Das Fahrzeug in Hannover ist bundesweit einmalig - ein Wolfskrankenwagen

Eine Heizdecke für Wölfe

tm Uelzen/Hannover. Wenn auf Uelzens Straßen ein Wolf angefahren wird, wird es für die eingesetzten Polizisten schnell kompliziert. Denn das streng geschützte Raubtier darf nicht einfach von seinem Leid erlöst werden, wie etwa ein Reh oder ein Wildschwein.

Vielmehr wird eine relativ aufwendige Rettungs-Kette in Gang gesetzt, ein Veterinär und der Wolfsbeauftragte alarmiert. Und für alle Fälle hat die Polizei noch eine Wolfs-Transportkiste Marke Eigenbau an Bord.

In der Landeshauptstadt Hannover ist man da schon einen Schritt weiter. Dort gibt es zwar noch keine Wölfe, aber schon einen „Wolfs-Krankenwagen“. Dabei handelt es sich nach Medienberichten um einen etwa 2,40 Meter langen und 400 Kilo schweren Anhänger. Bis zu vier Tiere können in ihm transportiert werden. Ausgestattet ist der „Krankenwagen“ unter anderem mit Schutzhandschuhen, einem transportablen Rettungsbrett und Schlingen zum Einfangen der Wölfe. Selbst an eine Heizdecke ist gedacht, damit es den verletzten Tieren nicht zu kalt wird. Und wenn der Anhänger nachts zum Einsatz kommt, können eigens eingebaute Suchscheinwerfer die Umgebung ausleuchten.

Das Fahrzeug ist bundesweit das bislang einzige seiner Art. Laut Umweltdezernent Professor Axel Priebs wolle man so den ehrenamtlichen Wolfsspezialisten beste Arbeitsbedingungen verschaffen, berichtet Welt.de. Für die Opfer des Wolfes, etwa Rinder und Schafe, ist der Transporter demnach nicht gedacht – bei ihnen komme die Hilfe in der Regel auch zu spät.

Jetzt wartet man in Hannover auf den ersten Notfall-Einsatz für das Unikat. Doch der könnte aus Mangel an Stadt-Wölfen noch auf sich warten lassen.

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Wölfe in Deutschland 

70 Kilometer in nur einer Nacht 

Immer mehr Wölfe streifen durch deutsche Wälder. Rund 500 dieser Raubtiere sind laut Landesjägerschaft Niedersachsen bundesweit unterwegs. Die meisten Wölfe ziehen durch Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die Tiere sind in Deutschland streng geschützt und dürfen nicht gejagt werden. In Niedersachsen gibt es mittlerweile neun offiziell registrierte Rudel. „Wir haben einen Zuwachs von 30 Prozent im Jahr“, sagt der Wolfsbeauftragte der niedersächsischen Landesjägerschaft Raoul Reding. Wölfe können auf ihren Streifzügen in einer einzigen Nacht mehr als 70 Kilometer zurücklegen. Auf dem Speiseplan stehen Rehe, Rothirsche und Wildschweine. Bei den Nutztieren sind sie vor allem auf Schafe aus – was für großen Ärger und Ängste bei den Haltern sorgt. So fühlen sich viele aus dem Kreis Uelzen nach diversen Wolfsrissen von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel im Stich gelassen.

Rubriklistenbild: © dpa

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