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Kommentar: Hilfen sind richtig, aber greifen zu kurz

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Sommerhitze - die sorgt in diesem Jahr für eine schwierige Getreidernte.

Nicht die vom Bauernverband geforderte Milliarde, aber immerhin 340 Millionen Euro staatliche Nothilfen fließen jetzt also vom Bund an Landwirte in von der Dürre besonders betroffenen Gebieten. Gut so! Denn die Erzeugung von Lebensmitteln ist nicht irgendeine Branche.

Landwirte sind Landschaftspfleger, Umweltschutzbeauftragte, Garanten für eine autonome Lebensmittelversorgung und – das darf man nicht vergessen – besonders betroffen von staatlicher Regulierung, die nicht selten wirtschaftliche Einbußen zur Folge hat.

Gut auch, dass die Hilfen nicht einfach per Gießkanne ausgeschüttet werden, sondern an konkrete Schwellen – nämlich einen Verlust der Jahreserzeugung von mindestens 30 Prozent und den Nachweis der Existenzbedrohung – gebunden sind. Das sorgt, richtig umgesetzt, für eine faire und vernünftige Verteilung der Gelder.

Doch zu denken, mit den staatlichen Hilfen sei das Problem jetzt gelöst, wäre ein großer Fehler. Man kann das Dürrejahr – und auch das verregnete Jahr 2017 – nicht einfach als ein isoliertes Ereignis betrachten. Vielmehr bekommen jetzt auch wir den Klimawandel in seiner ganzen Härte zu spüren. Dabei ist davon auszugehen, dass die Extremwetterlagen und damit natürlich auch die Probleme der Landwirtschaft noch weiter zunehmen und sogar langsam zum Regelfall mutieren werden.

Sich nur von Jahr zu Jahr durchzuhangeln und als einzige Antwort auf die klimatischen Veränderungen den Rettungsring rauzuwerfen, wann immer er benötigt wird, greift deshalb viel zu kurz. Sinnvolle und nachhaltigere Lösungen wären etwa, Versicherungen für Landwirte zu subventionieren – andere Länder haben dies längst vorgemacht. Oder aber den Landwirten zu erlauben, in guten Jahren steuervergünstigt Rücklagen zu bilden, auf die sie in Krisenjahren zurückgreifen können. Das schafft Planungssicherheit und regt vielleicht auch zum Umdenken an.

Denn genau das, ein Umdenken, braucht es am allermeisten. Langfristig lässt sich der Klimawandel nur durch tief greifende Veränderungen aufhalten. Davon ist die Landwirtschaft eingeschlossen, denn auch sie hat in ihrem jetzigen System zur Notsituation beigetragen. Weg von Monokulturen, weg von Massentierhaltung, weg von langen Transportwegen. Hin zu einer ökologischeren und klimafreundlicheren Art der Landwirtschaft.

Doch da stehen die Landwirte nicht alleine in der Verantwortung. Allen voran die Politik muss sich rühren. Viel zu lange schon fließen EU-Subventionierungen beinahe ausschließlich nach Fläche und befördern damit das alte System, statt Anreize für Umstellung zu schaffen. Und in Deutschland machen etliche Regeln und ein Wust aus Bürokratie die Umstellung auf eine ökologischere Landwirtschaft schwer.

Nicht zuletzt sind natürlich auch wir selbst als Verbraucher gefragt. Wir müssen uns fragen, ob uns ein paar Cent oder Euro weniger wirklich wichtiger sind, als die Zukunft unseres Planeten. Denn wir sind es, die die Nachfrage nach billigen Lebensmitteln immer wieder befeuern und damit auch die Landwirte unter Druck setzen, immer mehr und immer billiger zu produzieren.

Von Steffen Schmidt

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