Montag fällt die Entscheidung

Kunst mit Konfliktpotenzial: Stimmt Rat für Realisierung der Frauenstatue?

Das sind die vier Entwürfe, die im Ideenwettbewerb „Frauenstatue“ noch in Uelzen umgesetzt werden könnten. Die Entscheidung könnte am 11. Oktober im Rat fallen.
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Hinter dem Entwurf „Venuskogge“ (vorne) kam die „Spindelfrau“ (oben links) von Simona Staehr aus Bad Bevensen in der KTS-Bewertung auf Platz zwei, gefolgt von der „Hansefrau“ von Flora Miranda Seierl (ganz rechts). Aber wird auch ein Entwurf realisiert?
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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Uelzen – Die Mandatsträger von CDU und SPD im Betriebsausschuss Kultur, Tourismus und Stadtmarketing (KTS) der Hansestadt haben sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, im Ideenwettbewerb zu einer Frauenstatue für Uelzen den Entwurf „Venuskogge“ von Claus Kobernuß auf Platz eins zu setzen, mit 5000 Euro zu prämieren und ihn auch zu realisieren.

Uelzen – Die Sitzung des Betriebsausschusses Kultur, Tourismus und Stadtmarketing (KTS) am Donnerstag offenbarte das ganze Dilemma des Ideenwettbewerbs rund um die Frauenstatue, die irgendwann einmal am Eingang der Fußgängerzone stehen soll: Was gut gemeint gewesen war, birgt am Ende viel Konfliktpotenzial.

Die Ausschussmitglieder setzten mehrheitlich den Vorschlag „Venuskogge“ von Claus Kobernuß (Leben leben Arbeit & Produktion) auf Platz eins, gefolgt von der „Spindelfrau“ der Künstlerin Simona Staehr aus Bad Bevensen und der „Hansefrau“ der Österreicherin Flora Miranda Seierl. Kommenden Montag entscheidet der Stadtrat, ob der Siegervorschlag auch tatsächlich am Alten Rathaus umgesetzt wird – in einer Stahl-Holz-Konstruktion.

„Über Kunst lässt sich ebenso streiten wie übers Essen“

Kunstschaffende, Politik und Verwaltung waren zwar in der Jury vereint, lagen in ihren Ansichten aber offenbar weit auseinander. „Über Kunst lässt sich ebenso streiten wie übers Essen“, betonte die Ausschuss-Vorsitzende Marlies Schulz (SPD) vor der Abstimmung über die ersten drei Platzierungen im Wettbewerb. Sogar von „zwei Strömungen in der Jury“ sprach Kristina Nenke (SPD): Eine sei in Richtung abstrakte Kunst gegangen, die andere in Richtung realistisch-darstellend.

Am Ende sei es aber nicht gelungen, ein Gleichgewicht herzustellen. Laut Nenke – zusammen mit Silja Eichmann-Bartels und Karl-Heinz Schmäschke als politische Vertreter in der Jury – hätte man gerne andere Modelle zur Realisierung vorgeschlagen, „die sich gut ins Stadtbild eingefügt hätten“. Jetzt höre sie häufig, dass man besser keinen der Vorschläge umsetzen solle.

„Auf Drängen der Politik kam der vierte Entwurf dazu“

Silja Eichmann-Bartels (CDU) pflichtete Nenke bei. Auch sie sei enttäuscht, dass kein „figürlicheres Modell“ präsentiert worden sei. Mit ihrem Geschmack habe sie sich in der Jury manchmal „etwas gemobbt“ gefühlt. Karl-Heinz Schmäschke (parteilos) wiederum erläuterte, dass die Jury fair über ein Punktesystem gewertet habe. „Wenn man es hätte anders haben wollen, hätte man ja über eine Wahl in der Bevölkerung sprechen müssen. Alle Köpfe in der Jury haben Punkte vergeben, so kamen die erste Drei zustande. Auf Drängen der Politik kam dann der vierte Entwurf noch dazu“, so Schmäschke. Bei diesem vierten Modell handelte es sich um die „Spindelfrau“. Das stellte Kulturdezernet Dr. Florian Ebeling klar.

Für den Kulturbeirat im KTS-Ausschuss hatte Erik Matz erklärt, dass man bezweifle, dass sich die Bürger im Falle einer Umsetzung eines der vier vorliegenden Entwürfe mit der Statue identifizieren könnten. Er erneuerte den zwei Jahre alten Vorschlag, eine ständige Kunstkommission für die Hansestadt einzurichten. Dass die Politik den Bericht des Beirates anschließend nicht weiter aufnahm, ärgerte Matz sehr. „Der Kulturbeirat hat sich Zeit genommen, diskutiert und eine Stellungnahme abgegeben – das wurde nur abgehakt und fertig. Das passt mir überhaupt nicht!“

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