Kreideschrift setzt Zeichen

Therapeuten machen in Uelzen auf Arbeitsbedingungen aufmerksam

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Mit dem Kreideschriftzug „Therapeuten am Limit“ wie vor der Uelzener Tourist-Info machen die Therapeuten auf sich aufmerksam.

Uelzen. Fast wären sie unbemerkt an ihnen vorbei gelaufen. Doch dann springt den Menschen, die am vergangenen Sonnabend in Uelzens Innenstadt unterwegs sind, doch der knallbunte Schriftzug auf dem Asphalt aus dem Winkel ins Auge. Verdutzt halten sie einen Moment inne, lesen.

Und fragen schließlich die sechsköpfige Truppe, die ein paar Meter weiter schon den nächsten Kreideschriftzug aufmalt, was es damit auf sich hat.

Die Uelzener Logopädin Conni Utrata hatte angekündigt, im Rahmen einer bundesweiten Aktion auf die Arbeitsbedingungen der Therapeuten aufmerksam zu machen. Und auch der Regen kann sie davon nicht aufhalten. „Wir haben uns einfach überdachte Stellen wie die Fahrradständer am Hundertwasserbahnhof oder den Eingang vom Kino ausgesucht, wo der Regen unserer Kreide nichts anhaben kann“, erzählt sie verschmitzt.

Anfangs sah es so aus, dass Conni Utrata in Uelzen als Einzige ein Zeichen setzen muss, denn viele ihrer Kollegen hätten ihr vorher gesagt: „Damit erreichen wir doch eh nichts.“ Den ersten Schriftzug brachte sie noch alleine an. „Doch dann kamen nach und nach noch Kollegen hinzu“, freut sie sich.

Und das ist gut so, denn wie erhofft erregt die farbenfrohe Aktion mit ernstem Hintergrund so viel Neugier bei den Passanten, dass sie immer wieder angesprochen werden und erklären, was sie fordern: Bessere Bezahlung, weniger Bürokratie, Ausbildungsförderung für den Therapeuten-Nachwuchs und eine bessere Zusammenarbeit mit den Ärzten. „Wir möchten Anerkennung für das, was wir tun – und dafür müssen wir in der Gesellschaft mehr wahrgenommen werden“, sagt Conni Utrata.

Das haben sie mit ihrer Kreideaktion in jedem Fall erreicht. Von den meisten Passanten gibt es Zuspruch, doch manche sind auch skeptisch. „Meinen Sie, dass das was bringt?“, wird Christine Meier, die gerade in Uelzen eine Praxis eröffnet hat, zum Beispiel von einem Mann gefragt. Da ist sie sich sicher: „Wir wollten Aufmerksamkeit – und die haben wir bekommen.“

Von Sandra Hackenberg

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