Sarina Nowak aus Bohlsen über aktuelle Projekte, Ziele und die harte Realität des Modeldaseins

Vom Küken zur Laufsteg-Queen

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Sarina Nowak aus Bohlsen spricht auf az-online,de über aktuelle Projekte, Ziele und die harte Realität des Modeldaseins.

ap Bohlsen. 2009 war sie der heimliche Star der TV-Castingshow „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) – eine Bohlsenerin auf den großen Laufstegen der Welt: Die heute 20-jährige Sarina Nowak (Foto: Petersen) punktete vor allem mit ihrem authentischen Auftreten und galt, bis zu ihrem Ausscheiden als Sechstplatzierte, lange als das tollpatschige „Küken“ der vierten Staffel.

Jetzt, vier Jahre später, plaudert sie im Gespräch mit AZ-Mitarbeiterin Anna Petersen über schauspielerische Ambitionen, die Fashionweek und „krass dünne Mädchen“.

AZ: Sarina, mittlerweile sind vier Jahre seit deinem Ausscheiden bei „Germanys Next Topmodel“ vergangen. Was hat sich in deinem Leben seither getan?

Sarina: „Zuerst einmal habe ich wieder die Schule besucht und den erweiterten Realschulabschluss erlangt. Danach ging es dann für zwei Monate auf nach Kapstadt, um zu arbeiten. Dort habe ich dann entschieden, mein Abitur über eine Fernschule zu machen.“

Das heißt, du modelst noch?

„Ja. Jetzt gehe ich wieder ins Ausland, nach London. Im November war ich dort für ein paar Tage und habe mich bei einer Agentur vorgestellt und die wollen mich jetzt in London für einen Monat haben. Dann fliege ich nach Los Angeles. Meine Agentur und ich möchten nämlich, dass ich auch ein bisschen in die Richtung Schauspielerei gehe. Ich soll dort Schauspiel- und Sprachunterricht nehmen. Ich habe in Schauspielerei noch nicht sehr viel Erfahrung, hatte aber bereits Rollen bei „Die Blaumänner“ im NDR und der Serie „Schlosseinstein“. Außerdem war mein Booker in Australien, um mich dort bei Agenturen vorzustellen. Die waren wohl begeistert. Deshalb fliege ich bald auch dort hin. Ich bin mal gespannt, was noch alles kommt. Aber ich glaube, 2013 wird ein gutes Jahr. Ich freue mich darauf.“

Du kommst ja viel herum. Ist das nicht auch manchmal ziemlich stressig?

„Das letzte Jahr ging es. Da habe ich mich mehr auf die Schule konzentriert. Aber 2013 wird stressiger. Dann sehe ich meine Familie und Freunde selten. Manchmal ist man beim Modeln ziemlich einsam. Ich mag es nicht, allein zu sein. Aber in Kapstadt habe ich gemerkt, dass man schnell neue Leute kennenlernt, und meine Agentur ist ja auch für mich da. Da habe ich echt Glück gehabt.“

Ist das Modelleben denn tatsächlich so hart, wie in der Show suggeriert wird?

„Es ist noch viel härter als bei GNTM. Da hatte man noch Luxus, eine Villa und so. Jetzt teile ich mir manchmal mit drei Mädels ein Appartement. Man macht alles allein und muss dementsprechend selbstständig sein. „Germany’s Next Topmodel“ war so etwas wie eine Modelschule. Durch Heidi habe ich schon viel gelernt.“

Apropos Heidi. Hast du zu ihr und den anderen Kandidaten noch Kontakt?

„Ja, zu einigen. Zu Alisar (Gewinnerin 2010) und Mandy zum Beispiel. Mit ihnen schreibe ich regelmäßig und mit den anderen halte ich über Facebook und WhatsApp Kontakt. Wir sind wie eine kleine Familie. Zu Heidi? – Ne, ich glaube, sie hat genug zu tun und kann nicht mit allen Mädchen von GNTM Kontakt halten.“

Guckst du GNTM denn heute noch?

„Ja, ab und zu und dann vermisse ich das voll. Ich kenne ja auch noch Leute, die dort mitdrehen. Das war mit die tollste Zeit meines bisherigen Lebens. Ich habe so viel erlebt, bin so viel gereist. Mit 16 Jahren war das schon ziemlich krass.“

Dabei ging dir ja auch der Ruf voraus, ein wenig tollpatschig und naiv zu sein...

