Von Woche zu Woche

Kommentar: Wie viel wert ist das Ehrenamt?

Zugegeben, die Überschrift für diese Kolumne ist eigentlich eine rhetorische. Denn die Antwort darauf ist klar: Das Ehrenamt ist in unserem Staat ebenso unbezahlbar wie unersetzlich.

Ohne die vielen Millionen Menschen, die sich unentgeltlich um das Wohl ihrer Mitmenschen bemühen, würde unser Gesellschaftssystem auseinanderbrechen. Seien es die Ehrenamtlichen in den Sportvereinen, seien es die, die für die Hilflosen und Schwachen da sind – oder eben auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren. Und um Letztere ist jetzt eine Diskussion entbrannt, die der Sache nicht würdig ist.

Der Staat, die Kommunen haben viele Ansätze, um Ehrenamtliche zu unterstützen in ihrer so wichtigen Tätigkeit. Der Landkreis zum Beispiel verteilt Ehrenamtskarten, mit denen man viele Vergünstigungen, zum Beispiel beim Schwimmbadbesuch, bekommt. Eine nette Geste der Anerkennung.

In Bad Bevensen geht man noch einen Schritt weiter und möchte aktive Feuerwehrleute als Dankeschön für ihr Engagement kostenlos in der Stadt parken lassen. Statt einen Parkschein zu ziehen, müssen Berechtigte lediglich die Parkscheibe rauslegen. Diesen Vorstoß der Grünen hat der Verwaltungsausschuss der Stadt am Donnerstagabend mehrheitlich abgesegnet.

Manche Ratsmitglieder haben dagegen gestimmt und auch ihre Argumente gehabt. So funktioniert unsere parlamentarische Demokratie und daran ist nun wirklich nichts auszusetzen. Was aber jetzt nicht folgen darf, ist eine Schlammschlacht über die Frage, ob Feuerwehrleute damit über andere Ehrenamtliche gestellt werden. Denn dieses Argument ist einfach Unsinn.

Jedes Ehrenamt ist wichtig und kann nicht genug gewürdigt werden. Es gibt aber gewisse Aufgaben, die dann doch noch eine andere Rolle spielen. Der Brandschutz gehört dazu.

Denn dass Männer und Frauen rund um die Uhr bereit stehen, um brennende Häuser zu löschen, um Menschen zu retten, um Schwerstverletzte aus Autowracks zu ziehen – das ist ein Einsatz, bei dem sich eine Neiddebatte verbietet. Wer in unserem Landkreis die 112 wählt, kann sich sicher sein, dass ihm immer geholfen wird, auch zu nachtschlafender Zeit – und das schnell. Ehrenamtliche Feuerwehrleute riskieren dafür ihre Gesundheit, ohne sie würde unser komplettes Brandschutzsystem zusammenbrechen.

Dafür einfach mal Danke zu sagen und das kostenlose Parken zu erlauben – das ist eine nette Geste, die gerne Schule machen kann im Land. Nicht mehr und nicht weniger. Und es ist absurd, das als Herabwürdigung anderer Ehrenämter zu sehen.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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