Sterberate liegt bei rund vier Prozent

Kreis Uelzens Schwarzer Februar: Jeden Tag werden zurzeit neue Corona-Tote gemeldet

Sarg, auf dem mit Kreide das Wort „Covid“ geschrieben wurde.
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Wenn ein Verstorbener mit dem Coronavirus infiziert war, werden die Särge entsprechend gekennzeichnet. Bestatter müssen strenge Regeln einhalten.  (Symbolbild)
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    vonNorman Reuter
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Uelzen/Landkreis – Als das Virus Deutschland erreichte, zeigte es schnell, dass eine Infektion mit ihm tödlich enden kann. Im März 2020 starben die ersten 100 Menschen im Bundesgebiet. Im Landkreis Uelzen waren lange keine Corona-Toten zu beklagen. Das ist jetzt anders.

Kein Tag im angebrochenen Februar verging bisher, ohne dass nicht die Uelzener Kreisverwaltung neue Todesfälle melden musste.

Die traurige Bilanz: 55 Verstorbene sind bisher im Landkreis im Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen – 36 von ihnen starben in diesem Monat. Es ist ein schwarzer Februar.

Zahlen zur Region

Landkreis Uelzen

Bewohner: 92.389, Infektionsfälle bisher: 1252, Corona-Tote: 55

Landkreis Lüneburg

Bewohner: 184.139, Infektionsfälle bisher: 1816, Corona-Tote: 37

Landkreis Lüchow-Dannenberg

Bewohner: 48.412, Infektionsfälle bisher: 478, Corona-Tote: 17

Landkreis Gifhorn

Bewohner: 176.523, Infektionsfälle bisher: 3.523, Corona-Tote: 120

Landkreis Celle

Bewohner: 179.011, Infektionsfälle bisher: 2424, Corona-Tote: 43

Landkreis Heidekreis

Bewohner: 140.673, Infektionsfälle bisher: 2.093, Corona-Tote: 88

Altmarkkreis Salzwedel

Bewohner: 83.173, Infektionsfälle bisher: 1 354, Corona-Tote: 48

(Stand: Donnerstag, 17 Uhr, Quellen: Landkreise und RKI)

Die gestiegene Sterblichkeit, sie geht einher mit zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen im Landkreis Uelzen. Anfang Februar erreichte die 7-Tage-Inzidenz, die Auskunft über das aktuelle Infektionsgeschehen gibt, immerzu neue Höchstwerte. Im Uelzener Klinikum musste wegen schwerer Verläufe, die einer Behandlung im Krankenhaus bedürfen, eine zweite Covid-Station geöffnet werden.

Verstärkt sind in der aktuellen Infektionswelle, die über den Landkreis hinwegschwappt, Alten- und Pflegeheime betroffen (AZ berichtete). Gibt es hier einen Zusammenhang, was die Todesfall-Meldungen betrifft? Bewohner von Heimen gehören aufgrund ihres Alters und altersbedingter Erkrankungen zu besonders gefährdeten Menschen.

Sterberate liegt bei rund vier Prozent

Wie viele der bisher Verstorbenen im Landkreis lebten in Alten- und Pflegeheimen? Landkreis-Sprecher Martin Theine: „Von den insgesamt 55 Verstorbenen waren 35 Personen in einem Alten- und Pflegeheim wohnhaft.“

Die ersten Corona-Toten im Landkreis im November waren auch Bewohner eines Heimes, sie sind Opfer des massiven Ausbruchs in einer Roscher Einrichtung gewesen.

1252 Menschen im Landkreis Uelzen haben sich nach offiziellen Angaben bisher mit dem Coronavirus infiziert, mit 55 Verstorbenen liegt die Sterberate bei 4,3 Prozent.

Zum Vergleich: Im Landkreis Lüneburg haben sich bisher 1816 Menschen infiziert, 37 von ihnen starben. Die Sterblichkeit liegt damit bei zwei Prozent. Ein Großteil der Verstorbenen im Nachbarkreis lebte in einem Heim, wie eine Sprecherin gestern informiert – 29 von 37, um genau zu sein. (weitere Zahlen zu der Regioon siehe „Zum Thema“).

„Es fehlt etwas im Trauerprozess“

Die Corona-Todesfälle stellen Bestattungsunternehmen vor Aufgaben. Eine Infektion der Beschäftigten ist zu verhindern. Es gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Vor den Bestattungen der Corona-Toten entfällt, dass die Leichname gereinigt und eingekleidet werden, wie Susanne Hardebeck vom Uelzener Bestattungshaus Kaiser erklärt. Es werde nach den Vorgaben zum Infektionsschutz vorgegangen.

Um jedes Übertragungsrisiko auszuschließen, würden die Körper in einem Leichensack direkt in den Sarg gelegt. „Wir desinfizieren alles mehrfach“, so Hardebeck. Bei einer Einäscherung würden die Särge unmittelbar zum Krematorium nach Lüneburg gefahren. Die Arbeit der Bestatter erfolgt in Vollschutzanzug, mit Handschuhen, Schutzbrille und FFP-2-Maske. „Die Arbeit ist sehr erschwert“, sagt sie.

Die Betreiberin des Uelzener Bestattungshauses hat aber auch die Angehörigen im Blick, weiß um deren Trauer. „Ein Abschiednehmen am offenen Sarg ist nicht möglich“, erklärt Susanne Hardebeck. Das sei besonders für jene Familien schmerzhaft, die den Verstorbenen vor seinem Ableben auch nicht mehr sehen konnten. „Es fehlt etwas im Trauerprozess“, so Susanne Hardebeck.

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