Auf Kurs mit Knatterkisten

Wenn der Motor plötzlich streikte, war Muskelkraft gefragt, um die Gefährte von der Piste zu rollen.

Klein Pretzier. Wo an anderen Wochenenden üblicherweise die Motoren von Autos und Motorrädern dröhnen, war gestern und am Sonnabend auf dem Uhlenköper-Ring bei Klein Pretzier das Geräusch von Rasenmähern zu hören. Auf dem hügeligen Gelände fand das vierte Rasenmähertrecker-Rennen statt, bei dem 51 Fahrer aus Norddeutschland und darüber hinaus mit ihren knatternden Kisten starteten, darunter aber keiner aus dem Kreis Uelzen.

Die Piloten boten den Besuchern ein Spektakel der besonderen Art und ließen diese oft den Atem anhalten bei ihrem Kampf um jeden Zentimeter Boden des staubigen Rundkurses mit seinen Geraden und Schikanen. Ausgerichtet wurde das nationale Highspeed-Race der „Rasenmäher-Rennboliden“ erneut vom Team Sommeringen aus Lingen/Ems. Es wurde tatkräftig unterstützt vom Brüdertrio Armin, Cordt und Werner Knust, das den Uhlenköper-Ring der Eltern betreibt.

Was aus einer Bierlaune heraus im Emsland vor 20 Jahren mit dem ersten Rasenmähertrecker-Rennen seinen viel belächelten Anfang nahm, hat sich längst zu einer ernst zu nehmenden Sportart gemausert, der sich deutschlandweit über 500 Fahrer in etwa 200 Teams verschrieben haben. Fuhren die Piloten anfangs noch mit serienmäßigen und nicht umgebauten Original-Rasenmähertreckern, so haben die heutigen Rennmäher damit bis auf das Chassis fast nichts mehr gemein und erreichen bis zu Tempo 80.

Das Aussehen eines umgebauten Rasentraktors muss allerdings erkennbar bleiben. Im Gegensatz zum Sitz dürfen die Achsen nicht gefedert sein. Überrollbügel sind bei den Trucks mit ihren – je nach Startklasse – bis zu 13, 18 und 25 PS starken Ein- oder Zweizylinder-Motoren nicht erlaubt.

Dass es nicht zu unterschätzende „Geschosse“ sind, die da unterwegs sind und ihren Piloten neben einer gehörigen Portion Mut vor allem großes fahrerisches Können und körperliche Fitness abverlangen, davon konnten sich die Besucher jetzt überzeugen. Nicht alle Fahrer blieben unfallfrei, doch die Crashs verliefen glimpflich.

Von Jochen Frenz

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