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Kreis Uelzen appelliert an Bürger, Beratung und Finanzhilfen in Anspruch zu nehmen

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Von: Lars Becker

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Das Kreishaus ist in Teilen abends und nachts hell erleuchtet
Das Kreishaus ist in Teilen abends und nachts hell erleuchtet.  Der Landrat räumte ein, dass Kritik daran berechtigt sei. Man wolle das zügig ändern. © Lars Becker

 Landrat Blume, Sozialdezernentin Buntrock und Sozialamtsleiterin Bartelt appellieren an die Bürger, sich bei wirtschaftlichen Problemen angesichts der Energiekrise unbedingt Beratung und auch finanzielle Hilfe zu holen

Uelzen/Landkreis – Im Hinblick auf die Energiekrise und deren derzeit nur schwer vorhersehbaren wirtschaftlichen Folgen für viele Menschen im Landkreis Uelzen hat Landrat Dr. Heiko Blume gestern in einem Pressegespräch an alle Bürger appelliert, Beratungsangebote anzunehmen und auch Unterstützung zu beantragen.

„Die Menschen sollen Fragen stellen beim Sozialamt, beim Jobcenter, bei den Sozialverbänden und Beratungsstellen. Wir wollen ihnen die Hemmschwelle nehmen: Dafür sind wir alle da. Niemand muss Scheu haben oder muss sich beispielsweise schämen, erstmals in einen Leistungsbezug zu kommen. Denn das kann jedem von uns passieren“, sagte der Landrat. Er bezeichnete die Lage als diffus. Das Thema werde erhebliche Unruhe bringen. „Keiner weiß, was kommt. Es gibt eine große Unsicherheit bei ganz vielen Menschen bis in den Mittelstand hinein.“

Nach einem ersten Gespräch mit den Energieversorgern Stadtwerke Uelzen und SVO hatte die Kreisverwaltung am 29. September die Sozialverbände zu Gast, um die Situation zu besprechen. Vertreter von SoVD, DRK, Caritas, Schuldnerberatung, Diakonie, Tafel, Leben leben und Betreuungsverein hätten teilgenommen. „Am meisten sorgen sich diese Verbände um alle, die nicht zu ihnen kommen“, betonte Heike Bartelt, die Leiterin des Kreis-Sozialamtes.

Dramatische Zahlen nannte Sozialdezernentin Stephanie Buntrock: „40 Prozent der Haushalte im Landkreis haben weniger als 2000 Euro netto im Monat zur Verfügung. Deshalb ist zu erwarten und zu hoffen, dass zumindest diese Menschen Beratungsangebote annehmen. Vielleicht trauen sich aber viele auch nicht – etwa Rentner, nach Wohngeld zu fragen“, so Buntrock. Sie erklärte, dass aktuell etwa zehn bis 20 Neuanträge pro Woche beim Jobcenter und Sozialamt eingingen. „Das ist noch sehr verhalten, da haben wir ganz andere Zahlen erwartet. Seit März haben wir eine hohe Zahl an Menschen aus der Ukraine betreut. Und es geht nicht immer alles in wenigen Tagen. Aber die Kollegen bereiten sich vor, alles schnell abzuarbeiten“, so Buntrock. Das Problem höherer Abschläge für Strom und Gas betreffe vor allem die Hansestadt Uelzen, weil die SVO die Abschläge nicht so drastisch erhöht habe wie die Stadtwerke. Wer im Landkreis bereits im Leistungsbezug stehe, müsse nur die neue Abschlagsmitteilung des Energieversorgers vorlegen, dann würden die Leistungen erhöht, so Heike Bartelt.

Auf explizite AZ-Nachfrage, warum etwa das neue Kreishaus abends und nachts noch stark beleuchtet sei, wo es doch gelte, Energie zu sparen, gab der Landrat zu: „Das passt nicht zusammen, ich verstehe jede Kritik, die von Bürgern kommt. Ich bin selbst kopfschüttelnd aus der Tiefgarage gefahren. Wir sind da dran, nicht nur in Sachen Licht“, versprach Heiko Blume, der ahnt, dass die Energiekrise die Kreiskasse über Sozialleistungen und Sachkosten millionenschwer belasten wird. Würde der Bund das Wohngeld übernehmen, könne dies die Länder wie Kommunen entlasten.

Auf der Startseite ihrer Internetseite www.landkreis-uelzen.de bündelt die Kreisverwaltung alle Infos zum Thema Energiekrise.

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