Landkreis Uelzen: Eine Region sucht Fachkräfte

Ob in der Pflege oder im Handwerk – Fachkräfte sind gesucht. Möglichst sollen die Menschen eben nicht mit dem Zug zur Arbeit jenseits der Kreisgrenzen fahren, sondern hier vor Ort arbeiten.
+
Ob in der Pflege oder im Handwerk – Fachkräfte sind gesucht. Möglichst sollen die Menschen eben nicht mit dem Zug zur Arbeit jenseits der Kreisgrenzen fahren, sondern hier vor Ort arbeiten.

Uelzen – Junge Menschen wandern ab. Im Landkreis fehlen Fachkräfte. Das soll sich ändern. Die Kreisverwaltung hat sich mit einem Projekt auf den Weg dazu gemacht. Eine erste Analyse zeigt: Allein mit Marketingmaßnahmen wird man Menschen nicht für die Region begeistern können.

Markus Wessel hat der Kreispolitik mehr als nur Zahlen mitgebracht. In den vergangenen Monaten ist der Mitarbeiter des Dortmunder Unternehmens ExperConsult mit Kollegen den Fragen nachgegangen, warum Uelzener für eine Arbeit in andere Landkreise pendeln und wie stark hiesige Unternehmen unter einem Fachkräftemangel leiden.

Den Auftrag dazu hat ExperConsult von der Kreisverwaltung bekommen. Die Region soll nicht ausbluten, wenn es um Arbeitskräfte geht. Das ist das Ziel. Das Projekt „Fachkräftemarketing“ wurde angeschoben. Und der erste Schritt: eine Bestandsaufnahme und Fragen an Pendler, Berufseinsteiger und Unternehmen.

Der Austausch mit hiesigen Firmen zeigt: Das vom Landkreis angeschobene Projekt kommt zur rechten Zeit. 78 Prozent der befragten Unternehmen erklärten, dass für sie inzwischen Fachkräftesicherung und -gewinnung ein „sehr wichtiges“ oder „eher wichtiges“ Thema sei, wie Markus Wessel bei der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses referiert.

Mit einem Blick auf unbesetzte Stellen erklärt sich, warum Firmen der Fachkräftesicherung und -gewinnung eine solche Priorität einräumen. 1236 Stellen waren zum Zeitpunkt der Befragung unbesetzt – es wurden 250 Unternehmen angeschrieben und 30 persönliche Gespräche geführt.

Der direkte Kontakt mit Firmen offenbart auch: Für Stellenbewerber spielt die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine gewichtige Rolle. „Die Nahmobilität wird als Thema gesehen“, so Wessel. Auch Wohnungen brauche es für Berufseinsteiger in der entsprechenden Größe, so der Tenor. „Ein bis zwei Zimmer, bei bezahlbarer Miete.“

Die Mobilität führten auch Schüler in Bad Bodenteich und Uelzen an, als sie vom ExperConsult-Team gefragt wurden, was für sie ein wichtiges Kriterium sei, um in der Region zu bleiben. Außerdem: Das Mobilfunknetz müsse besser werden.

Markus Wessel konstatiert: „Es reicht nicht, nur Marketing zu machen.“ Es gebe mehr Arbeitsfelder für die Politik.

Vor Abfahrt der Züge sind auch Pendler an Bahnhöfen angesprochen worden. Was treibt sie an, für den Beruf in einen Zug zu steigen? In der Region hätten sie nicht die passende Stelle in gewünschter Qualität gefunden, hörten die Interviewer. Aber ist den Pendlern die ganze Bandbreite der beruflichen Möglichkeiten im Landkreis Uelzen bekannt?

Mit Marketingmaßnahmen sollen deshalb unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden, erklärt Wessel. Entscheidend dann für einen Erfolg: Auf leichtem Wege müssten die Menschen an weitere Berufsinformationen kommen, auch über moderne Kanäle – Stichworte: Videos und Social Media-Angebote. Der Blick auf die Internetseiten, gerade auch der Verwaltungen zeige, „da ist noch Luft nach oben“.

Markus Wessel macht klar: Es gibt keine Zeit zu verlieren. Auch wenn es aktuell durch die Corona-Pandemie zu einer wirtschaftlichen Talfahrt komme, sei mit einer Erholung zu rechnen. Und: Gerade der Landkreis Uelzen könne profitieren. Menschen könnten nach den Erlebnissen während der Pandemie ländlicheren Gebieten mit weniger Bewohnern den Vorzug geben.

VON NORMAN REUTER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare