Kreativ präsentiert: „Musical Aschenputtel“ – so macht Kultur und Theater Kindern Spaß

Selbstbewusst gegen das Schicksal

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Aschenputtel – die in dem Stück des Theater Libri Emma hieß – setzt sich gegen das zur Wehr, das ihr Unbehagen bereitet. Mit Erfolg!

Uelzen. Wenn die Hauptdarstellerin im Märchen Aschenputtel einen „richtigen“ Namen hat, nämlich Emma heißt und nicht das arme Opfer ist, das von einem Prinzen zur Frau genommen wird, sondern sich selbst auf den Weg macht, um sein Glück zu finden, dann genügt auch eine Stiefschwester und man verzichtet gerne auf das „Blut im Schuh“.

Die flotte und moderne, aber vor allem auch warmherzige Darstellung des Aschenputtel-Märchens begeisterte am Donnerstag kleine und große Besucher im fast ausverkauften Theater an der Ilmenau.

Bei der anschließenden Autogrammstunde waren die Darsteller dann für die Zuschauer zum Greifen nah. Fotos: Jansen

Das vier Köpfe zählende Ensemble des Theater Liberi überzeugte im „Musical Aschenputtel“ mit einer kindgerechten Interpretation des Grimm-Märchens und einer lehrreichen Botschaft. Mit Liedern wie „Ich bin ich“ und „Was ich will“ oder „Wir sind so“ und „Frag nur dich“ präsentierten die Künstler dem jungen Publikum ein selbstbewusstes, kritisches Mädchen, das sich nicht schuldbeladen in sein Schicksal begibt. Offenherzig reflektiert das Mädchen Emma, das nur von seiner boshaften Stiefmutter und gehässigen Stiefschwester mit dem Namen Aschenputtel bezeichnet wird, seine Situation und überlegt, wie es sich daraus befreien kann. Während die Stiefmutter singt „Du bist nur die Magd“ und die Stiefschwester „Hol mir dies und hol mir das“, widersetzt sich Emma, dargestellt von der Meisterschülerin und Musicaldarstellerin Jana Flaccus, mutig aber souverän: „Ich will solche Sachen nun wirklich nicht machen; es tut mir so leid, liebe Stiefmutter; das darf doch so alles nicht sein.“

Ein Stück, das Kindern zeigt, wie sie auch in widrigen Situationen sie selbst bleiben und in welcher Form sie sich kritisch mit ihrer Umwelt auseinander setzen dürfen. Flotte Sprüche in einer Sprache, die auch die Kleinsten verstehen. Neben Darstellung, Tanz und Gesang begeisterten Jana Flaccus, Markus Hanse, Karen Lauenstein und Carina Böhmer mit pantomimischen Einlagen, die sogar den Jüngsten Ironie und Witz der Geschichte verständlich machten.

Formal mehr Operette als Musical, gebührt es der mimischen Leistung der Darsteller, dass sogar die jüngsten Besucher über zwei Stunden gebannt dem Geschehen auf der Bühne folgen können. Eine kreative Bühnengestaltung vermeidet Umbaupausen: Wie von Zauberhand wechselt die Szene vom Haus in den Wald, wächst eine Treppe aus einer unscheinbaren Kiste, auf der Aschenputtel – pardon: Emma – ihren berühmten Schuh für den Prinzen platzieren kann. An den entscheidenden Stellen bezieht das Ensemble sein Publikum mit Fragestellungen ein. Einfache Melodien, perfekt gesungen, machen es den Kindern leicht, jedem Dialog zu folgen. Bei alldem kleiden die aufwendigen Kostüme die Geschichte in eine märchenhafte Illusion. Solche Aufführungen machen Kindern Lust auf mehr Theater und Kultur!

Von Angelika Jansen

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