Fälle aus Wieren bekannt

Eingekeilter Blitzer: Kreisbewohner parken Uelzens mobile Messanlage zu

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Damit der Blitzer nicht auslöst: Mobile Messanlage wird zugeparkt.

Uelzen/Landkreis – In einschlägigen Verkehrsforen wird er „die Zecke“ genannt. Gemeint ist der mobile Blitzeranhänger, den der Landkreis Uelzen im vergangenen Jahr angeschafft hat.

Mehr als 3000 Mal löste er allein in den ersten sechs Monaten aus – und bescherte damit so manchem bereits ein „Ticket“, was ihn nicht zum beliebtesten „Gast“ in den Orten macht und weswegen Kreisbewohner auch anscheinend erfinderisch werden. Sie stellen am Anhänger größere Fahrzeuge ab – in der Hoffnung, dass er dann nicht auslösen kann.

Entsprechende Fälle bestätigt der Landkreis Uelzen auf AZ-Nachfrage aus Wieren. Dort sei der Blitzeranhänger von größeren Fahrzeugen zugeparkt worden, erklärt Matthias Schild, Leiter des Straßenverkehrsamtes.

Der mobile Blitzeranhänger wurde im letzten Sommer angeschafft. Matthias Schild erläuterte das Gerät Foto: PRIVAT

Dass die Verkehrsüberwachung Menschen ein Dorn im Auge ist, weiß Schild aus Erfahrungen. In früheren Jahren waren stationäre Blitzer im Landkreis beschädigt worden, berichtet er. Nicht zuletzt deswegen verfügt der mobile Blitzer auch über eine schlagfeste Außenhülle, einen Schlag- und GPS-Bewegungsmelder sowie über eine Schaumlöschanlage. Aber durch ein Zuparken wird die Blitzeranlage nicht beschädigt – und werden die Fahrzeuge ordnungsgemäß abgestellt, kann der Landkreis auch nichts dagegen unternehmen. Im Zweifel müsse der Messstandort verlagert werden, so Schild.

Der Leiter des Straßenverkehrsamtes baut aber darauf, dass dieses Vorgehen nicht zur Mode wird – auch deshalb, weil es nicht nur Gegner solcher Anlagen gibt. Hinweise dazu, dass in Wieren der Blitzer zugeparkt wurde, kamen auch aus der Bevölkerung. Und wie Matthias Schild sagt, habe man das Gespräch mit den Haltern der abgestellten Fahrzeuge gesucht.

Der Landkreis betont im Zusammenhang mit dem mobilen Blitzer, dass er als Beitrag für mehr Sicherheit gedacht sei. Eingesetzt würde das Gerät unter anderem auch an Schulen und Kindergärten, um Jugendliche und Kinder besser zu schützen.

Künftig will der Landkreis noch mehr auf die mobile Verkehrsüberwachung setzen. Die Kreispolitik sprach sich dafür aus, dass ein zweiter mobiler Blitzeranhänger besorgt wird. Man sei mit der Ausschreibung für dieses zweite Gerät befasst, so Matthias Schild. Frühestens ab dem Frühsommer könnte es zu einem Einsatz des zweiten Anhängers kommen.

VON NORMAN REUTER

Kommentar vor Norman Reuter: Taten von Verkehrsegoisten

Es wird immer wieder von „Abzocke“ gesprochen. Das Thema „Verkehrsüberwachung“ lässt bei manchem den Blutdruck steigen. Aber ein Blick auf die Zahlen belegt eindeutig: Es gibt im Landkreis Menschen, die sich nicht an Geschwindigskeitsvorgaben halten. Im Schnitt 16 Mal am Tag hat der mobile Blitzeranhänger in den ersten Monaten ausgelöst. Es werden unter den Temposündern jene sein, die mal gedankenverloren an der Messstelle vorbeifahren – mit zu viel auf dem Tacho. Sie mögen sich über das Ticket ärgern, geschenkt. Aber es gibt auch jene, für die Geschwindigkeitsvorgaben eher lästig sind, die den Fuß auf dem Gaspedal lassen. Geschwindigkeitsvorgaben werden aber nicht ohne Grund erlassen. Zum Schutz von Kindern vor Schulen oder für geringere Geräuschpegel – mutwillige Temposünder haben aber nicht ihre Mitmenschen im Blick, sondern nur sich selbst und vielleicht auch noch nicht einmal das: Autofahrer können mit überhöhter Geschwindigkeit von Straßen abkommen. In die Kategorie Verkehrsegoisten fallen auch jene, die den Blitzer zuparken – weil sie eben verkennen, dass Geschwindigkeitsvorgaben und Blitzeranlagen eben nicht als Abzocke gedacht sind, sondern mehr Sicherheit für die Mitmenschen bringen sollen. Es bleibt zu hoffen, dass nie jemand von diesen findigen Kreisbewohnern mal sagen muss „Hätte ich es mal gelassen“, weil man selber Opfer von Verkehrsrüpeln wurde.

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