Kreisversammlung des Bauernverbandes: Vorsitzender rügt Landwirtschafts-Image

Ökonomie statt heile Welt

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Auch wenn diese Bauern ihr Getreide zu Schauzwecken in historischer Arbeitskleidung ernten, ist die heutige Landwirtschaft keine heile Welt. Das betonte Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, auf der gestrigen Kreisversammlung in Hanstedt II.

Uelzen/Landkreis. „Wirtschaftlich war es für die allermeisten Landwirte ein sehr erfolgreiches Jahr. “ Diese Bilanz zog Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, am Dienstag auf der Kreisversammlung in Hanstedt II.

Allerdings habe 2103 auch einen negativen Beigeschmack gehabt: extreme Witterung mit starken Niederschlägen im Mai und anhaltender Trockenheit im Juli und August. Daher sei es auch „ein kurioses Jahr“ gewesen, sagte Riggert vor etwa 150 Zuhörern aus den Landkreisen Uelzen, Lüchow-Dannenberg und Lüneburg.

Auch mit Kritik sparte der Vorsitzende nicht. So werde das öffentliche Bild der Landwirtschaft zunehmend von „Landlust“ oder „heiler Welt“ geprägt. Doch das sei ein falsches Image. „Wir müssen davon leben und sind ökonomischen Zwängen ausgesetzt“, betonte er. Die seiner Ansicht nach wachsende Skandalisierung der Landwirtschaft behagt ihm ebenfalls nicht. Auf den Berufsstand sei die Kritik „brutal niedergeprasselt“, rügte er mit Blick auf Medienberichte über Fleischskandale und Massentierhaltung.

Allerdings sei es der Verbraucher, der über sein Konsumverhalten entscheide. Und die allermeisten Kunden kauften nun mal konventionell erzeugtes Fleisch im Supermarkt. Die „schreiende, skandalisierende Masse“, die bestimmte Arten der Tierhaltung verurteile, sei deshalb „nur die gefühlte Mehrheit“, meinte der Vorsitzende. Biologisch und konventionell arbeitende Landwirte würden gegeneinander ausgespielt.

Um eigene thematische Akzente zu setzen, sei der Bauernverband inzwischen stärker in die Öffentlichkeit gegangen und werde dadurch auch mehr wahrgenommen. „Es trägt Früchte, wenn wir selbst aktiv werden und nicht nur reagieren“, sagte Riggert, der bei den anschließenden Wahlen einstimmig als Vorsitzender bestätigt wurde. Ebenfalls einmütig wiedergewählt wurde das Vorstandsmitglied Lutz Meyer.

Über die Reform der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ der EU und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft und ländlichen Räume berichtete danach Dr. Wilfried Steffens vom Landvolk Niedersachsen. Bei den Betriebsprämien für landwirtschaftliche Flächen sei ein Ausgleichprozess zwischen alten und neuen EU-Staaten geplant, erläuterte er. Auf deutsche Landwirte kämen somit Kürzungen der Direktzahlungen von etwa 7,7 Prozent zu.

Von Bernd Schossadowski

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