„Kreis hat Chance vertan“

Uelzen/Landkreis - Von Marc Rath. Das Tischtuch zwischen der Kreisverwaltung und dem Kreiselternrat ist zerschnitten. Die Elternvertreter äußern geharnischte Kritik am Vorgehen der Verwaltung bei der Aufstellung des neuen Schulentwicklungsplans. Das jüngst vorgelegte Gutachten hat den Kreiselternratsvorsitzenden Uli Klippe am Wochenende veranlasst, in einer zweiseitigen Erklärung massiv eine mangelnde Einbeziehung der Elternschaft zu beklagen.

„Grundsätzlich begrüßen wir dieses Gutachten, so liegen nun belastbare Daten bezüglich der künftigen Schülerzahlen vor, die Ressourcen wurden begutachtet und bewertet, verschiedene Szenarien wurden aufgestellt“, beginnt Klippe den Brief. Es ist zugleich der einzige positive Satz in dem Schreiben.

Klippe beklagt, dass die Elternschaft vor der Befragung der Grundschuleltern nicht einbezogen worden sei. „In unserer letzten Kreiselternratssitzung, zu der wir auch Vertreter der im Landkreis vertretenen Parteien eingeladen hatten, wurde uns von den Parteivertretern bestätigt, dass nicht einmal diese Einfluss auf die Befragung hatten. Nur in der von der Projektgruppe „Bildung und Region“ vorgelegten Form konnte die Befragung stattfinden“, berichtet der Kreiselternratsvorsitzende.

Klippe moniert weiter: „Viele Eltern haben den Fragebogen auch bewusst nicht oder nicht vollständig ausgefüllt, weil die Fragestellung ihrer Meinung nach zu sehr in Persönlichkeitsrechte eingreift oder die Fragestellung mit dem Thema Schule nicht allzu viel zu tun hat.“ Als Beispiele führt er an: Was sind Ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen? Was unternehmen Sie gerne gemeinsam, was interessiert Sie weniger?

Das Fernsehen und der Computer sind heute aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Wie ist das bei Ihnen zu Hause?

Einen weiteren „klaren Verstoß“ gegen das Schulgesetz sehen die Elternvertreter darin, dass die vom Landkreis zwischenzeitlich eingerichtete Steuerungsgruppe zum Thema Schulentwicklung bisher ohne Beteiligung des Kreiselternrates getagt habe.

„Mit dieser Befragung hat der Landkreis Uelzen als Schulträger innerhalb von zwei Jahren wieder einmal eine Chance vertan, die ihm anvertrauten Gelder vernünftig einzusetzen“, kritisiert Klippe und erinnert an die „mit heißer Nadel gestrickte Umfrage“ zur Einrichtung einer Kooperativen Gesamtschule in Ebstorf vom Herbst 2008.

„Der Landkreis hat die Chance vertan, mit den von den Eltern aller im Kreis Uelzen beschulten Kinder gewählten Elternvertretern vernünftig zusammen zu arbeiten und deren Meinung und auch deren Mitarbeit einzufordern“, heißt es in Klippes Erklärung. In verschiedenen Schreiben an den Landrat habe die Kreiselternschaft dies bemängelt und ihre Mitarbeit angeboten – „lapidare Abweisungen oder Rechtfertigungen des bisherigen Handelns waren die Ergebnisse“.

„Demokratie sieht nach unseren Vorstellungen anders aus. Und der Gesetzgeber sieht hier klar und eindeutig andere Verfahrensweisen vor, gegen die der Landkreis eindeutig verstoßen hat“, bekräftigt der Vorsitzende des Kreiselternrates. Die Ergebnisse der Befragung in Bezug auf andere oder neue Schulformen zweifeln die gewählten Vertreter der Elternschaft jetzt an: „In diesem Punkt sprechen wir den Herren Schober und Krämer-Mandeau das Recht ab, umfassende Elternmeinung eingeholt zu haben.“

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