„Ich war so schüchtern und alles war neu. Ich kannte das mit den Kameras ja noch nicht. Wenn du mal traurig bist, kommen die immer direkt auf dich zu. Und dann das mit den Interviews... Da war ich tollpatschig. Manche Sachen waren sogar echt peinlich. Aber immerhin bin ich in Erinnerung geblieben.“

Wenn du heute in Uelzen unterwegs bist, wirst du dann noch häufig angesprochen?

„Ja, in Uelzen kennen mich ganz viele, weil ich ja auch in der Nähe wohne. Ich kriege auch immer noch Fanpost. Das sind echt süße Fans. Ich hatte allerdings auch mal einen Stalker. Da hatte ich schon ein bisschen Angst. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das bei den richtigen Stars ist.“

Würdest du denn trotzdem auch anderen Mädchen dazu raten, eine Modelkarriere über den Weg einer Castingshow einzuschlagen?

„Für die Erfahrungen allein würde ich das immer wieder machen. Ich bin viel selbstbewusster geworden und habe viele Freunde gefunden. Es gibt allerdings einige Kunden, die nicht mit Models von GNTM arbeiten wollen, wegen des Bekanntheitsgrades.“

Du hast eingangs erzählt, du seist bei der Fashionweek gewesen. Kannst du einen typischen Tagesablauf während dieser Zeit beschreiben?

„Ich stehe morgens auf, mache mich fertig – ohne Make-Up, kein Haarstyling, weil die Kunden dich ganz natürlich sehen wollen – ziehe figurbetonte Kleidung an und habe immer mein Buch und hohe Schuhe dabei. Das Vorlaufen kann dann ziemlich lange dauern, Shootings schon mal von früh morgens bis abends. Teilweise hatte ich acht Castings am Tag. Aber wegen meiner Größe (1,74 Meter) bin ich nicht so ein Laufstegmodel. Da gab es schon einige, die mich gut fanden, aber deshalb nicht genommen haben. Ich bin ja auch eher ein bisschen kurvig. Mein Ziel ist es, einmal bei Victorias Secret mitzulaufen. Die Models sind teilweise auch etwas kleiner und fraulicher – das mag ich daran. Bei der Fashionweek laufen schon einige krass dünne Mädchen herum. Aber mittlerweile mögen auch viele Kunden oder Agenturen weiblichere Models.“

Zeichnet sich da womöglich ein Trend ab?

„Ich hoffe. Es gibt junge Mädchen, die mit 14 Jahren zu modeln anfangen – Mädchen, die auf ihre Figur achten und das finde ich in dem jungen Alter nicht gut. Da sollte man aufpassen.“

Musst du das denn nicht?

„Ich esse ganz normal, aber seit ein paar Wochen keine Süßigkeiten mehr. Den Wievielten haben wir heute? Schon den 23. – krass, schon so lange durchgehalten. Ich muss allerdings auch Sport machen und darauf achten, mich gesund zu ernähren, da man ja auch auf seine Haut achten sollte. Eigentlich brauche ich auch nichts Süßes. Es ist nur gemein, wenn dann die Freunde so etwas essen (lacht).“

Sarina, abschließend noch ein Blick in die Zukunft. Denkst du, dass das Modeling langfristig dein Weg ist?

„Ja, aber ich stehe ja noch ziemlich am Anfang. Meine Agentur glaubt auch daran, dass ich das lange hauptberuflich machen kann. Es macht Spaß und ich kann mir gerade auch nichts anderes vorstellen. Auf jeden Fall möchte ich modeln und dann auch in die Richtung Schauspielerei gehen. Gut, dass ich so früh angefangen habe. Ohne „Germany’s Next Topmodel“ wäre ich vielleicht nie dazu gekommen. Mein Personaltrainer – der hat selbst viel für seinen Traum kämpfen müssen – meint auch, ich dürfe nie sagen, dass ich etwas nicht schaffe, ich solle für meine Träume kämpfen und nie aufgeben. In zehn Jahren dann – oh Gott, da bin ich 30 – hätte ich gerne eine kleine Familie mit zwei Kindern und einem Haus am Meer. Aber man weiß ja nie, was kommt.“

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