„Kontakt war nicht möglich“

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Bilder aus ruhigeren Zeiten: Die Familie Hillmer besucht regelmäßig das Heimatland von Aida Hillmer.

Ebstorf - Von Meike Bornemann. „Meine Familie hat große Angst und ich habe Angst um meine Familie.“ So fasst die aus Ägypten stammende und in Ebstorf lebende Aida Hillmer ihre Eindrücke angesichts der Unruhen in ihrem Heimatland zusammen. Seit mittlerweile 17 Jahren lebt die gebürtige Kairoerin in Deutschland – hat die deutsche Staatsangehörigkeit, ist verheiratet, hat eine sechzehjährige Tochter und einen vierzehnjährigen Sohn. Aus persönlichen Gründen hat sie damals ihre Heimat verlassen. Sie arbeitet als Dolmetscherin für arabische Sprache.

Die Nachrichten über den Aufstand ihrer Landsleute beunruhigen sie sehr. „Teilweise war es nicht möglich, Kontakt zu meinen Geschwister oder meinem Vater aufzunehmen. Das hat sich seit einigen Tagen geändert“, erzählt sie. Fast täglich telefoniert sie mit ihren Geschwistern, die in der Zehnmillionenstadt Kairo leben. „Sie wohnen in einem Stadtteil rund 20 Kilometer vom Zentrum der Aufstände entfernt.“

Nein, an den Demonstrationen gegen Mubarak nehmen sie nicht teil, erzählt Aida Hillmer, obwohl Staatsbedienstete so wie ihre Brüder aufgefordert wurden, für Mubarak zu demonstrieren. „Sie bleiben in ihrer Straße in der Nähe ihrer Häuser um ihr Hab und Gut vor Plünderern oder Krawallmachern zu schützen.“ Zum Schutz wurden an den Straßeneingängen große Fässer aufgestellt und eine eigene Security gegründet. Das öffentliche Leben in Kairo ist so gut wie lahm gelegt. „Jetzt haben die Geschäfte stundenweise wieder geöffnet“, erzählt sie, „aber am Anfang letzter Woche war alles zu.“ Keine Firma konnte normal arbeiten. „Die Universität, an der mein Bruder arbeitet, ist geschlossen und er bekommt zurzeit kein Gehalt.“ Das ist nicht nur für ihn tragisch. In Ägypten gibt es viele Menschen, die als Tagelöhner arbeiten – diese haben auch kein Geld bekommen. „Die armen Leute trifft es daher besonders hart.“

Im Internet liest sie regelmäßig arabische Zeitungen. Das gestaltete sich allerdings in der letzten Zeit etwas schwierig – die freien Zeitungen wie zum Beispiel Al-Wafd oder Aljaziera waren nur bedingt zugänglich. Aida Hillmer ist sich sicher, dass es in Ägypten noch ein langes Chaos geben wird. „Demokratie muss gelernt werden und eine Demokratie wird es erst dann geben, wenn Mubarak weg ist.“ Die Demonstrationen in Ägypten werden von gebildeten Menschen getragen: „Sie haben keine Perspektiven. Schon immer haben die Ägypter, wenn sie richtige Nachrichten hören oder sehen wollten, BBC oder CNN eingeschaltet“, erzählt die gebürtige Ägypterin. „Die Machthaber werden mit ihren eigenen Waffen geschlagen. In Zeiten von Internet, TV und Telefon sind die Menschen informiert und wollen sich nicht mehr deckeln lassen.“

Die Zukunft des Landes sieht sie mit gemischten Gefühlen. Sie hofft, dass sich die Verhältnisse nicht so entwickeln, wie es im Iran der Fall ist. Auch die Stellung der Frau sieht sie mit Sorge. „Die ägyptischen Frauen sind gebildet, haben für ihren Status gekämpft. All das muss sich noch weiter entwicklen.“ Sie hofft, das Ägypten nicht im Chaos versinkt.

Auf die Frage, ob ihre Familie das Land verlassen möchte, antwortet Aida Hillmer: „Es ist nicht einfach, alles hinter sich zu lassen. Schließlich ist es die Heimat.“ Eigentlich wollte sie in diesem Jahr nach Ägypten fliegen, um ihre Familie und besonders ihren kranken Vater zu besuchen. Dieser Besuch wird aufgrund der Unsicherheit im Lande noch warten müssen.

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