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Landrat geht auf die Barrikaden

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Von: Steffen Kahl

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In Tatendorf bei Ebstorf schlugen Wölfe vor gut einer Woche in unmittelbarer Nähe eines Wohnhauses zu. Einer der Gründe, warum der Landrat vehement konkrete Schritte der Regierung fordert. Archivfoto: sh
In Tatendorf bei Ebstorf schlugen Wölfe vor gut einer Woche in unmittelbarer Nähe eines Wohnhauses zu. Einer der Gründe, warum der Landrat vehement konkrete Schritte der Regierung fordert. © Archiv / Hackenberg

Uelzen. Schwammige Antworten des niedersächsischen Umweltministers Stefan Wenzel (Grüne) auf die Uelzener Resolution zum Thema Wolf sorgen für Unmut bei Landrat Dr. Heiko Blume (CDU).

Der Hintergrund: Der Kreistag des Landkreises Uelzen hatte am 14. Februar mit 32 Ja-Stimmen und ohne Enthaltung oder Gegenstimme eine Resolution zum Thema Wolf beschlossen. In dem Papier sind sieben konkrete Forderungen an die Landesregierung formuliert (siehe unten).

Vor wenigen Tagen, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises, habe der Umweltminister Stefan Wenzel auf die Resolution geantwortet. Zufrieden stellt das Schreiben den Landrat nicht. „Die Antwort ist an einigen Stellen wenig konkret“, so Blume. Auch in der Sache bleibe das Umweltministerium hinter den Forderungen des Kreistages zurück. So sei beispielsweise nicht zugesagt worden, dass künftig sämtliche Schäden durch Wölfe an Weidetieren vorbehaltlos und unter Umkehrung der Beweislast zugunsten der Geschädigten ersetzt würden.

In der Stellungnahme aus dem Ministerium, so der Wortlaut der Pressemitteilung weiter, würden einige Maßnahmen „als nächste Schritte geplant“ bezeichnet. Beispielsweise der Aufbau eines „Herdenschutzteams“, welches bei Bedarf Monitoringmaßnahmen durchführen solle.

Dr. HeikoBlume
Dr. Heiko Blume. © Privat

Blume kommentiert dies mit den Worten „Nach meiner Einschätzung sind konkrete Maßnahmen im Landkreis Uelzen notwendig. Es genügt nicht, derartige Schritte für die Zukunft nur zu planen.“ Vor dem Hintergrund zahlreicher Weidetierrisse und Wolfssichtungen seien zumindest solche aktiven Monitoringmaßnahmen erforderlich, so Blume. Darauf habe er den Minister auch aufmerksam gemacht. Nachgefragt habe der Landrat außerdem, ob im Zusammenhang diesen Vorfällen ein Wolf als „Problemwolf“ eingestuft werden und „entnommen“ werden könne – wie es seinerzeit mit „Kurti“/Wolf „MT6“ geschah.

Von Steffen Kahl

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Die Forderungen der Wolfs-Resolution

Am 14. Februar beschloss der Kreistag, die Landesregierung aufzufordern:

1. Schäden durch Wölfe zu ersetzen, die Beweislast zugunsten der Geschädigten umzukehren und die Regelung auf Hobbyweidetierhalter auszuweiten.

2. Das Wolfsmonitoring weiter zu entwickeln und Fachleute für die Besenderung und Vergrämung von Wölfen auszubilden.

3. Wölfe, insbesondere „Problemwölfe“, die Weidetiere reißen und sich Menschen bedrohlich nähern, zu entnehmen, sprich: zu töten.

4. Über eine Bundesratsinitiative den Erhaltungszustand der niedersächsischen Wolfspopulation prüfen zu lassen.

5. Sofern sich ein günstiger Erhaltungszustand ergebe, über Bund und EU darauf einzuwirken, dass der Wolf in Sachen Schutzbedürftigkeit herabgestuft werde, um ein wirksames Bestandsmanagement zu ermöglichen.

6. Anschließend den Wolf ins Niedersächsische Jagdrecht aufzunehmen und

7. die von Stefan Weil zugesagte Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit durchzusetzen.

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Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hieß es "43 Ja-Stimmen". Richtig ist "32 Ja-Stimmen". Wir haben den Tippfehler bereits korrigiert.

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