INTERVIEW Ulrich Ostermann zur Grundwassersituation im Landkreis Uelzen

Konzept mit Weitblick

Noch ist genug Grundwasser da, sagt Ulrich Ostermann im AZ-Interview. Doch der Bedarf steigt kontinuierlich, warnt der Geschäftsführer des Kreisverbands der Wasser- und Bodenverbände Uelzen.
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Noch ist genug Grundwasser da, sagt Ulrich Ostermann im AZ-Interview. Doch der Bedarf steigt kontinuierlich, warnt der Geschäftsführer des Kreisverbands der Wasser- und Bodenverbände Uelzen.

Uelzen/Landkreis – Gemeinsam mit mehreren Projektpartnern wird der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen ein Grundwassermengen-Management-Konzept für die Landkreise Uelzen und Lüneburg erarbeiten.

Im Gespräch mit AZ-Redakteur Florian Beye spricht Geschäftsführer Ulrich Ostermann darüber, wie es um das Grundwasser in Uelzen bestellt ist, warum ein solches Konzept wichtig ist und wie er die Diskussion um einen weiteren Grundwasser-Brunnen im Nachbarkreis Lüneburg einschätzt.

Herr Ostermann, wie ist es um das Grundwasser im Landkreis Uelzen bestellt?

Ulrich Ostermann: Grundsätzlich kann man sagen, dass genug Wasser da ist.

Dennoch soll ein Grundwassermengen-Management-Konzept für die Landkreise Uelzen und Lüneburg erarbeitet werden.

Wir müssen schon in die Zukunft schauen und sehen, dass gerade im Sommer einfach mehr Wasser gebraucht wird. Zum einen für die Trinkwasserversorgung. Zum anderen auch im Bereich der Feldberegnung, weil die Trockenzeiten länger und intensiver sind. Dass das so kommt, sehen wir schon seit einigen Jahren und arbeiten im Prinzip schon seit 2008 an dem Thema Wassermengen-Management.

Warum ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um die Entwicklung des Konzepts anzugehen?

Ganz einfach: Das Umweltministerium hat vor drei Monaten ein Förderprogramm in die Welt gesetzt für die Entwicklung von ebensolchen Konzepten. Dabei werden Projekte mit einem Volumen von bis zu 300 000 Euro mit 90 Prozent gefördert. Der entsprechende Antrag ist gestellt. Nun hoffe ich, dass bald ein Weihnachtsgeschenk in Form des Förderbescheids kommt.

Womit befassen sich die Projektpartner im Rahmen des Konzepts?

Wir wollen schauen, welche Wasserbedarfe in welchen Bereichen da sind, und das mit den verfügbaren Quellen verschneiden. Zudem soll die jeweilige Qualität des Wassers bedacht werden. Wo kann das Wasser direkt genutzt werden? Wo muss es gefiltert oder aufbereitet werden? Auch gibt es Fälle, wo das Wasser nicht zum richtigen Zeitpunkt da ist. Da geht es um Wassertransport und -speicherung. All diese Aspekte werden analysiert und sollen zu Konzepten zur besseren Nutzung des Wassers für die nächsten 20 bis 30 Jahre verarbeitet werden.

Warum wird ein gemeinsames Konzept für beide Landkreise erstellt?

Der wesentliche Grund ist, dass die Grundwasserkörper „Ilmenau links“ und „Ilmenau rechts“ sich durch beide Landkreise ziehen und einen Großteil der Fläche ausmachen. Zudem geht der Elbe-Seiten-Kanal fast mittig durch beide Landkreise. Dieser wird schon jetzt als Transportweg für Wasser genutzt und könnte in Zukunft durch weitere Einspeisungen und Entnahmen für den Transport noch wichtiger werden. Ein dritter Grund ist, dass aktuell ohnehin schon ein hydrogeologisches Gutachten für die Beurteilung der Grundwasserentnahmen für beide Landkreise entsteht.

Der Oldenstädter See ist um 70 Zentimeter abgesunken. Wie sehr hängt das mit der Grundwasserentnahme zusammen?

Das Problem ist eher die Neubildung von Grundwasser. In den vergangenen beiden Wintern hatten wir deutlich weniger Niederschläge als im langjährigen Schnitt. Da fehlen vermutlich pro Jahr etwa zehn Prozent des neugebildeten Grundwassers. Das macht 30 Millionen Kubikmeter jährlich aus. Gleichzeitig wird in warmen Jahren aber mehr Wasser gebraucht. Das eigentliche Problem beim Oldenstädter See ist aber, dass das Ober- und Unterirdische Einzugsgebiet, aus dem sich der See speist, nur sehr klein ist. Dadurch reicht das Wasser dann in sehr trockenen Sommer nicht aus.

Nun plant im Kreis Lüneburg die Firma Apollinaris Brands, einen neuen Brunnen für die Entnahme von Grundwasser zu bohren. Das sorgt für Widerstand und Diskussionen. Wie stehen Sie dazu?

Wasserwirtschaftlich wären die 350 000 Kubikmeter, die dort jährlich entnommen werden sollen, nicht problematisch. Im Landkreis Lüneburg werden jährlich rund 30 bis 35 Millionen Kubikmeter Wasser entnommen. Also wäre das nur ein Prozent.

Warum erhitzt das Thema derart die Gemüter?

Es ist eine gesellschaftspolitische Frage: Man füllt dieses Wasser von höchster Qualität in Flaschen ab und verkauft es europaweit, ohne dass große wirtschaftliche Vorteile für die Region Lüneburg entstehen. Das ist Thema der Politik – auch des Landes Niedersachsen –, die eigentlich nichts mit dem Wasserrechtsverfahren zu tun hat, das Aufgabe der Unteren Wasserbehörde ist.

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