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Kurios: In Uelzen wird Bühne in Brücke integriert

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Von: Norman Reuter

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3,50 Meter breit, mit einem Podest in der Mitte und abgehende Rampen – der Politik sind die Optionen für die Lange Brücke mithilfe einer Grafik dargestellt worden.
3,50 Meter breit, mit einem Podest in der Mitte und abgehende Rampen – der Politik sind die Optionen für die Lange Brücke mithilfe einer Grafik dargestellt worden. © Hansestadt Uelzen

Die Lange Brücke in Uelzen ist marode – zumindest jener Abschnitt, der über die Ilmenau-Wiesen führt. Ein Neubau ist geplant. Die Frage ist aber: Wie soll die Brücke gestaltet werden? Mit einem Podest? Mit Rampen?


Uelzen – Die Lange Brücke hat ihre Geschichte: Gut 80 Jahre sind wohl einzelne Elemente alt. Das Bauwerk hat – zumindest jener Abschnitt, der durch die Ilmenauwiesen verläuft – das Ende seiner Lebensdauer erreicht, oder wie es Frank Böker kurz und knapp im Bauausschuss auf den Punkt bringt: „Die Brücke ist kaputt.“

Der bei der Hansestadt für Brücken zuständige Bauingenieur stellt den Mitgliedern des Ausschusses bei ihrer jüngsten Sitzung die Ideen für einen Neubau vor. Die Politik ist aufgefordert, die Richtung vorzugeben, wie die Brücke ausgestaltet werden soll, bevor es in die Detailplanung geht. Denn: Je komplexer die Brücke errichtet wird, desto höher sind die damit verbundenen Kosten.

Nach gut einer Stunde der Beratungen steht fest: Die derzeit noch bestehende Brücke mit einer Breite von zwei Metern soll durch einen Neubau mit einer Breite von 3,50 Meter ersetzt werden – und zwar auf der gesamten Länge, also auch die Ilmenauquerung. Dieser Abschnitt ist „noch in Ordnung“, wie Böker ausführt. Allerdings würde bei einer Teil-Erneuerung die Ilmenauquerung zur Engstelle, was der Idee, die Brücke mit in die Radvorrangroute durch Uelzen zu integrieren, widersprechen würde.

27 Meter lange Rampe

Die Ilmenau-Wiesen sind mit dem „Picknick im Park“ und den Vitaltagen mehrfach in diesem Jahr Veranstaltungsort gewesen. Um künftig Künstlern eine Bühne bieten zu können, aber auch als Platz zum Verweilen, soll die Brücke ein Podest in der Größe von von 16 mal neun Metern erhalten.

Göntje Schoeps, Quartiermanagerin des DRK, das Wohnanlagen an dem Ilmenau-Wiesen unterhält, bekommt die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass die Grünflächen für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß unterwegs oder auf einen Rollstuhl angewiesen sind, zugänglich sein sollten. Die Erlebbarkeit der Ilmenau-Wiesen für Ältere ist ein Punkt, den die Politiker ausführlich beraten, auch weil sie – wie die Verwaltung – mit den denkbaren Rampen, die von der Brücke in die Wiese führen könnten, hadern. Die Rampen müssten, wie Frank Böker ausführt, mindestens eine Länge von 27,20 Meter aufweisen, um von Rollstuhlfahrern benutzt werden können.

„Hochtrabende“ Pläne

Für Klaus Knust (SPD) steht fest: Einen Zugang zu den Ilmenau-Wiesen braucht es. „Eine Rampe ist wichtig“, sagt er. Wilfried Teichmann (SPD) schlägt in die gleiche Kerbe. „Wir wollen die Wiesen erlebbar machen“. Und zugleich wird angeregt, ob sich nicht eine Lösung im Bereich der Böschung hinab zu den Wiesen finden lässt. Ein Vorschlag, den auch Nicole Haase (CDU) folgen mag. Dr. Günther Riedl (AfD) regt an, ob nicht auch ein Lift geschaffen werden könnte, was die Verwaltung jetzt prüfen soll.

Martin Schneider (FDP) indes mahnt: Die Pläne für die Brücke seien „sehr hochtrabend“. „Und wir wissen nicht, was wir die nächsten Jahre auf den Konto haben werden“, so der Liberale, womit er die Kosten für das Bauwerk anspricht: Für die reine Brücke kommt die Stadt auf 1,5 Millionen Euro. Für das Podest sind 300 000 Euro veranschlagt, für abnehmbare Geländer sowie Bänke, damit es als Bühne genutzt werden kann, weitere 20 000 Euro. Die Rampen von der Brücke aus würden mit 250 000 Euro zu Buche schlagen. In jeden Fall sind Grundkosten für Planung, Beleuchtung und Leitungen von 360 000 Euro aufzubringen. Wenn die Rampen nicht gebaut werden, geht die Verwaltung von Kosten von 2,2 Millionen Euro aus, wobei Uelzen Zuwendungen dafür aus der Städtebauförderung „Lebendige Zentren“ nutzen kann. Allerdings werden diese nicht mehr so hoch ausfallen wie zunächst gedacht: Die Förderquote liegt nun bei 66 Prozent und nicht mehr bei 90 Prozent. Der Grund: Uelzen gelte nicht mehr als finanzschwache Kommune, erklärt Frank Böker. Im Ergebnis ist ein Eigenanteil von etwa 880 000 Euro aufzubringen.

Kommentar: Kosten für Bauwerk alles
andere als verhältnismäßig

Von Norman Reuter

Die Lange Brücke in Uelzen ist für Fußgänger und Radfahrer eine wichtige Querung. Das soll hier nicht infrage gestellt werden. Auch soll es hier nicht darum gehen, ob nun das Podest sinnvoll ist oder aber die Rampen vom Brückenkörper oder entlang der Böschung entstehen sollten. Was einen als Beobachter ganz grundsätzlich umtreibt, sind die Preise, die für eine Brücke (!) aufgerufen werden.

2,2 Millionen Euro oder aber mit Rampen 2,45 Millionen Euro soll das Bauwerk kosten. Es wird einem schwindelig bei dem Gedanken, dass mit einem solchen Betrag früher fünf Einfamilien-Häuser hätten gebaut werden können.

Und es braucht auch keinen Propheten, um zu wissen, dass es bei den aufgerufenen Kosten wohl nicht bleibt. Die Stadtverwaltung selbst mahnt, es könnte noch zu Abweichung kommen.

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