Ehrenamtliche könnten wie in Bienenbüttel Fahrdienst für Senioren anbieten

Uelzen: Kommt das Bürgerauto?

Der Bürgerbus in Bienenbüttel
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Beim Bürgerbus Bienenbüttel handelt es sich eigentlich um ein „Bürgerauto“.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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Stadtverwaltung und Kommunalpolitik beraten, ob das „Bürgerauto“ in Uelzen umsetzbar ist. Nach Bienenbütteler Vorbild würden ehrenamtliche Fahrer Mitbürgern auf Termin ihre Fahrdienste zur Verfügung stellen - völlig unabhängig von Haltestellen des ÖPNV.

Uelzen - Wie kann es gelingen, für die Senioren aus allen Ortsteilen der Hansestadt einen Fahrdienst zu installieren, der ihnen die Teilnahme an Angeboten der Wohlfahrtsverbände, aber auch Fahrten zum Arzt, Friseur oder zu Kulturveranstaltungen ermöglicht? Vor dieser Frage stehen Stadtverwaltung und Kommunalpolitik.

Ausgangspunkt war ein gemeinsamer Antrag der Ortsräte Masendorf/Molzen/Riestedt und Kirchweyhe/Westerweyhe auf die jährliche Bezuschussung der Beförderung von Senioren zum DRK-Mehrgenerationenzentrum an der Ripdorfer Straße mit 5000 Euro. Die Verwaltung hatte dem Ausschuss für Generationen, Integration, Flüchtlinge und Soziales, der sich jetzt damit befasste, empfohlen, dem Antrag nicht zu folgen. Die Thematik wurde schließlich einstimmig in die Fraktionen verwiesen.

Hier wollen die Parteien klären, inwieweit es gelingen kann, ein Angebot zu schaffen, das über den ÖPNV mit den Stadtbuslinien hinausgeht. Desweiteren gibt es auch einen Prüfauftrag für weitere mögliche Bushaltestellen – etwa an der Ripdorfer Straße, um beim Beispiel DRK zu bleiben.

„Grundsätzlich muss so ein Angebot natürlich für alle Bürger zugänglich sein. Und es darf nicht nur zum DRK gehen, sondern auch zur Awo oder zum Paritätischen, die vergleichbare Angebote für Senioren machen. Am besten machen wir den ganz großen Schritt und machen den ÖPNV kostenlos für alle“, sagte Klaus Knust (SPD).

Der Antrag der beiden Ortsräte hatte sich vor allem deshalb aufs DRK bezogen, weil der Kreisverband bis vor etwa zwei Jahren eben einen solchen Fahrdienst angeboten hatte. Der war aber hoch defizitär und stellte zugleich Konkurrenz für die Taxibetriebe dar.

Was während der ersten Phase der Corona-Pandemie wenig auffiel, wurde offensichtlich, als erste Angebote wieder gemacht wurden: Viele Senioren kamen nicht mehr. Ihnen waren Taxifahrten zu teuer. Fahrten mit den Stadtbussen sind vor allem für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen zu aufwendig. Insofern wäre ein Fahrdienst von Tür zu Tür tatsächlich wünschenswert, so die Verwaltung. Die Intention des Antrages begrüßt man daher ausdrücklich.

Was könnte eine Alternative zum Stadtbus sein? Bürgerbusse sind nach Ansicht der Stadtverwaltung deshalb nicht die optimale Lösung, weil auch sie als Teil des ÖPNV gelten und damit haltestellengebunden sind. Den Weg zur nächsten Haltestelle würde man Senioren so nicht ersparen können.

Eine echte Option in der Hansestadt könnte das sogenannte „Bürgerauto“ werden. Auch dieses Konzept basiert auf dem Vereinsgedanken mit ehrenamtlichen Fahrern, das Fahrzeug darf aber überall halten, weil es nicht Teil des ÖPNV ist. Haken an der Sache: Fördergelder vom Land können hier – anders als bei Bürgerbussen wie etwa in Suderburg oder Bad Bevensen – nicht fließen.

Als Paradebeispiel wurde Bienenbüttel angeführt. In der Gemeinde ist ein solcher Fahrdienst seit 2009 organisiert. Rund 200 Mitglieder zahlen hier jährlich 24 Euro, 100 von ihnen gelten als aktive Nutzer des „Bürgerautos“, das in Bienenbüttel aber wiederum „Bürgerbus“ heißt. Ziel es ist, sozialschwachen Mitbürgern wochentags nach vorheriger Anmeldung ein Mobilitätsangebot zur Verfügung zu stellen.

Erster Stadtrat Dr. Florian Ebeling betonte, dass die Stadt in der Anlaufphase zur Vereinsgründung zwar helfen könne. „Getragen wird das Konzept Bürgerauto aber durch ehrenamtliches Engagement. Irgendwann muss das alleine laufen.“

Und Karl-Heinz Günther (CDU) erklärte: „Wir nehmen das Thema Bürgerauto alle mit. Vielleicht können wir ja etwas organisieren und einen Weg zueinander finden.“

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