Erneuter „Brandbrief“ an Landessozialministerin

Corona-Impfstoff: Uelzens Landrat Blume fordert vom Land erneut „gerechte Verteilung“

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Uelzen/Landkreis – Angesichts der sehr dynamischen Entwicklung der Corona-Pandemie im Landkreis Uelzen, der in Niedersachsen seit Tagen trauriger Spitzenreiter in Sachen 7-Tage-Inzidenz ist, hat sich Landrat Dr. Heiko Blume mit einem „Brandbrief“ erneut an Landessozialministerin Carola Reimann gewandt.

Darin fordert er, das Impfzentrum Uelzen schnellstmöglich und prioritär mit Impfstoff zu versorgen, bis die Alten- und Pflegeheime sowie danach die Über-80-Jährigen einen Impfstand erreicht hätten, der dem anderer Impfzentren entspreche.

Wörtlich schreibt Blume mit Blick auf das gemeinsame Gesundheitsamt mit dem Kreis Lüchow-Dannenberg: „Alles andere lässt im Ergebnis eine höhere Sterblichkeit der Menschen in Alten- und Pflegeheimen und der Über-80-Jährigen erwarten. Bitte tragen Sie durch eine sachgerechte Verteilung des Impfstoffs dazu bei, dass diese vermeidbare Übersterblichkeit vermieden wird.“

Nach Angaben aus dem Kreishaus hatte der Landrat am 13. und 29. Januar schon Schreiben an die Sozialministerin gerichtet, in denen er zusätzliche Impfstoff-Lieferungen gefordert hatte. Dies hatte das Ministerium abgelehnt und erklärt, an der Verteilung nach dem Bevölkerungsschlüssel festzuhalten.

Dazu Blume gestern: „Ich halte die Verteilung des Impfstoffs nach Bevölkerungsschlüssel für ausdrücklich nicht sachgerecht. Diese Verteilung dürfte im Landkreis Uelzen zu vermeidbaren Todesfällen führen.“ 75 Prozent der Todesfälle entfielen hier auf Menschen, die über 80 Jahre alt seien. Die Hälfte der Todesfälle habe in Alten- und Pflegeheimen. Im Landkreis Uelzen lebten hier 2,0 und im Landkreis Lüchow-Dannenberg 1,8 Prozent der Einwohner – mehr als im Landesschnitt (1,4%). Und der Anteil der Über-80-Jährigen liege landesweit mit 8,4% (Uelzen) und 8,7% (Lüchow-Dannenberg) niedersachsenweit am gar höchsten (Schnitt 6,9%).

Andernorts würden bereits Menschen geimpft, die einer geringeren Risikogruppe angehörten, während hier im Bereich des Gesundheitsamtes solche mit Impfanspruch höchster Priorität noch auf ihre Erstimpfung warteten. Die aktuelle Verteilpraxis des Impfstoffs sei deshalb nur schwerlich mit der Corona-Impfverordnung zu vereinbaren noch fachlich nachvollziehbar, so Landrat Blume.

Aktuelle Zahlen zu erfolgten Impfungen

Im Landkreis Uelzen sind in acht Alten- und Pflegeheimen die Zweitimpfungen abgeschlossen, in weiteren fünf die Erstimfpungen. In 14 Einrichtungen wurde noch nicht geimpft. Im Helios Klinikum Uelzen sowie im Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) Bad Bevensen sind alle impfwilligen Mitarbeiter mit der Erstimpfung versorgt worden.

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