Otto Lukat über Peter Struck – persönliche Erinnerungen eines Weggefährten

Der Kontakt zur Heimat blieb

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Otto Lukat (rechts) und Peter Struck – zwei, die miteinander arbeiteten und sich schätzten.

Uelzen. Im Kondolenzbuch der Stadt Uelzen haben bereits viele Menschen ihre Anteilnahme zum Tode von Dr. Peter Struck bekundet. Dabei werden immer wieder folgende Wesensmerkmale angesprochen: Geradlinigkeit, Direktheit, Verlässlichkeit, Menschlichkeit.

„Klare Kante“ – der von Franz Müntefering in anderem Zusammenhang geprägte Ausspruch erscheint mir geradezu passend für Peter Struck.

Ich habe ihn vor über 30 Jahren kennengelernt und über vielfältige berufliche Kontakte begleiten dürfen. In den Anfängen habe ich als Vertreter des Landes mehrfach mit ihm in seiner Funktion als stellvertretendem Stadtdirektor der Stadt Uelzen Verhandlungen zu führen gehabt, so unter anderem über die vorübergehende Nutzung einer Bohldammbaracke als Jugendzentrum. Über diese Verhandlungen haben wir uns näher kennen und schätzen gelernt, so dass ich, als Peter Struck 1980 in den Bundestag einzog, sein Nachfolger in seiner bisherigen Funktion bei der Stadt Uelzen wurde und in seinem ehemaligen Amtszimmer, an seinem ehemaligen Schreibtisch, bis zum Umzug in das neue Rathaus Dienst tat.

Auch als Bundestagsabgeordneter und später als Bundesminister der Verteidigung, insbesondere aber als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion – „die größte demokratische Fraktion der Welt“, wie er damals nicht ohne Stolz zu bemerken pflegte – hat er nie den Kontakt zu seiner Heimat, zur Basis verloren. Er war jederzeit für unsere Probleme ansprechbar, andererseits hat er es aber vermieden, sich ungefragt einzumischen. Bundesweites Profil erwarb er sich als Mitglied im Flick-Untersuchungsausschuss. Diese Tätigkeit verschaffte ihm auch Respekt beim politischen Gegner.

Hier in Uelzen sind unsere großen Infrastrukturprojekte eng mit seinem Namen verbunden, wie beispielsweise die Ortsumgehung Uelzen, die Ortsumgehung Kirchweyhe oder auch die A 39.

Von besonderer Bedeutung für ihn war mit Sicherheit sein Amt als Bundesminister der Verteidigung. Dieses Verhältnis war nicht einseitig, sondern ich habe bei mehreren Anlässen erleben dürfen, wie er auch von den Soldaten und Offizieren der Bundeswehr geschätzt wurde. Dies wurde mir sehr bewusst beim Empfang anlässlich seines Ausscheidens als Minister im sogenannten Bendlerblock in Berlin, an dem ich teilnehmen durfte. Es war damals schon eine besondere Stimmung, in der viel Wehmut und Dankbarkeit mitschwang.

In diesem Jahr habe ich anlässlich einer Veranstaltung in Munster, bei der Peter Struck zu einer Diskussion mit Offizieren gekommen war, feststellen können, dass diese besondere Beziehung zwischen ehemaligem Minister und den Soldatinnen und Soldaten irgendwie immer noch Bestand hat. Für mich ist es daher folgerichtig, wenn er bei der Trauerfeier von der Bundeswehr mit militärischen Ehren verabschiedet wird.

Wollte man Peter Struck richtig würdigen, wären viele weitere Facetten anzusprechen, die ich hier nur stichwortartig anreißen möchte: Da war seine Liebe zum Fußball. So lange es möglich war, spielte er aktiv in der Elf des Deutschen Bundestages – auch hier in Uelzen unter der Leitung des legendären Schiedsrichters Walter Eschweiler – und seine besondere Beziehung zum amtierenden Deutschen Meister Borussia Dortmund. Oder zu nennen wäre seine jährliche Motorradtour oder dass er durchaus ein respektabler Schachspieler war oder, oder, oder...

Eines jedenfalls trifft zu: dass wir mit seinem Tod eine große Persönlichkeit mit hohen Verdiensten für das Allgemeinwohl, sowohl der Bundesrepublik, als auch ganz konkret unseres Gemeinwesens in Uelzen, verloren haben. Ich werde ihn wie seit der ersten Begegnung in Erinnerung behalten: Pfeife schmauchend, unverwechselbar in seiner geradlinigen Art, die nicht mit Schroffheit verwechselt werden durfte, und mit seinem trockenen Humor. Dankbar bin ich ihm, dass er es zugelassen hat, dass mir seine Frau Brigitte über Jahre als stellvertretende Bürgermeisterin zur Verfügung stehen konnte. Lieder Peter, ich werde dich nicht vergessen. Otto Lukat

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