Verein kritisiert Bauern / Kreislandwirt warnt vor Pauschalisierungen

Kreis Uelzen: Nitrat im Brunnenwasser

Ende Juli war der Verein VSR-Gewässerschutz mit einem Untersuchungsmobil in Uelzen. Milan Tuops nahm die Brunnenwasser-Proben entgegen.
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Ende Juli war der Verein VSR-Gewässerschutz mit einem Untersuchungsmobil in Uelzen. Milan Tuops nahm die Brunnenwasser-Proben entgegen.

Uelzen/Landkreis – Bei der Untersuchung von Wasser aus privaten Brunnen hat der Verein VSR-Gewässerschutz im Landkreis Uelzen Nitratkonzentrationen jenseits des festgeschriebenen Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter nachgewiesen.

60 Wasserproben waren dem Verein Ende Juli von Bürgern übergeben worden. In acht Fällen ermittelte er einen zu hohen Nitratgehalt, wie Harald Gülzow aus dem Vorstand erklärt.

Der Verein macht die „intensive Landwirtschaft“ verantwortlich. Kreislandwirt Thorsten Riggert hält dagegen, er sieht die Pauschalisierung kritisch.

Nach Vereinsangaben wurden bei der Untersuchung von Wasser aus einem Brunnen in Westerweyhe 124 Milligramm Nitrat pro Liter ermittelt. Das war der Höchstwert. Bei einer Probe aus Suderburg waren es 78 Milligramm. Betroffene Brunnenbesitzer hätten sich wütend über die Nitratbelastung gezeigt, so der Verein in einer Pressemitteilung.

Offizielle Zahlen dazu, wie viele Brunnen es im Landkreis Uelzen gibt, liegen nicht vor. Ulrich Ostermann, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Wasser- und Bodenverbände, geht nach vorliegenden Erkenntnissen von einer Zahl zwischen 1000 und 5000 aus. Gefördert werde das Wasser aus acht Metern bis maximal zehn Metern, eine tiefere Förderung schafften Brunnenpumpen nicht. Damit wird das Wasser aus dem sogenannten ersten Grundwasserleiter entnommen.

Eine Nitratbelastung zeige sich vor allem in stark landwirtschaftlich geprägten Gebieten, sagt Harald Gülzow. Bei Proben, die der Verein in städtischen Gebieten untersuche, gebe es solche Auffälligkeiten nicht. Die Ursache liege damit in der intensiven Landwirtschaft. Und die Vorsitzende des Vereins, Susanne Bareiß-Gülzow, sagt: „Die EU-Agrarpolitik fördert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an erster Stelle stehen und die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Auflagen sind, die sie versuchen zu umgehen.“ Der Verein fordert ein Umdenken in der Agrarpolitik.

Thorsten Riggert warnt vor Pauschalisierungen und eindimensionalen Argumentationen. So einfach, wie der Verein es sich mache, sei es nicht.

Etwa 20 bis 25 Jahre brauche das Nitrat, um in eine Tiefe von acht bis zehn Metern zu gelangen, sagt Riggert. Und werde dort eine Belastung festgestellt, so sei diese auf einen örtlichen, vertikalen Eintrag zurückzuführen. „In ländlichen Raum finden sich Brunnen dort, wo alte Gehöfte standen. Dort wurden in früheren Jahren vielleicht Schweine gehalten oder Mist gelagert“, sagt Riggert. Nicht ausschließen will er, dass es auch durch eine Düngung in Gärten zu höheren Nitratwerte kommt. Es müsse der Einzelfall betrachtet, nicht pauschalisiert werden.

Und was machen betroffene Brunnenbesitzer nun? Wie Harald Gülzow sagt, seien höhere Nitratwerte für Zierpflanzen unbedenklich. Auch bei Obstbäumen gebe es keine Probleme. Beim Gemüseanbau sei darauf zu achten, dass die Belastung nicht zu hoch sei, damit sich das Nitrat nicht in Gemüse einlagere. Würde mit Brunnenwasser mit höheren Nitratwerten gegossen, sollte die Düngung entweder eingeschränkt oder weggelassen werden.

Der Verein VSR Gewässerschutz beschreibt sich als gemeinnützige Umweltschutzorganisation. Bereits 1980 entstand er als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen im Rhein-Einzugsgebiet. VON NORMAN REUTER

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