmenau und RSG Hamburg betrieben – die zum ADAC Hansa gehören. Für die Bürger dürfte es allerdings schwer zu unterscheiden sein, von welcher Fläche, Kartbahn oder Fahrsicherheitszentrum, der Lärm kommt. Beide nutzen dieselbe Einfahrt.

Inzwischen normalisiere sich das Geschäft wieder, meint Hieff. „Wir sind guter Hoffnung, dass wir ein gutes Jahr haben werden. Der neue Geschäftsführer Droßard verfüge über Erfahrungen in der Autobranche, in der Kundenbetreuung und Veranstaltungsorganisation. Rennen werde er trotz seiner Herkunft von Schumachers Motodrom nicht durchführen. Der 55-Jährige betrieb bis jetzt von Stoetze aus die Firma Motion Management, eine Unternehmensberatung. Diese Tätigkeit werde eingestellt, so Hieff.

Von Gerhard Sternitzke

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