Bedarf unverändert hoch

Kreisverband Legasthenie wird 40 Jahre alt: „Kämpfen wie ein Löwe“

Legasthenie, also eine Lese- oder Rechtschreibschwäche, kann mit einer lerntherapeutischen Maßnahme deutlich verbessert werden.
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Legasthenie, also eine Lese- oder Rechtschreibschwäche, kann mit einer lerntherapeutischen Maßnahme deutlich verbessert werden.

Uelzen – Es sind Beispiele wie diese, die Birgit Steinbach in ihrer ehrenamtlichen Arbeit beim Kreisverband Legasthenie Lüneburger Heide bestärken. Ein Junge hatte aufgrund seiner Legasthenie große Probleme im Deutschunterricht der Realschule.

Die Arbeit mit einem Therapeuten half ihm, dass er seinen Realschulabschluss schaffte. Nach einer Tischlerlehre machte er seinen Meister und arbeitet heute sogar als Architekt.

Seit 40 Jahren gibt es den Kreisverband Legasthenie Lüneburger Heide in Uelzen. Durchschnittlich 150 Kinder, Jugendliche und Erwachsene besuchen die Lerntherapie an den Standorten Uelzen, Bad Bodenteich, Lüchow, Dannenberg, Clenze, Zernien und Hitzacker.

Der Verein beschäftigt neun Lerntherapeuten und hat rund 170 Mitglieder. Er finanziert sich ausschließlich aus den Einnahmen der Lerntherapie, Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Über die Befreiung von der Körperschaftssteuer hinaus erhält er keinerlei öffentliche Förderung. Dem Kreisverband Legasthenie Lüneburger Heide wird seit 1979 die Gemeinnützigkeit zum Zweck der Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der Volks- und Berufsbildung gewährt.

Die Geschäftsstelle des Kreisverbands befindet sich an der Alten Wiesenstraße 21 in Uelzen.

Seit 1996 nutzt der Verband die Geschäftsstelle und lerntherapeutische Praxis an der Alten Wiesenstraße 21 in Uelzen und auch Schulräume wie zum Beispiel in Bad Bodenteich. Fünf Prozent aller Schulkinder leiden an Legasthenie, sodass die Nachfrage laut Birgit Steinbach, Erste Vorsitzende des Kreisverbands Legasthenie Lüneburger Heide, unverändert da sei. „Oft haben diese Kinder und Jugendlichen resigniert und keinen Antrieb mehr. Das Ziel unserer Therapie ist daher, sie auf spielerische Weise zu stabilisieren und ihnen Selbstvertrauen zu geben“, erklärt Steinbach.

Eine finanzielle Unterstützung für die Therapie ist möglich. So kann ein Antrag auf „Eingliederung“ beim Jugendamt gestellt werden, wenn die Teilhabe des Kindes am gesellschaftlichen Leben gefährdet ist und seelische Behinderung droht. Steinbach wünscht sich, dass betroffene Eltern den Mut nicht verlieren sollten, damit ihre Kinder das Problem der Legasthenie in den Griff bekommen. „Dafür muss man kämpfen wie ein Löwe“, so Steinbach.

Der Kreisverband organisiert zudem Treffen mit Angehörigen und nimmt an runden Tischen in Schulen teil. Steinbach: „Schüler, die an einer Lese- oder Rechtschreibstörung leiden, können einen Nachteilsausgleich erhalten. So können ihnen eine Aufgabe vorgelesen, die Zeit bei Klassenarbeiten verlängert oder eine Aufgabe gestrichen werden. Dies ist in jedem Fall keine Bevorzugung.“ Der Kreisverband bietet seine Lerntherapie ausschließlich nachmittags an. Steinbach wünscht sich, dass die Lerntherapie künftig möglichst auch vormittags in der Schule stattfinden kann.

Der Kreisverband wurde 1979 unter dem Namen „Ortsverein Legasthenie“ gegründet. Die Initiative war seinerzeit von Ingetraut Schmäcke ausgegangen, die dem heutigen Kreisverband nach wie vor eng verbunden ist. Schmäcke hatte den Verein fast 30 Jahre lang ehrenamtlich geleitet. Bis heute betreute der Kreisverband rund 5000 Kinder und Jugendliche.

Im Rahmen der 40 Jahre Kreisverband Legasthenie Lüneburger Heide gibt es am Sonnabend, 14. September, zwei Lesungen von Tim-Thilo Fellmer, der früher selbst Le-gastheniker war. Für Kinder liest der Autor von 11 Uhr an in der Stadtbücherei Uelzen aus seinem Buch „Fuffi der Wusel“. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer (0581) 800 65 00 möglich. Von 15 Uhr an erfolgt die zweite Lesung (für Erwachsene) im Ratssal des Uelzener Rathauses (Herzogenplatz 2). Dann liest derselbe Autor aus seinem Roman „Vom Analphabeten zum Buchautor“. Hierfür ist keine Anmeldung erforderlich.

Zu beiden Lesungen ist der Eintritt frei.

VON TIMO HÖLSCHER

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