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Kommentar: Uelzen – ein Unfall-Landkreis

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Eine 47-Jährige am Steuer eines Ford Galaxy erlag nach einem schweren Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 4 am Dienstagmorgen ihren Verletzungen.

Es ist ein Unfall, wie er dutzendfach passiert in diesen Monaten auf den Straßen des Landkreises Uelzen, und die Polizei rätselt, woran es liegen kann. Autofahrer kommen von der Straße ab, prallen gegen Bäume oder, wie diese Woche auf der Bundesstraße 4, im Gegenverkehr gegen einen Lkw.

Es ist ein Unfall, wie er dutzendfach passiert in diesen Monaten auf den Straßen des Landkreises Uelzen, und die Polizei rätselt, woran es liegen kann. Autofahrer kommen von der Straße ab, prallen gegen Bäume oder, wie diese Woche auf der Bundesstraße 4, im Gegenverkehr gegen einen Lkw. Es gibt Schwerverletzte, immer wieder auch Tote. In den Fahrzeugen sitzen Menschen jeden Alters, mal allein, mal mit mehreren Personen. Die Hitze und mangelnde Konzentration könnte Ursache für diese Häufung sein, so eine vorsichtige Vermutung.

Eines aber hat sich nicht geändert in den vergangenen Jahren auf den hiesigen Fernstraßen: Es wird gerast und gedrängelt, geschnitten und ausgebremst. Durchgezogene Linien stellen kein Hindernis da, überholt werden darf auch gern schon mal in zweiter oder dritter Reihe.

Der Landkreis Uelzen war schon immer ein Verkehrsknotenpunkt, vier Bundesstraßen stoßen hier aufeinander. Besonders die Nord-Südroute, die Bundesstraße 4, gilt als eine der meistbefahrenen Fernstraßen der Region. Immer wenn auf der Autobahn 7 mal nichts mehr geht, bekommen die Bewohner der Dörfer das gleich am erhöhten Verkehrsaufkommen zu spüren.

Nicht ohne Grund war der Landkreis viele Jahre unter den Top zehn der unfallträchtigsten Kreise in Niedersachsen. Und der Ausbau der B 4 mit Seitenstreifen ähnlichen Mehrzweckstreifen hat die Situation noch einmal verschärft. Jahrelang forderte die Verkehrswacht Lastwagenfahrer mit Plakaten auf, auf diese Streifen auszuweichen, obwohl das eigentlich verboten ist. Autofahrer überholen trotz Gegenverkehrs, der seinerseits selbst mitten im Überholvorgang ist. Motorradfahrer überholen Autos links und rechts.

Seit 2007 gab es auf der B 4 zwischen Breitenhees und Grünhagen 18 Todesopfer zu beklagen, in den letzten drei Jahren allein drei auf der Uelzener Umgehung. Die Bundesstraße 4 ist auch für vorsichtige Kraftfahrer lebensgefährlich.

Und die Polizei? Sie muss dem Treiben weitgehend machtlos zusehen. Denn sie wurde immer weiter abgerüstet. Als die Beamten noch mit dem Video-Wagen unterwegs waren, konnten sie jeden Tag mehrere Führerscheine einkassieren. Doch die Fahrzeuge wurden abgezogen, das Personal hatte heute mehr damit zu tun, etwa Demonstrationen und Fußballfans zu begleiten.

Die Folge: Nur sporadisch gibt es Kontrollen zum Beispiel mit der Laserpistole. Hin und wieder muss dann ein Autofahrer den Führerschein für vier Wochen abgeben – geschenkt. Doch die Drängler, die Überholer, die sich und andere Tag für Tag gefährden, und die ruhig auch mal deutlich länger zu Fuß gehen sollten, schnappt man so nicht.

Die Folge sind spürbar. Bereits sechs Tote in diesem Jahr auf Uelzens Straßen, so viel wie in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg zusammen. Und es ist vor allem den heute besser gesicherten Fahrzeugen und der ärztlichen Heilkunst zu verdanken, dass es nicht deutlich mehr sind.

Für die Polizei ist das frustrierend, für die Kraftfahrer ein hohes Risiko. Und solange von politischer Seite nicht wieder mehr Geld gesteckt wird in die Verkehrsüberwachung, werden wir uns wohl an die dramatischen Unfallbilder gewöhnen müssen – und an steigende Opferzahlen.

Von Thomas Mitzlaff

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