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Schüler erforschen Vorgeschichte des Uelzener Ehrenmals – Landkreis zieht Konsequenzen

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Kranzniederlegung am Uelzener Ehrenmal im Stadtwald
Zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt wurden am Volkstrauertag in Uelzen Kränze niederlegt – allerdings zum letzten Mal am Ehrenmal im Stadtwald. Das kündigte Landrat Dr. Heiko Blume an. Schüler des Lessing-Gymnasiums haben die Entstehung im Dritten Reich recherchiert. © Sternitzke

Kranzniederlegung, Posaunenklänge, Reden von Landrat, Propst und seit einigen Jahren auch von Schülern – 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945) folgt die Feier zum Volkstrauertag festen Formen. Anders als in den ersten Jahrzehnten wird aller Opfer von Krieg und Gewalt sowie von Extremismus und Hass gedacht. Zum letzten Mal geschah dies jetzt an dem Ehrenmal im Stadtwald.

Uelzen – Die Gedenkstätte gilt als historisch belastet. Schüler des Lessing-Gymnasiums (LeG) haben die Entstehungsgeschichte der Anlage im Dritten Reich recherchiert. Daraus zieht der Landkreis als Veranstalter der Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag seine Konsequenzen. „Das Ergebnis hat mich veranlasst, dass die Veranstaltung zukünftig nicht mehr im Stadtwald, sondern auf dem Stadtfriedhof stattfindet“, erklärt Landrat Dr. Heiko Blume, der von dem „sogenannten“ Ehrenmal spricht. „Dieser Platz ist meiner Meinung nicht der würdige Platz für den Volkstrauertag.“ Rechtzeitig zu der gestrigen Gedenkveranstaltung ist eine Tafel aufgestellt worden, die die Entstehungsgeschichte und Bedeutung der Anlage erläutert.

Einweihung im Dritten Reich

Die LeG-Schüler Nele Kiehl, Karlotte Gröfke und Andreas Mastel tragen diese gestern vor. Demnach gab es bereits in den zwanziger Jahren Pläne für ein Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918), die an der Finanzierung sowie der Uneinigkeit über Gestaltung und Ort des Ehrenmals scheiterten. Erst nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gründete sich 1933 ein „Denkmalsausschuss des Reichsverbandes Deutscher Kriegsopfer.“ Ihm gehörten neben Mitgliedern von Magistrat und Bürgervorsteherkollegium auch Militärverbände und Gruppierungen der NSDAP an. Finanziert durch Stadt und Spender wurde das quaderförmige Denkmal nach dem Entwurf des Architekten Fritz Hartjenstein aus Hannover 1936 errichtet.

Propagandistische Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg

Aus Sicht der Schüler sollte es die Opfer des Krieges zu Helden umdeuten. Das machen sie unter anderem an den Reliefs an den Seiten deutlich. Die gezeigten Gesichter der Soldaten seien ernst und ausdruckslos, „ohne eine Spur von Schmerz und Leid“. „Damit wird das massenhafte Sterben im Ersten Weltkrieg in ein sinnhaftes Geschehen umgedeutet“, erklärt Nele Kiehl. Die Bevölkerung sollte nicht mehr um die Opfer trauern, sondern propagandistisch auf den Zweiten Weltkrieg vorbereitet werden.

So deuten die Schüler auch den im Vorfeld der Denkmalsanlage angeordneten Löwen ein, ein zwar traditionelles Bild an Kriegerdenkmälern, das Stärke und Heldenmut symbolisiere, aber durch seine Ausrichtung nach Osten im Sinne der NS-Ideologie gegen den Bolschewismus, die Sowjetunion gerichtet worden sei. Nur drei Jahre später begann das NS-Regime den Zweiten Weltkrieg. An die gefallenen Soldaten erinnerte man nach Kriegsende durch Hinzufügung einer Zeile mit den Jahreszahlen. An der Recherce waren drei weitere Schüler beteiligt: David Häberle, Lena Henke und Jette-Jördis Rosenthal.

Durch den russischen Angriff auf die Ukraine gewinnt das Gedenken zum Volkstrauertag an neuer Aktualität. So bezieht Propst Jörg Hagen die Menschen in dem Kriegsland ausdrücklich in sein Gebet ein.

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