Stiftung Leben leben befürchtet Bremse der Inklusion durch Antrag der CDU/FDP/RRP

„Kostbare Zeit“ für Schüler

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Schulbegleiter unterstützen Kinder und Jugendliche mit körperlichen oder auch psychischen Beeinträchtigungen im Unterricht. Seit der Inklusion sind die Fallzahlen in die Höhe geschossen, sagen die Ansprechpartner der Stiftung Leben leben.

Uelzen. 135 Kinder und Jugendliche im Landkreis Uelzen werden im Unterricht von einer Schulbegleitung unterstützt.

Mehr als 70 von ihnen erhalten über die Stiftung Leben leben Hilfe durch jeweils eine Fachkraft, unter anderem Diplom-Pädagogen, Krankengymnasten oder Ergotherapeuten. „Im Rahmen der Inklusion sind die Fallzahlen in die Höhe geschossen“, erklärt Miriam Grundei, Leiterin der zuständigen Abteilung. In ihrem vierköpfigen Team wird die Arbeit der Schulbegleiter koordiniert. 2010 hatte die Abteilung mit der Begleitung eines Kindes begonnen. Neben der Stiftung bieten auch das DRK, der Paritätische und die AWOCADO Schulbegleitungen im Landkreis an.

Abgerechnet wird über das Jugend- oder Sozialamt, das die Notwendigkeit prüft und genehmigt. Mehr als 1,2 Millionen Euro werden diese Maßnahmen in diesem Jahr voraussichtlich den Landkreis kosten. Durch den Antrag der CDU/FDP/RRP im Kreistag, die eine Erstattung der Kosten durch das Land fordern, befürchtet Miriam Grundei, dass die Entwicklung der Inklusion gebremst werden könnte. „Es geht nicht, dass die Ämter sich rausziehen, bevor eine andere Lösung da ist“, sagt sie. Die Inklusion dürfe nicht an Streitigkeiten scheitern, und Schulen könnten Organisation und Kosten nicht allein auffangen.

„Das Jugendamt strebt an, dass eine Schulbegleitung nicht länger als 16 Monate dauert“, sagt Miriam Grundei. Die Beeinträchtigungen vieler Kinder, insbesondere sozial-emotionale Schwierigkeiten, seien nicht unbedingt innerhalb von 16 Monaten zu beheben. Würde das Stundenkontingent der Schulbegleiter heruntergefahren und seien diese nicht ständig vor Ort, entstehe ein Risiko.

Miriam Grundei und ihre Kollegin Dörte Wittke erhalten Anfragen von den Behörden, den Schulen oder auch direkt von den Eltern. Diese müssten den Ämtern Gutachten vorlegen, die eine Schulbegleitung rechtfertigen. Benötige ein Kind wegen einer seelischen Beeinträchtigung diese Unterstützung, gebe es Schwierigkeiten, da die Wartezeit bei Kinderpsychologen im Landkreis bis zu einem dreiviertel Jahr betrage. „Dann eskaliert das schon in der Schule. Es ist kostbare Zeit, die verloren geht“, so Miriam Grundei.

Erlebt hat das auch ein Jugendlicher, der an ADHS leidet: Wegen Übergriffen sei er zunächst vom Lessing-Gymnasium verwiesen worden, dann vom Herzog-Ernst-Gymnasium und schließlich von der KGS Bad Bevensen. „Jetzt ist er im dritten Jahr der Schulbegleitung und macht seinen Abschluss an der Realschule“, sagt Miriam Grundei. Und: „Er kann meiner Meinung nach ganz viel erreichen in seinem Leben, wenn man ihn unterstützt“, stimmt ihr Dörte Wittke zu. Er habe gelernt damit umzugehen, wenn er merkt, dass ein neuer „Anfall“ kommt. Allerdings bestehe nach einem Schulabschluss keine Verpflichtung mehr, Schulbegleitung weiter zu finanzieren, daher sei aussichtslos, dass er noch ein Abitur anschließt.

Von Diane Baatani

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