Jäger wird geheimgehalten – der Wolf genetisch untersucht

Wolfsabschuss im Kreis Uelzen: Jäger erlegt Tier im Raum Ebstorf

Wolf im Fadenkreuz eines Gewehrs
+
Wolf im Fadenkreuz: Das Umweltministerium in Hannover soll fünf Wölfe in Niedersachsen zum Abschuss freigegeben haben, darunter zwei aus dem Landkreis Uelzen
  • Gerhard Sternitzke
    vonGerhard Sternitzke
    schließen

Mit einer Ausnahmegenehmigung hat eine durch den Kreis Uelzen bestimmte zur Jagd befugte Person einen Wolf erlegt. 

Ebstorf – Seit dem 30. Oktober läuft die Jagd, seit dem 15. Januar auch im weiteren Umfeld von Ebstorf. In der Nacht von Freitag auf Sonnabend gab es einen Treffer. Getroffen wurde eine Fähe aus dem Ebstorfer Rudel, also ein weiblicher Wolf – nicht der eigentlich gesuchte Rüde GW1027m. Das bestätigte der Landkreis Uelzen als Auftraggeber auf AZ-Nachfrage.

Die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss, die bis zum 30. Juni befristet ist, wurde von der Behörde vorläufig außer Vollzug gesetzt. „Sollte es zu weiteren Rissen kommen, wird eine sorgfältige Prüfung zur Wiederaufnahme des Vollzugs vorgenommen“, teilt Landkreis-Sprecher Martin Theine mit. Die Jagd auf eine Fähe aus dem Rudel Eschede-Rheinmetall läuft weiter, und zwar bis zum 31. März.

Der Kadaver des getöteten Tiers wurde „routinemäßig“, so die Formulierung des Landkreises, vom zuständigen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, kurz NLWKN, geborgen, um ihn im Senkenberg-Institut genetisch untersuchen zu lassen. „Diese Untersuchung wird Auskunft darüber geben, ob es sich bei dem geschossenen weiblichen Tier um die Fähe des gesuchten Rüden mit der Kennung GW1027m aus dem Ebstorfer Rudel handelt“, informiert Theine. Mit dem Ergebnis der DNA-Analyse wird frühestens Ende der Woche gerechnet.

Dass auch ein anderes Tier als der Rüde abgeschossen werden kann, war in der Ausnahmegenehmigung des Landkreises zum Abschuss ausdrücklich erwähnt. „Da das Tier keine auffälligen individuellen Merkmale aufweist und damit eine sichere Identifizierung des Wolfs-Individuums bei Vollzug im Gelände nicht zweifelsfrei möglich ist, kann – wie gesetzlich vorgesehen (Paragraf 45a Bundesnaturschutzgesetz) – eine Identifizierung nur über den räumlich-zeitlichen Zusammenhang in Anknüpfung an die Schadensereignisse erfolgen“, erklärt Theine.

Grund für die Ausnahmegenehmigung vom strengen Naturschutz und die Beauftragung eines oder mehrerer Jäger waren zahlreiche gerissene Nutztiere. Dabei habe der Rüde, der durch DNA-Spuren ermittelt wurde, ausreichend hohe Elektrozäune überwunden und sich auch von Herdenschutzhunden nicht abschrecken lassen.

Bei den Übergriffen sei ein Schaden von insgesamt 70.000 Euro entstanden. Auch ein Deichschäfer sei betroffen. „Kritisch dabei ist auch, dass die Leittiere ihr Wissen zur Überwindung etwa der Zäune an ihre Nachkommen weitergeben“, betont Theine.

Das Territorium des Ebstorfer Rudels, das auch der Ausnahmegenehmigung zugrunde lag, umfasst außer dem Klosterflecken Hanstedt I, Natendorf, nördlich der B 71 gelegene Teile der Gemeinden Eimke und Wriedel sowie das Gebiet westlich der Straßenverbindung von der B 71 über Linden, Stadorf und Schwienau nach Melzingen. Eine bereits im April 2020 erteilte Ausnahmegenehmigung war zunächst am 30. Juni ohne Treffer abgelaufen.

Zur Person des Jägers macht der Landkreis keine Angaben, um ihn, wie Theine betont, vor Übergriffen zu schützen. Nur so viel: „Der Landkreis hat in diesem Zusammenhang sichergestellt, dass nur Personen beauftragt sind, die die jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare