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Landwirte aus Kirch- und Westerweyhe fürchten um ihre Existenz

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Landwirte stehen auf Acker bei Kircheweye, wo im schlimmsten Fall eine Bahntrasse verlaufen könnte
Sönke Schulz, Hans Hinrich Schulz, Helma Harbecke-Schulz und Rainer Koch (von links) stehen dort an der Westerweyher Straße in den Kartoffeln, wo im schlimmsten Fall die Bahntrasse gen Kämpenweg verlaufen könnte. verlaufen könnte. © Lars Becker

Landwirte aus Kirch- und Westerweyhe, die von den Trassenplänen der Bahn betroffen wären, sorgen sich um ihre wirtschaftliche Existenz.

Uelzen - Von Norden aus Bienenbüttel kommend zwischen Kirch- und Westerweyhe hindurch, quasi über den Sportplatz des SC Kirch-/Westerweyhe, dann haarscharf am Bestattungswald im Uelzener Stadtforst vorbei, entlang des Wildgatters und Sternviertels nach Klein Süstedt: So könnte die aktuell immer wieder als „Horrortrasse“ bezeichnete Neubaustrecke der Bahn im Stadtgebiet Uelzens verlaufen. Dagegen regt sich bereits massiver Widerstand, wie die Bürgerveranstaltungen in Kirchweyhe und Klein Süstedt gezeigt haben.

Große Sorgen um ihre Betriebe machen sich vor allem die Landwirte. Rainer Koch, Hans Hinrich Schulz, dessen Sohn Sönke und Gattin Helma Harbecke-Schulz haben sich an der Westerweyher Straße mit der AZ getroffen. Sie stellten sich fürs Foto dort ins Kartoffelfeld, wo irgendwann einmal Gleise verlaufen könnten. „Auf dem Kartenmaterial fehlen die Neubaugebiete – auf welcher Grundlage wird dort gearbeitet? Es werden keine Abstände eingehalten, der Sportplatz wäre weg, was ist mit dem Lärmschutz? Wir sind entsetzt über solche Pläne“, so Koch.

Sönke Schulz ergänzt, dass die Landwirte allein in der Gemarkung durch die Ortsumgehung, Gewerbegebiete, Wohngebiete und Straßenprojekte in Summe 40 Hektar verloren hätten. „Die Fläche ist versiegelt, die kriegen wir nicht zurück. Das war mal die Durchschnittsgröße eines Betriebes. Für die Betriebe, die hier wirtschaften, geht es um die Existenz.“ Direkt betroffen seien alleine im Bereich Kirch-/Westerweyhe sechs bis acht Landwirte direkt, bei einer möglichen Flurbereinigung seien es zehn bis 15.

Koch betont: „Das ist existenzbedrohend. Vor fünf Jahren habe ich eine halbe Million in einen Bullenmaststall investiert. Dabei habe ich nie gedacht, dass hier eine Bahnstrecke durchgebaut wird. Wenn die Autobahn kommt, sind wir Landwirte eh schon gebeutelt – und jetzt kommt noch die Bahn dazu.“

Hans Hinrich Schulz wird ebenfalls deutlich: „Ich fühle mich als Landwirt und Bürger hintergangen, ängstlich und traurig, wenn Beschlüsse einfach so umgangen werden. Wenn du hier ein Haus gebaut hast, ist das hier doch dann plötzlich nicht mehr so lebenswert.“ Sein Sohn Sönke fügt an, dass man durch Bestandsstrecke der Bahn und die Ortsumgehung ohnehin schon mit Lärm konfrontiert sei, wenn der Wind ungünstig stehe. „Mit der nächsten Trasse würden wir förmlich eingekesselt.“ Und Helma Harbecke-Schulz sagt frustriert: „Das ist jetzt so viel Unsicherheit!“

Rainer Koch nimmt es fast mit Galgenhumor: „Am Ende soll ja ein Raumwiderstandsverfahren stehen. Wir fangen damit jetzt schon mal an – wir leisten Widerstand.“

Daran ändern auch alle Beteuerungen der Bahn nichts, dass noch keine Vorentscheidung für eine konkrete Trasse gefallen sei.

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