Von Woche zu Woche

Kommentar: Intensivtäter Tekin A. aus Uelzen – und wie die Justiz die Bürger nicht schützt

+
Das Amtsgericht Uelzen sieht aktuell keinen schnellen Handlungsbedarf mehr,, der Amtsgerichtsdirektor verwies die Presse schon vor Weihnachten auf Anfrage auf die zuständige Richterin, die ja in ein paar Tagen wieder da sei.

Er ist einer jener Zeitgenossen, denen man besser aus dem Weg geht. Wenn Tekin A. berauscht durch die Uelzener Innenstadt zieht – und er ist in diesen Monaten jeden Tag berauscht – dann ist kein Kind, keine Frau, kein Senior vor ihm sicher.

Der 37-Jährige pöbelt verängstigte Grundschüler an, er hat einen Senior am Adventskalender blutig geprügelt, zwei Polizisten verletzt und missachtet regelmäßig die Annäherungsverbote, die verschiedene Frauen gegen ihn erwirkt haben. Fast täglich landet Tekin A. in der Polizeizelle. Er ist der klassische Fall einer tickenden Zeitbombe.

Und er ist ein Musterbeispiel dafür, was passieren kann, wenn Behörden – im konkreten Fall das Amtsgericht Uelzen – vergessen, was eigentlich ihre ursprünglichste Aufgabe ist. Sie sollen Recht sprechen, sie sollen aber auch die Bürger schützen. Die juristischen Voraussetzungen dazu sind gegeben – doch sie werden nicht angewendet.

„Musste denn erst etwas Schlimmeres passieren“ – damit dieser Satz keine Gültigkeit mehr haben muss, hat der Gesetzgeber der Justiz bei Serientätern mittlerweile diverse Möglichkeiten an die Hand gegeben; damit nicht erst noch mehr Opfer zu beklagen sind, bevor man schnell handeln kann. Doch was nutzen die effektivsten gesetzlichen Instrumente, wenn sie nicht angewendet werden?

Thematisiert werden soll hier heute nicht, dass Gerichte sicher überlastet sind, dass es natürlich Gründe dafür gibt, dass dieser 37-jährige Mann zu einem Gewalttäter geworden ist, den niemand stoppen kann. Nein, Thema muss zu allererst sein, warum ein Gericht die Bürger nicht schützt, obwohl es dies tun könnte.

Weit mehr als 50 Straftaten, darunter zahlreiche Gewaltdelikte, hat Tekin A. seit Jahresbeginn in Uelzen begangen. Und Anfang Dezember schien es zunächst, als ob die Justiz die Zeichen der Zeit tatsächlich erkannt hätte. Nachdem zuletzt nahezu kein Tag ohne Straftat verging, hatte eine Uelzener Amtsrichterin den Serientäter für zehn Tage in einen Langzeitgewahrsam geschickt, die Staatsanwaltschaft in dieser Zeit schleunigst eine Anklageschrift gefertigt.

Doch was danach passierte, macht fassungslos. Die Gefängnistür hatte sich kaum geöffnet, da randaliert Tekin A. schon wieder. Frauen sind für ihn Freiwild. Fast täglich sitzt er in der Polizeizelle. Der Arrest hatte ihn offenbar überhaupt nicht beeindruckt.

Das Amtsgericht sieht aktuell keinen schnellen Handlungsbedarf mehr, ´der Amtsgerichtsdirektor verwies die Presse schon vor Weihnachten auf Anfrage auf die zuständige Richterin, die ja in ein paar Tagen wieder da sei.

Und während in Uelzen Frauen in – berechtigter – Angst leben, während Eltern ihre Grundschüler seit Monaten nicht mehr alleine auf den Schulweg schicken, schmort die Anklageschrift in den Gerichtsstuben.

Wer so untätig und gleichgültig bleibt, wird womöglich schon in Kürze erklären müssen, warum er zugelassen hat, dass ein weiterer Mensch zusammengeschlagen wurde. Warum Frauen es ertragen müssen, bedrängt und belästigt zu werden, obwohl es dem Täter längst verboten wurde. Und Anderes mag man sich gar nicht ausmalen. Aber es muss erst etwas Schlimmeres passieren. Denn Täterschutz geht vor Opferschutz. Auch bei tickenden Zeitbomben.

Von Thomas Mitzlaff

Passend dazu: 

Nach Entlassung aus Gewahrsam: 37-Jähriger lässt Frauen nicht in Ruhe

Intensivtäter wieder auffällig – Polizei nimmt 37-Jährigen drei Mal in Gewahrsam

Er stalkt und ist aggressiv: 37-Jähriger hält Uelzener Polizei seit Monaten auf Trab

xxx

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare