Ein Mosaik für Insekten

Konzept „Fühler ausstrecken“ soll Lebensräume in Uelzen schaffen

An der Ilmenau innerhalb Uelzens sollen die Uferränder naturnäher gestaltet werden, um Lebensraum für Insekten zu schaffen.
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An der Ilmenau innerhalb Uelzens sollen die Uferränder naturnäher gestaltet werden, um Lebensraum für Insekten zu schaffen.

Uelzen – Das Ziel: Uelzen in eine insektenfreundliche Stadt verwandeln. Dazu soll sich bald ein Mosaik von Flächen durch Uelzen ziehen, die Insekten Lebensraum bieten.

Wie das gehen kann, stellte jetzt Christine Tietz von der Abteilung Grünflächen und Umwelt der Hansestadt im Bau- und Umweltausschuss vor.

Das Konzept mit dem Namen „Fühler ausstrecken“ basiert laut Christine Tietz auf drei Säulen: insektenfreundliche öffentliche Grünflächen, Einbeziehung von Bürgern und Unternehmen sowie Sensibilisierung der Kinder.

Am Oldenstädter See wurden für ein erstes Naturprojekt im vergangenen Jahr Bäume gerodet.

„Wir haben ein großes Potenzial bei öffentlichen Flächen und bei den Gärten“, erklärte sie. So soll es ein Konzept für Uferrandstreifen geben, um diese insektenfreundlicher zu gestalten. Es werden auch weitere extensiv bewirtschaftete Flächen geschaffen wie auf den Ilmenauwiesen oder am Oldenstädter See. Dabei sollen Lebensräume für möglichst viele Insekten entstehen. So wird es sandige Flächen genauso wie blühende geben.

„Zunächst wird das sicherlich ungewohnt aussehen und es wird auch mehr Beschwerden über ungepflegte Flächen geben“, sagte Christine Tietz. Daher sei es wichtig, die Bürger sofort mitzunehmen und ihnen den Zweck des Ganzen zu verdeutlichen. Außerdem will die Stadt Vorgaben in den Bebauungsplänen machen. Schottergärten werden verboten, zudem soll mindestens ein hochstämmiger heimischer Baum gepflanzt werden.

Damit das Konzept überhaupt funktioniert, sollen auch Bürger und Unternehmen mit ins Boot geholt werden. Dort bilden Informationen zur Garten- und Betriebsgeländegestaltung einen Schwerpunkt. Es gebe viele Möglichkeiten, etwas für Insekten zu tun, betonte Christine Tietz. So könnten Blühstreifen oder Kräuterrasen in den Gärten angelegt werden. Pflanzen sollten am besten zeitversetzt blühen. „So können wir ein Spinnennetz über die Stadt legen und Verbindungen für die Insekten schaffen“, erklärte Tietz.

Um die Kinder zu sensibilisieren, sollen zum Beispiel Insektenlehrpfade angelegt und das Schulgelände gemeinsam insektenfreundlich gestaltet werden. Die Kinder sollen lernen, dass „nicht alles, was krabbelt, eklig ist“, sagte Christine Tietz. Daher arbeitet die Hansestadt eng mit der Woltersburger Mühle sowie den Kreisgruppen von BUND und Nabu zusammen.

„Wir müssen das Bewusstsein für das Thema bei Politik und Bürgern dafür schärfen und weiterentwickeln“, betonte Karl-Heinz Schmäschke von der Gruppe Grüne-FDP-Linke-Piraten. „In zehn Jahren wären wir ansonsten zu spät dran.“ Leider sei bei vielen Gärten heutzutage das einzig Grüne der Rasen.

„Wir müssen offensiv nach vorne gehen und erklären, warum wir das machen“, meinte auch Klaus Knust (SPD). So sei etwa die Brennnessel für fast jede heimische Schmetterlingsart ein wichtiger Lebensraum. Insekten profitierten von kleinsten Flächen, weil durch diese die Vorkommen miteinander verbunden würden.

Die Hansestadt hat zunächst in einem ersten Schritt 40 000 Euro für das Projekt im Haushalt 2020 vorgesehen. Dass es zu einer Kostenersparnis durch die Extensivierung kommt, ist laut Christine Tietz unwahrscheinlich. Der Aufwand bei der Mahd sei etwa wesentlich größer als beim regelmäßigen Mähen, da der Schnitt aufgenommen werde.

VON LARS LOHMANN

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