Wenn Wasser zur Wucht wird...

Für den Landkreis Uelzen liegt nun ein Hochwasser-Konzept vor

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Beim Sommergewitter Mitte Juni wurden durch den Starkregen Felder in Mitleidenschaft gezogen. Wasser riss bei Römstedt Pflanzen samt Erdreich fort.

Uelzen – Nach einer knappen Stunde ist wieder „Frieden“ eingekehrt. Das Sommergewitter ist weitergezogen – in Kellern und auf Straßen steht aber das Wasser. Wehren werden gerufen. Die Landwirte stehen auf verwüsteten Feldern.

Kartoffeldämme sind samt Pflanzen weggespült worden. Gerade einmal drei Wochen liegt das zurück. Die Gemeinden im Landkreis Uelzen rüsten sich für solche Starkregen-Ereignisse und für Hochwasser-Lagen.

Christian Siemon hat das Konzept erarbeitet.

Ein Hochwasser-Konzept liegt nun vor, in dem festgehalten ist, welche Siedlungsbereiche besonders gefährdet sind. Ingenieur Christian Siemon, der das Konzept erarbeitete, spricht von „Brennpunkten“. Er hat mit seinen Kollegen auch Vorschläge erarbeitet, wie sich Siedlungen schützen lassen. Damit Rettungskräfte und Kommunen bei steigenden Pegelständen wissen, wann welches Dorf oder Stadt vom Wasser erreicht wird, haben die Verfasser des Konzeptes auch Laufzeiten errechnet. All die Informationen sind auf sogenannten „Steckbriefen“ jeweils für ein Gebiet festgehalten worden.

Ulrich Ostermann ist Experte in Wasserfragen.

Mit dem Hochwasser-Konzept können Schutzmaßnahmen realisiert werden. Diese müssten die Kommunen in Auftrag geben. „Jetzt liegt das Material vor, die Verwaltungen können es im Sommer sichten und dann Entscheidungen treffen“, sagt Ulrich Ostermann vom Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen.

Bei Starkregen-Ereignissen sind nicht zwangsläufig Dörfer betroffen, die an einem Bach oder Fluss liegen. Auf trockenen Feldern und Straßen versickert der Regen nicht. Das Wasser kann durch kleine Wälle gelenkt werden, sodass bewohnte Gebiete verschont bleiben. Bei solchen Maßnahmen bewege man sich bei den Kosten im Bereich von einigen tausend bis hunderttausend Euro, sagt Ostermann. Hochwassermaßnahmen wie Deiche und Schutzwände seien kostenintensiver, könnten in die Millionen gehen.

Im Februar 1941 setzt Tauwetter ein – binnen Stunden steht Uelzens Innenstadt unter Wasser. 

Aufnahmen aus dem Februar 1941 zeigen, wie Uelzens Innenstadt unter Wasser steht. Nach Wochen mit Schnee und Eis hatte plötzlich Tauwetter eingesetzt, die Böden jedoch waren noch gefroren, nahmen deshalb das Wasser nicht auf. Für ein Hochwasser-Ereignis muss man aber nicht soweit in der Geschichte zurückgehen. Ulrich Ostermann berichtet vom 16. und 17. Juli 2002, als binnen 24 Stunden große Niederschlagsmengen zu verzeichnen waren. Die Pegel der Flüsse stiegen, „in den Kellern stand das Wasser“, so Ostermann.

Von solchen Starkregen- und Hochwasser-Ereignissen sind nicht nur einzelne Orte betroffen. Deshalb ist auch das Hochwasser-Konzept ein Gemeinschaftsprojekt der Kommunen im Landkreis Uelzen. Sie hatten sich vorab zu einer Hochwasserpartnerschaft zusammengeschlossen. Ein noch relativ junges Modell für die Zusammenarbeit beim Hochwasserschutz.

Das nun erarbeitete Hochwasser-Konzept war eines der ersten Projekte der Uelzener Partnerschaft. Nach Angaben von Ulrich Ostermann wurde dafür ein Betrag von etwa 130.000 Euro in die Hand genommen.

VON NORMAN REUTER

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