Sie kämpfen für eine Corona-Sonderzahlung

Kundgebung von Uelzener Klinik-Beschäftigten

Etwa 50 Beschäftigte des Uelzener Helios Klinikums sind gestern vor die Türen des Krankenhauses getreten, um sich für eine Corona-Sonderzahlung stark zu machen. „Es geht um die Wertschätzung der Kollegen“, sagte Betriebsrätin Anne-Kirsten Hoffmann.
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Etwa 50 Beschäftigte des Uelzener Helios Klinikums sind gestern vor die Türen des Krankenhauses getreten, um sich für eine Corona-Sonderzahlung stark zu machen. „Es geht um die Wertschätzung der Kollegen“, sagte Betriebsrätin Anne-Kirsten Hoffmann.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Beschäftigte des Uelzener Helios Klinikums bringen bei einer Kundgebung ihren Unmut zum Ausdruck. Sie setzen sich für eine Corona-Sonderzahlung von 1500 Euro ein. Bei der Aktion berichtet eine Intensivstationschwester, wie Arbeitsalltag in der Pandemie aussieht. „Man ist fix und fertig nach einer Schicht“, sagt sie.

Uelzen – Beschäftigte im Uelzener Helios Klinikum haben sich Mittwochmittag für eine Kundgebung vors Krankenhaus begeben, um sich für eine Corona-Sonderzahlung in Höhe von 1500 Euro einzusetzen. Aktuell laufen dazu Tarifverhandlungen.

Etwa 50 Frauen und Männer waren zu zählen – darunter unter anderem Kräfte aus der Pflege, Therapeuten, Lehrer aus der Pflegeschule und Kräfte der Servicegesellschaft, einer Helios-Tochter, die beispielsweise für die Materialbeschaffung zuständig ist. Die Kundgebung fiel in die Mittagspausen-Zeit der Beschäftigten. „Es sind aber auch Kollegen gekommen, die eigentlich frei haben“, hielt Anne-Kirsten Hoffmann, Betriebsrätin und Mitglied der Verdi-Tarifkommission, fest.

Auf einem Banner, das Klinik-Beschäftigte ausbreiteten, war zu lesen: „Wir sind systemrelevant.“ Ein Begriff, der von Bund und Länder für besonders bedeutsame Personengruppen in der Pandemie benutzt wird. Im Zuge der Corona-Krise hatte der Gesetzgeber auch wegen der Mehrbelastungen die Voraussetzungen geschaffen, wonach Arbeitgeber ihren Beschäftigten eine Corona-Sonderzahlung zahlen können, die bis zur Höhe von 1500 Euro steuer- und abgabenfrei bleibt.

Wie Hoffmann schildert, hat Helios als Arbeitgeber bisher 400 Euro für Beschäftigte und 75 Euro für Auszubildende in Aussicht gestellt, dies aber an Bedingungen geknüpft. Im Gegenzug sollen die Mitarbeiter bereit seien, auf eigentlich im nächsten Jahr anstehende Tarifverhandlungen zu verzichten und eine Erhöhung von 1,4 Prozent ab Juli 2022 zu akzeptieren.

Die Tarifkommission vertritt die Auffassung, dass eine Sonderzahlung von 1500 Euro angemessen ist. „Es geht um die Wertschätzung für die Kollegen in diesen Zeiten“, so Anne-Kirsten Hoffmann.

Auf AZ-Anfrage zum Streit um die Corona-Sonderzahlung äußert sich der Betrieb gestern in einem Statement: Als Ergänzung zu staatlichen Prämienzahlungen an Pflegekräfte habe man sich im Rahmen des Helios Konzerntarifvertrags mit den Arbeitnehmervertretern auf eine Corona-Sonderzahlung in Höhe von 400 Euro an alle Beschäftigten des nichtärztlichen Dienstes geeinigt. „Dieses Angebot haben wir auch Verdi für diejenigen Häuser in Niedersachsen gemacht, für die Haustarifverträge gelten. Das Angebot steht nach wie vor, denn es liegt in unserem Interesse, hier eine Gleichbehandlung aller Beschäftigten des nichtärztlichen Dienstes unabhängig von der Laufzeit der jeweiligen Tarifverträge zu gewährleisten.“ Und weiter: „Die Entgelttarifverträge der Kliniken mit Haustarifverträgen in Niedersachsen laufen noch bis zum Jahresende und stellen zusätzlich lineare Steigerungen von 3,5 Prozent in 2021 sicher.“

Was die Corona-Pandemie für Beschäftigte des Klinikums bedeutet, verdeutlichte gestern Annette Niebuhr, Krankenschwester in Uelzen für den Bereich Intensiv und Anästhesie. In den vergangenen 14 Monaten hat sie immer wieder auch Corona-Patienten auf der Intensivstation versorgt. „Man ist fix und fertig nach einer Schicht“, so Niebuhr.

Es sei nicht nur die psychische Belastung, den Menschen helfen zu wollen, dabei aber sehen zu müssen, dass sich nach Tagen der Besserung der Zustand von Patienten wieder verschlechtere und diese im schlimmsten Fall sterben würden. Auch die akute Gefahr vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus treibe einen um. „Bis zu acht Stunden ist eine FFP3-Maske zu tragen“, so Niebuhr. Es müsse immer wieder die Sicherheit für einen selbst gewährleistet werden, „auch wenn man ganz schnell helfen will.“

Niebuhr ist seit 40 Jahren Krankenschwester: „Eine solche Lage habe ich noch nicht erlebt“, sagte sie. Umso mehr ärgere es sie, dass andere Unternehmen im Landkreis ihren Mitarbeitern Zahlungen von 1500 Euro zukommen lassen würden, dass aber nicht für sie und ihre Kollegen möglich sei.

Anne-Kirsten Hoffmann betont, dass nicht zwischen einzelnen Beschäftigten bei der Sonderzahlung unterschieden werden solle. „Sie muss für alle sein.“

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