Kranz mit Schleife für Farinas Grab

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Ein Kranz mit der Schleife „Zum Gedenken – Stadt Uelzen“ liegt seit dem Totensonntag auf dem Grab von Ex-Bürgermeister Johann Maria Farina auf dem Uelzener Friedhof.

Uelzen - Von Bernd Schossadowski. Erst glaubte Michael Frenzel, dass sich jemand auf dem Uelzener Friedhof einen schlechten Scherz erlaubt hatte. Doch jetzt hat der Anwohner der Farinastraße und Gegner der Straßenumbenennung Gewissheit: Die Stadt Uelzen hat – trotz der damals noch laufenden Debatte um neue Namen für die Farina- und die Seebohmstraße – am Totensonntag einen Kranz auf dem Grab des ehemaligen Uelzener Bürgermeisters Johann Maria Farina niedergelegt. „Zum Gedenken – Stadt Uelzen“ steht auf der blau-weißen Schleife des Kranzes, der auch gestern noch auf dem Grab lag.

„Das kann‘s ja nun nicht sein“, kritisiert Michael Frenzel, der am Montag im Stadtrat eine Liste mit 92 Unterschriften für die Beibehaltung des Namens Farinastraße vorgelegt hatte – vergeblich: Der Rat beschloss mit 25 zu 9 Stimmen die Umbenennung in „Am Stadtgut“, weil der bisherige Namensgeber Johann Maria Farina wegen seiner Rolle während der NS-Zeit historisch belastet ist.

„Wenn man, wie der Stadtrat, den Straßennamen ändert, aber trotzdem einen Kranz auf das Grab legt, dann passt das für mich nicht zusammen“, sagt Frenzel. Ganz anders sieht das Ute Krüger, Pressesprecherin der Stadt Uelzen. „Mit der Kranzniederlegung zum Totensonntag respektieren wir eine Ratsentscheidung von 1967“, erklärt sie auf Anfrage der AZ. Ohnehin dürften der Straßenname und das Totengedenken nicht miteinander vermischt werden. „Die eine Sache ist die Diskussion um den Namen Farina: Das haben wir alles aufgearbeitet. Das andere ist das Grab: Wir werden auch weiterhin den Toten ehren, er war schließlich mal Bürgermeister von Uelzen“, sagt Ute Krüger.

Die Vorsitzenden der vier Ratsfraktionen verteidigten die am Montagabend beschlossene Umbenennung der Farinastraße in „Am Stadtgut“ und der Seebohmstraße in „Am Funkturm“ (AZ berichtete). Nach Ansicht von Ralf Munstermann (SPD) wäre es „Etikettenschwindel“, wenn der Name Farinastraße, wie von Frenzel gefordert, beibehalten würde – jedoch nicht in Erinnerung an den früheren Bürgermeister, sondern an den Kölner Parfümhersteller Jean Marie Farina. „Wir haben diese Entscheidung nicht getroffen, weil wir etwas gegen die Bürger der Farinastraße hätten“, betonte Munstermann. Vielmehr habe die Stadtpolitik Frenzels Vorschlag wie alle anderen erörtert, sich letztlich aber für eine Umbenennung entschieden.

Die CDU-Ratsfraktion sei ursprünglich gegen neue Bezeichnungen für die beiden Straßen gewesen, sagte ihr Vorsitzender Stefan Hüdepohl. Er ist deshalb auch „nicht sehr glücklich mit der Umbenennung“. Diese habe sich in der politischen Diskussion mehrheitlich aber so ergeben. Frenzels Unterschriftenliste habe er erst zwei Tage vor der Ratssitzung erhalten, so Hüdepohl. „Es wäre schön gewesen, wenn sie schon vor sechs Monaten gekommen wäre.“

Im Laufe der Diskussion seien die Grünen „zu der Erkenntnis gelangt, dass wir keine Straßen mehr nach Personen benennen, sondern nur noch nach Flurnamen oder anderen Dingen mit regionalem Bezug“, erklärte Fraktionschefin Ariane Schmäschke. Auch ihr FDP-Pendant Jörg Firus sprach sich für die Umbenennung aus. „Einen anderen Farina als Namensgeber zu nehmen, würde dem nicht gerecht. Farina bliebe dann Farina, und das wäre halbfertig“, sagte er.

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