Altes Rathaus noch mal 600 000 Euro teurer – die Politik wusste von nichts

Kosten außer Kontrolle

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Die Beratung zum Fassadenanstrich des Alten Rathauses im Frühjahr endete in einem Streit. Nun ist die Politik erneut schockiert: Dieses Mal darüber, erst jetzt über die Kostensteigerung auf 3,8 Millionen Euro informiert worden zu sein.

Uelzen. Rund einen Monat nach der Einweihung des Alten Rathauses geraten die Kosten für den Umbau außer Kontrolle: So verkündete die Stadtverwaltung gestern, dass das Projekt nun noch einmal 600 000 Euro teurer würde.

Die Gesamtkosten steigen somit auf 3,8 Millionen Euro – und somit deutlich über die vom Stadtrat festgelegte Höchstgrenze von 3,2 Millionen Euro. Die Politiker selbst wussten bis Montag nichts von der neuerlichen Kostenexplosion – sie wurden Anfang der Woche von der Stadtverwaltung vor vollendete Tatsachen gestellt.

Verantwortlich für die gesamte Abwicklung des Projektes ist das städtische Gebäudemanagement. Die dortigen Verantwortlichen hatten bereits Mitte August Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull über höhere Rechnungen informiert, gleichzeitig aber die Hoffnung geäußert, diese durch Einsparungen an anderer Stelle ausgleichen zu können. Das bewahrheitete sich nicht. Bürgermeister Otto Lukat erfuhr erst vergangene Woche von den zusätzlichen 600 000 Euro-Ausgaben. „Für mich ist das eine absolut schlimme Situation“, erklärte er. Das scheidende Stadtoberhaupt machte keinen Hehl daraus, dass es das Vertrauen ins Gebäudemanagement für erschüttert hält.

Lukat und sein Nachfolger Jürgen Markwardt, der sein Amt am 1. November antritt, fordern eine umfassende Aufklärung der Vorgänge: „Wir wollen wissen, wer wann was wusste und wer wann was kommuniziert hat“, erklärt Markwardt. Man habe dem Gebäudemanagement einen Fragenkatalog vorgelegt, der innerhalb von zwei Wochen beantwortet werden soll: „Wenn dann noch Fragen offen bleiben, werden wir empfehlen, eine Prüfungskommission einzusetzen.“

Der Umbau des Alten Rathauses sollte ursprünglich 1,8 Millionen und zuletzt 3,2 Millionen Euro kosten. Diesen Betrag hatte die Stadtpolitik nach langen Diskussionen gedeckelt. Die neuerlichen Mehrkosten von 600 000 Euro werden unter anderem mit Mauerwerkssanierung, Abriss und Wiederaufbau der Toiletten und Sonderabbruch begründet.

Von Thomas Mitzlaff

Einen weiteren Artikel zur Kostenexplosion sowie einen Kommentar von AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff lesen Sie am Mittwoch im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

Rückblick: Die Odyssee des Alten Rathauses

Die Chronik vom Umbau des Alten Rathauses

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