Ausstellung zu Zwangssterilisation eröffnet

Gedenken an Holocaust-Opfer in Uelzen: Die krude Logik der NS-Täter

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Gegen das Vergessen: Renate Meyer-Wandtke von der Geschichtswerkstatt und Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt haben am Sonnabend Blumenschalen am Mahnmal abgestellt.

Uelzen. Vor 73 Jahren befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz, in dem die Nationalsozialisten zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen ermordeten. Seit 1996 gedenkt Deutschland am 27. Januar, dem sogenannten „Holocaust-Gedenktag“, offiziell der Opfer des Nationalsozialismus.

Der Zeremonie schloss sich ein Vortrag von Carola Rudnick an, die über Zwangssterilisationen während der NS-Herrschaft referierte.

In Uelzen wird dieser Brauch seit Jahren vom Verein „Geschichtswerkstatt Uelzen“ gepflegt – so auch am vergangenen Sonnabend vor dem Mahnmal am Herzogenplatz. Nach einem Abstellen von Blumenschalen durch Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt und Renate Meyer-Wandtke von der Geschichtswerkstatt gedachte das Vereinsmitglied Dietrich Banse namentlich stellvertretend einigen Uelzener Einwohnern, die zur Zwangsarbeit gezwungen, aufgrund ihres Glaubens verfolgt wurden oder sich dem staatlichen Terror widersetzten. Zur düsteren Thematik des Nationalsozialismus gehört auch das Thema Zwangssterilisation: In einem nachdenklich machenden Vortrag erläuterte Dr. Carola Rudnick, Leiterin der „Euthanasie Gedenkstätte Lüneburg“, die krude Logik der NS-Ideologie: Eugenik, also die Lehre, die die Ausbreitung von Genen mit ungünstigen Eigenschaften einschränken soll, habe es zwar schon in ganz Europa gegeben, aber nur Deutschland habe am 1. Januar 1934 per Gesetz verfügt, die unfreiwillige Sterilisation zur Regel zu machen.

Angeblicher Schwachsinn diente als häufiges Argument, betroffen waren vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, darunter viele, die bei den durchzuführenden Operationen den Tod fanden. Pflegeschüler des zweiten Lehrjahres am Uelzener Helios Klinikum hatten die Aufgabe übernommen, unzählige erhaltene Dokumente auszuwerten und erinnerten im Ratssaal sowohl an Opfer, als auch an Täter – speziell aus der Region Lüneburg/Uelzen.

Im Foyer des Rathauses wurde außerdem eine Ausstellung zum Thema eröffnet, die noch bis zum 9. Februar öffentlich zugänglich sein wird. Auf 17 Stellwänden bietet die Sonder-ausstellung neben einführenden Informationen und Einzelschicksalen tiefer gehende Informationen über die Dimension, beteiligte Einrichtungen und Täterschaft; sie liefert Hintergründe zur politischen Motivation.

Von Oliver Huchthausen

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