Wohnraum-Versorgungskonzept des Landkreises im Sozialausschuss vorgestellt

Kreis Uelzen: Zu viele Ein- und Zweifamilienhäuser

Viele Senioren möchten ihr zu groß gewordenes Haus gerne verkaufen – doch im Landkreis Uelzen fehlen seniorengerechte, bezahlbare Wohnungen.
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Viele Senioren möchten ihr zu groß gewordenes Haus gerne verkaufen – doch im Landkreis Uelzen fehlen seniorengerechte, bezahlbare Wohnungen.

Uelzen/Landkreis – Gibt es ausreichend bezahlbaren Wohnraum im Landkreis Uelzen? Auf diese Frage versuchte Fabian Böttcher von der „Cima Beratung und Management GmbH“ in der jüngsten Sitzung des Kreis-Sozialausschusses eine Antwort zu geben.

Eines war den Ausschuss-Mitgliedern nach dem Vortrag klar: Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht.

Böttcher präsentierte ausführlich Daten und leitete Prognosen zur Wohnungssituation im Landkreis Uelzen ab. Dabei zog er Daten von 2018 der NBank heran.

Im Jahr 2018 gab es 48 543 Wohnungen im Landkreis, davon 66 Prozent Ein- und Zweifamilienhäuser. Im Vergleich zu 2011 ein Plus von drei Prozent. Geschosswohnungen, also Wohnungen in größeren Einheiten, gibt es vor allem in der Hansestadt sowie der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf.

Die Zahl öffentlich geförderter Wohnungen sei im Landkreis Uelzen rückläufig. „Aber längst nicht so dramatisch wie in anderen Regionen in Niedersachsen“, so Böttcher.

Die Kaufpreise seien überall im Landkreis gestiegen, allerdings zeige sich zwischen den Gemeinden deutliche Unterschiede. So haben sich die Preise in der Gemeinde Bienenbüttel seit 2018 verdoppelt. Im Durchschnitt zahle man als Käufer in Bienenbüttel 279 000 Euro für ein freistehendes Einfamilienhaus; im gesamten Landkreis zahlt man im Durchschnitt 134 000 Euro für ein freistehendes Einfamilienhaus.

Auch die Mieten haben im Landkreis angezogen. Sie liegen im Durchschnitt bei sechs Euro pro Quadratmeter. Der Landesdurchschnitt ist sieben Euro pro Quadratmeter. Die Gretchenfrage nach ausreichend bezahlbarem Wohnraum für Empfänger von Transferleistungen wie Hartz IV beantwortete Böttcher positiv: Es gebe noch ein ausreichendes Angebot an „erschwinglichen“ Wohnungen.

Böttcher gab die Prognose, dass bis 2040 der Überhang an Wohnungen die Neubedarfe übersteige und in einigen Teilen des Kreises Leerstand „dominiere.“ Es sei nicht so gravierend, dass ein Rückbau wie in Ostdeutschland notwendig sei, doch gebe es „quantitativ zu viele Wohnungen“.

Was fehle, seien altersgerechte Wohnungen an bestimmten Standorten. „Die Nachfrage steigt aufgrund der demografischen Lage im Landkreis.“ Die Politik sei gefordert, solche Wohnungen neu zu bauen, alte Häuser altersgerecht umzubauen oder sie qualitativ zu ergänzen. Auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende sei eine sinnvolle Investition in die Zukunft, um junge Menschen in den Landkreis zu locken. „Mit der Schaffung von Wohnraum oder dem Bau neuer Häuser und Wohnungen allein ist es aber auch nicht getan. Auch die Infrastruktur in den Gemeinden muss stimmen: Kitas, Schulen, der ÖPNV und kulturelle Angebote halten Menschen in der Region. VON NICOLE LÜTKE

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