An den Uelzener Gymnasien wird jetzt diskutiert, wie man das neue Landesgesetz umsetzen soll

G 9 kommt – und was nun?

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Ein Jahr länger büffeln müssen Gymnasiasten ab dem Jahr 2021.

Uelzen/Landkreis. G 9 kommt zurück – soviel ist klar seit dieser Woche. Doch bei der Frage, wie die betroffenen Schulen in Stadt und Landkreis Uelzen die neue Vorgabe der Landesregierung umsetzen sollen, ist noch relativ wenig klar.

Die Schüler, die aktuell die siebten Klassen der beiden Uelzener Gymnasien sowie den gymnasialen Schulzweig der Kooperativen Gesamtschule Bad Bevensen (KGS) besuchen, werden ihr Abitur nach dem neuen Schulgesetz nach 13 Jahren (G 9) absolvieren. Ein Jahr mehr Unterricht bedeutet wahrscheinlich wieder mehr Schüler an den Gymnasien. Und an den Schulen weiß man nicht, wie viel Personal man künftig braucht oder wie die Lehrpläne für das neue Abitur aussehen sollen.

Mit der Verlängerung habe das Land dem Wunsch der Eltern und einem Großteil der Lehrer entsprochen, weiß KGS-Leiterin Christel Auer. „Es ist dennoch eine Belastung für das System und die Schulen, denn nicht nur neue Schulbücher müssen angeschafft werden. Die Frage ist auch, wie der Schulstoff ab Sommer verteilt werden soll.“ Mehr Zeit zum Lernen sei aber nie schädlich, betont Auer. Was die Lehrkräfte betreffe: „Sie erhoffen sich mehr Zeit und Tiefe. G 8 passte zum Teil nicht zum Entwicklungsstand der Schüler, nun ist mehr Flexibilität möglich.“

Zum 1. August tritt das neue Schulgesetz der rot-grünen Regierungskoalition in Niedersachsen in Kraft. Damit schafft Niedersachsen als erstes Bundesland das sogenannte „Turbo-Abi“ ab. Die jetzigen siebten Klassen sind der erste Jahrgang, der im Jahr 2021 wieder nach 13 Jahren Abitur macht. Die gegenwärtigen Achtklässler machen ihr Abitur nach G 8 im Jahr 2019. Das bedeutet, dass es 2020 keinen oder nur einen schwachen Abi-Jahrgang geben wird – das wissen die Schulleiter aktuell noch nicht. Ab 2021 wird dann ein zusätzlicher Jahrgang an den Schulen büffeln.

Dies bedeutet, dass mehr Personal sowie weitere Räumlichkeiten benötigt werden. Das kommt auch den Landkreis Uelzen teuer zu stehen: Der Kreis geht von Kosten von bis zu 360 000 Euro jährlich aus (AZ berichtete).

Nach der Entscheidung des Landes folge nun die inhaltliche Arbeit an den Schulen, sagt Gabriele Diedrich, Schulleiterin des Uelzener Herzog-Ernst-Gymnasiums (HEG). „Alte Konzepte können dabei nicht aus der Schublade geholt werden.“ Denn mit der Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren sei der Unterrichtsstoff neu zugeschnitten und auch Vermittlungswege überarbeitet worden. Ein stärkeres Augenmerk sei auch auf die sozialen Kompetenzen gelegt worden. „Daran wird angeknüpft, wenn nun wieder ein Unterricht für 13 Schuljahre zu planen ist“, so Diedrich. Am HEG würden Arbeitsgruppen für einzelne Fächer gebildet, die sich um diese Aufgabe kümmern.

Das Abitur nach zwölf Jahren ging vor allem zu Lasten von Familienleben und Freizeit der Schüler, begründet das Land die Rückkehr zu G 9. Deshalb seien vor allem Eltern und Schüler über die „Rolle rückwärts“ erleichtert: Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren bedeute mehr Zeit zum Lernen. Damit sei auch der Leistungsdruck gemindert. „Die längere Lernzeit am Gymnasium nimmt den Stress aus der Schule und den Familien und bietet mehr Bildungschancen für alle Schüler“, meint Kultusministerin Frauke Heiligenstadt.

Auch Dirk Jaskolla, Elternratsvorsitzender des Lessing-Gymnasiums ist erleichtert: „Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren begrüßen wir natürlich. Wir haben dafür gekämpft und es ist durch unsere Elternarbeit dazu gekommen.“

Von Janina Müller

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