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Kommentar: Wenn Uelzen in seine Zukunft investiert, dann war das nicht nur ein teures – sondern auch ein gutes Jahr

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Von: Norman Reuter

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Die gut fünf Millionen Euro für einen See am Herzogenplatz wollte die Politik im Sommer nicht ausgeben. Ein teures Jahr wurde es auch so. Beim Theater schlug ein Sanierungsstau durch, der Zeiten geschuldet ist, in denen Uelzen tief in den Miesen steckte und kaum Handlungsspielraum besaß.

Bei jetzt erfreulicherer Kassenlage ist die Politik bereit, sechs Millionen für inzwischen zwingend notwendig gewordene Arbeiten in die Hand zu nehmen. Auch eine städtische Veranstaltungshalle soll weiter vorgehalten werden, was ebenfalls mit Millionen-Summen verbunden ist.

Mahnende Stimmen sagen: Schaut her, wir stürzen uns in neue Schulden. Das ist eine Perspektive – von einer anderen aus lässt sich formulieren: Schaut her, die Politik investiert, damit Uelzen auch weiterhin etwas für seine Bewohner zu bieten hat. Letztlich ist das Bekenntnis zum Theater, zu einem städtischen Veranstaltungszentrum ein Beitrag, damit die Stadt lebenswert bleibt. Das ist doch was!

Zuletzt hatte sich der Gedanke aufgedrängt, lediglich Geschäftsleute und private Investoren würden dieses Ziel verfolgen. Wenn beispielsweise eine Kinobetreiberin in diesem Jahr einen Betrag, mit denen sich zwei Häuser bauen ließen, in ihr Lichtspieltheater steckt. Wenn ein Open R-Veranstalter ein aufs andere Jahr Weltstars in die Stadt holt, und bis zum Schluss bangen muss, ob ausreichend Zuschauer kommen. Wenn eine Investorengruppe nach mehr als einem Jahrzehnt des Stillstandes die unansehnliche Kaufhalle zu einem Anziehungspunkt mit Einzelhandel machen will.

Ohne Frage: Die Privaten machen das alles wahrlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sie wollen davon leben, im besten Fall auch Gewinne erwirtschaften. Aber das ist legitim, und die Stadt könnte sich ein Beispiel daran nehmen, dass sich Investitionen auch lohnen können.

Zugegeben: Kultur ist ein schlechtes Beispiel, weil sie in der Regel ein Zuschussgeschäft ist. Der Gutachter zum Theater und zur Stadthalle hat in dieser Woche aber noch einmal betont, dass sich Besucher- und Veranstaltungszahlen steigern lassen. Dafür muss die Politik nicht nur den Mut beweisen und die Gebäude sanieren lassen, sondern auch noch einmal Geld in ein professionelles Marketing und Mitarbeiter stecken. Denn nur durch eine Sanierung kommen nicht zwangsläufig mehr Besucher. Mit dem richtigen Programm und mit Marketingmaßnahmen lässt sich aber ein besserer Deckungsgrad bei den Kosten erreichen. Mehr noch: Ist bekannt, was Uelzen zu bieten hat, ist die Stadt attraktiv, findet neue Bewohner, was die Kaufkraft ankurbelt und der Wirtschaft hilft. Andere Regionen wie die benachbarte Altmark verlieren zunehmend Bewohner.

Wenn also Uelzen weiter in seine Zukunft investiert, dann war das nicht nur ein teures, sondern auch ein gutes Jahr.

Von Norman Reuter

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