Austausch beim Tee „bringt allen etwas“

Kulturladen hat sich bewährt – Experiment geht in die Verlängerung

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Spiel, Musik, interkultureller Austausch: Youssef (links), Suzan, Akbari, Marvin, Leiterin Dorit Lütgenau (Mitte), Judith und Hussein im Kulturladen der Uelzener Schuhstraße. 

Uelzen – „Make and Break“ heißt das Spiel. Auf einer Karte ist eine Figur aus Stäben abgebildet, die mit einem Zollstock nachgeformt werden muss.

Sieben Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sitzen um den kleinen Tisch herum und haben sichtlich Spaß miteinander. Projektleiterin Dorit Lütgenau, Youssef aus Syrien, Suzan aus Ägypten, Akbari aus Afghanistan, Judith aus Rumänien, Hussein aus dem Irak und Marvin – aus Uelzen.

Der Kulturladen KULT in der Uelzener Schuhstraße sollte zunächst ein Experiment mit einer Laufzeit von sechs Monaten sein (AZ berichtete), doch der Mietvertrag wurde bis zum Ende des Jahres verlängert. „Aus dem Experiment ist ein wirklich schöner Begegnungsort geworden“, freut sich Dorit Lütgenau, die das Projekt leitet und bei der Woltersburger Mühle für pädagogische Friedensarbeit zuständig ist. Der Erfolg spreche deutlich für den Kulturladen, der Montag bis Mittwoch jeweils zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet ist. „Dienstag bis Donnerstag findet vormittags ein Sprachkurs statt, nachmittags geht es um Kultur“, erklärt die studierte Theologin.

Es wird viel geredet und sich ausgetauscht – auf Deutsch, denn das ist die einzige Sprache am Tisch, die alle Anwesenden – zumindest ein bisschen – sprechen. Akbari, der seit drei Jahren in Deutschland ist, erklärt: „Ich habe keinen Sprachkurs gemacht, aber hier lerne ich viel.“ Es helfe allen, sich hier zu treffen, um bei einem Tee zu reden, etwa über Musik und Essen aus den Heimatländern. Es falle dann auch ein bisschen leichter, so weit weg von zu Hause zu sein.

Bei allen Unterschieden gibt es auch manchmal eine Gemeinsamkeit. Hussein aus dem Irak und Youssef aus Syrien sind beide Kurden. Der Syrer wohnt mit seiner Frau und seinen sechs Kindern in Uelzen und ist sehr stolz, als er berichtet, dass einer seiner Söhne in Suderburg Bauingenieurwesen studiert.

So haben die einen ihre Familie hier, andere sind allein.

Suzan wartet noch auf ihren Anhang. Die Krankenschwester aus dem Bevenser HGZ sagt: „Meine Familie kommt bald nach.“ Seit 18 Monaten ist sie bereits in Deutschland.

Berufsschüler Marvin aus Uelzen hat ganz andere Motive: „Ich bin wegen der angenehmen Gesellschaft hier.“ Und er ist nicht der einzige „Einheimische“, der regelmäßig kommt. „Wir konnten bereits mit vielen Uelzenern Kontakte knüpfen“, sagt Lütgenau, einige würden sich ehrenamtlich engagieren und KULT unterstützen. „Doch wir können immer noch ein paar Leute gebrauchen. Man kann ja erst mal auf eine Tasse Tee vorbeischauen.“

VON ANDREAS URHAHN

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