Kantorei St. Marien und die Solisten bieten im ausverkauften Theater einen wunderbaren Klassikabend

Ein Konzert der besonderen Art in Uelzen

Chor und Kinderchor der Kantorei St. Marien, die Solisten sowie Kantor Erik Matz (auf dem Podest) bekamen nach der Aufführung von „Carmina Burana“ im Theater an der Ilmenau vom Publikum einen sehr langen Beifall. Fotos: Frels
+
Chor und Kinderchor der Kantorei St. Marien, die Solisten sowie Kantor Erik Matz (auf dem Podest) bekamen nach der Aufführung von „Carmina Burana“ im Theater an der Ilmenau vom Publikum einen sehr langen Beifall.

Uelzen. „Was will der Matz denn bloß im nächsten Jahr noch bringen? Das hier ist doch nicht zu toppen!“ So eine Besucherin des Konzertes am Sonnabendabend beim Hinausgehen.

Ina Heise (Sopran), André Khasmasmie (Tenor) und Andreas Beinhauer (Bariton, v. l.) waren die Gesangs-Solisten des Abends.

„Das hier“, damit meinte sie die Aufführung der „Carmina Burana“, der Beurener Lieder, die Carl Orff 1934 für sich entdeckte und darauf sein eigenes epochales Chorwerk schuf. Und, ja, es war einfach wunderbar, was Chor und Kinderchor der St. -Marien-Kantorei unter der Leitung von Erik Matz vortrugen. Mit der genialen Schlagwerk-Unterstützung der vier Klangkünstler von „Elbtonal-Percussion“, begleitet von Hinrich Alpers und Markus Becker am Klavier sowie den Gesangssolisten Ina Heise (Sopran), André Khasmasmie (Tenor) und Andreas Beinhauer (Bariton) wurde den Besuchern ein Konzert der besonderen Art geboten. Selten ist das Theater an der Ilmenau wie diesmal ausverkauft. Umso weniger verständlich, dass die Theater-Gastronomie bei einem vollen Haus meinte, mit einer Theke auskommen zu können und die Ausschank-Möglichkeit im Theaterkeller nicht nutzte.

Ina Heise (Sopran), André Khasmasmie (Tenor) und Andreas Beinhauer (Bariton, v. l.) waren die Gesangs-Solisten des Abends.

Die „Carmina Burana“, wie sie am Sonnabend gesungen wurden, bestanden aus drei Teilen. Speziell die Texte zu den Liedern des „Cour d’amour“, des Hofes der Liebe, bereiteten Carl Orff während der Nazi-Zeit Probleme. Galten Zeilen wie „Gebe Gott, geben’s die Götter, was ich mir hab’ vorgesetzt: Dass ich ihrer Jungfernschaft Fesseln noch entriegle …“ den damaligen Sittenwächtern als sehr schlüpfrig. Kaum enden wollender Beifall am Schluss belohnte die mehr als 80 Chor-Mitglieder sowie die sie begleitenden Musiker und Gesangssolisten für diesen Abend, an dem nicht nur die „Carmina Burana“ im Programmheft stand. Hinrich Alpers gab zu Beginn eine Einführung in Claude Debussys 1915 entstandene Suite für zwei Klaviere „En blanc et noir“. Der Hinweis war auch nötig, denn im zweiten Satz machte Debussy seine Verbitterung, seinen Hass auf die deutschen Weltkriegs-Aggressoren deutlich, indem er darin Zitate versteckte. Mit Anklängen von „Ein feste Burg“ soll auf die von Kaiser Wilhelm II. gen Frankreich geschickten Soldaten verwiesen werden. Hinrich Alpers und der auch durch seine Jazz-Improvisationen bekannte Markus Becker saßen sich an ihren Flügeln gegenüber und spielten mit viel Hingabe und Liebe diese Suite, die von Kontrasten und Sich-ergänzen geprägt ist.

Der zweite Teil des Programmes vor der Pause gehörte Béla Bartók und seiner 1937 komponierten „Sonate für zwei Klaviere und Schlagwerk“. Andrej Kauffmann (Pauken) und Sönke Schreiber (Kleine Trommel, Xylophon und Triangel) von „Elbtonal“ gesellten sich zu den beiden Pianisten und gaben der atmosphärischen Musik Bartóks Drive und Rhythmus. Ein ungewöhnliches Stück, musikalisch hervorragend dargeboten.

Von Folkert Frels

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare