Erste Ehrenamtskarten kommen im Dezember / Kritik aus den Kommunen

Landrat sammelt für das Ehrenamt

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Landrat Dr. Heiko Blume erklärt die Ehrenamtskarte und verteidigt sie gegen Kritik aus den Kommunen.

Landkreis Uelzen. Noch sammelt Dr. Heiko Blume. Der Landrat braucht Rabatte, Vergünstigungen, Angebote. Sie sollen dann für die Ehrenamtskarte genutzt werden, die momentan vom Landkreis geplant wird.

Die Ehrenamtskarte soll eine besondere Auszeichnung sein: Wer nachweislich lange ehrenamtlich arbeitet (siehe Kasten), soll die Karte bekommen. Der Träger der Karte soll dann die Möglichkeit bekommen, an vielen Einrichtungen im Kreis einen Vorteil gegenüber anderen zu haben – als Auszeichnung für sein Engagement. Beispiele sind Ermäßigungen bei Eintrittspreisen, Gebührenerlass, kostenlose Führungen oder schnellere Bedienung.

Diese Vergünstigungen kann der Landkreis nicht bestimmen, er muss sie von Unternehmen und Institutionen erbitten. Bisher steht das Projekt gut da, meint Blume. Einige Einrichtungen im Landkreis hätten sich sehr schnell und spontan für eine Vergünstigung entschieden. Die Kontrolle würde der Landkreis übernehmen.

Aber es gibt auch Kritik: Die Samtgemeinde Rosche und vor ihr auch die Samtgemeinde Aue haben beschlossen, keine Vergünstigungen in ihren kommunalen Einrichtungen zuzulassen: Räte empfinden das Konzept als übergestülpt. Es betrifft nämlich auch das kommunale Säckel – Mindereinnahmen müssten die Kommunen ausgleichen.

„Das kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Dr. Blume, darauf angesprochen, „ich erwarte keine Einbußen für die Kommunen. Ehrenamtler gehen in der Regel nicht allein irgendwohin, beispielsweise in ein Museum. Sie nehmen meist jemanden mit.“ Durch die Karte entstehe der Anreiz, etwas zu unternehmen, die Begleiter des Ehrenamtlers würden den Verlust durch den Rabatt mehr als wett machen. „Und jeder hat diese Chance“, so Blume, letzlich sei es für den Vergünstiger auch ein Imagegewinn.

Oder ein Imageverlust, wenn man es sich nicht leisten kann: Kommunen zahlen zunächst die Vergünstigung in ihren kommunalen Einrichtungen, und wenn sie anders als Blume nicht glauben, dass sich Rabatte für die Ehrenamtler sogar finanziell lohnen könnten, müssen sich die Räte gegen Rabatte entscheiden, und somit gefühlt gegen das Ehrenamt – eine unpopuläre Wahl.

Aus anderen Landkreisen kennt Blume die Querelen: „Wir sind nicht der erste Landkreis, der das einführt, auch wenn es grummelt in den Kommunen“, sagt er. Aber den Handel geht er ein: Der Staat kann nicht alles leisten, meint er. „Ehrenamtler helfen da, wo der Staat an seine Grenzen stößt. Ohne dieses Engagement würde diese Gesellschaft nicht so gut funktionieren wie sie es tut“. Der Anerkennung für dieses Engagement gelte es, Ausdruck zu verleihen – und das ganz konkret und direkt mit einem persönlichen Vorteil.

Im September soll das Programm offiziell starten. Dann können Anträge eingehen. Die ersten Ehrenamtskarten sollen dann am 5. Dezember – dem Tag des Ehrenamtes – ausgeteilt werden.

Von Kai Hasse

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