Verkehrsministerium prüft 58 Bahntrassen – auch die Strecke zwischen Uelzen und Dannenberg

Land will Gleise reaktivieren

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Ob die Gleise zwischen Uelzen und Dannenberg wieder befahrbar sein werden, wird jetzt in Hannover untersucht – das Land plant die Wiederinbetriebnahme einiger Strecken.

Uelzen/Dannenberg. Bei den aktuellen Meldungen aus dem Landesverkehrsministerium beginnen Otto Lukats Augen zu leuchten: Verkehrsminister Olaf Lies nämlich plant die Reaktivierung von Bahnstrecken in Niedersachsen.

58 zum Teil schon stillgelegte Trassen werden in einer ersten Phase dahingehend überprüft. Und mit dabei ist auch die Strecke Uelzen-Dannenberg/Ost, für die sich Uelzens Bürgermeister in der Vergangenheit immer wieder stark gemacht hat.

„Das ist sehr erfreulich“, strahlt Otto Lukat, als er von den Plänen erfährt, „denn wir wehren uns dagegen, dass die Strecke endgültig verloren geht.“ Das Eisenbahnbundesamt habe auf Antrag der Gemeinde Stoetze eine sogenannte Freistellung, also den Abbau der Gleise, für einen Teil der Strecke genehmigt, es wurden hinlänglich Für und Wider einer Ertüchtigung der Verbindung diskutiert und auch eine Bürgerinitiative macht sich, wie berichtet, für den Erhalt der Gleise stark. Dass sich nun das Land um das Thema kümmere, gefalle dem Uelzener Stadtoberhaupt.

„Ziel ist es“, so informiert derweil Minister Lies, „das Angebot auf der Schiene in Niedersachsen zu verbessern. Dazu werden alle Interessierten eingebunden.“ Zu den derzeit 58 in den Fokus genommenen Strecken können aus einzelnen Regionen, sagt er, auch weitere Trassen vorgeschlagen werden.

In einem transparenten Verfahren wird dann eine Priorisierung erarbeitet, bis schließlich 20 Strecken in die nächste Prüfphase gehen, an deren Ende sechs bis acht Verbindungen durch einen externen Gutachter überprüft werden. „Wir wollen prüfen, wo mit wirtschaftlicher Vernunft der Schienenpersonennahverkehr in die Fläche ausgeweitet werden kann.“ Die Reaktivierungswürdigkeit von Strecken und Haltepunkten solle so transparent wie möglich erfolgen.

In dem mehrstufigen Verfahren werden Kriterien wie das vorhandene Verkehrspotenzial, die Konkurrenzsituation oder auch raumordnerische Ziele und Nachhaltigkeit sowie natürlich die Kosten bewertet. Im Laufe des kommenden Jahres soll die Untersuchung abgeschlossen werden, auf deren Grundlage wiederum unter Berücksichtigung der Folgekosten und der verfügbaren Mittel bis Spätherbst 2014 eine endgültige Entscheidung getroffen werden soll. „Die Investitionskosten“, sagt Olaf Lies, „werden zu 75 Prozent vom Land übernommen, den Rest werden die Landkreise und Kommunen vor Ort übernehmen.“ Die späteren Betriebskosten lägen beim Aufgabenträger, also – außerhalb der Gebiete der Region Hannover und des Zweckverbandes Großraum Braunschweig – beim Land.

1924 wurde die Trasse zwischen Uelzen und Dannenberg gebaut, am 15. Oktober 1924 rollte der erste Zug in Richtung Uelzen. 1975 wurde der Personenverkehr eingestellt, am 25. April 1995 fuhr der letzte Güterzug – der gleichzeitig der erste Castor-Zug nach Gorleben war – über die Strecke. Am 1. Juni 1996 wurden die Gleise dann offiziell stillgelegt.

Uelzens Bürgermeister Otto Lukat sieht in einer Reaktivierung der Strecke nach Dannenberg große Optionen, die verheißungsvolle Perspektiven bieten: Unter anderem für den Schülertransport könnte die Verbindung attraktiv sein oder für Firmen, die im Landkreis Lüchow-Dannenberg direkt an der Bahnlinie lägen. Außerdem sehe er das Potenzial nicht nur für den Bereich Uelzen-Dannenberg, sondern darüber hinaus: „Die Strecke führte ja einmal bis nach Dömitz“, sagt er und hält eine Erweiterung bis nach Ludwigslust für sehr reizvoll. „So würde man die Region an die Ostsee und damit an die großen Häfen anknüpfen“, so Lukat.

Von Ines Bräutigam

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