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Kommentar: Ein Handwerker ist wie ein guter Freund

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Handwerk (Symbolbild).

Gute Handwerker – Fachpersonal – zu finden, wird immer schwerer. Dabei braucht sie jeder Mensch. Egal ob Elektriker, Klempner oder Schlüsseldienstler – sie erledigen grundlegende Tätigkeiten, die nur sie perfekt beherrschen und das auch zu unattraktiven Uhrzeiten, wie am Wochenende oder spätabends, wenn die Not des Bürgers am größten ist.

Sie sind zur Stelle, wenn plötzlich der Strom ausfällt, das Klo verstopft ist oder die Haustür ins Schloss fällt und der Schlüssel drinnen liegt. Sie opfern ihre Freizeit und stehen auf Abruf bereit, um, falls nötig, rund um die Uhr helfen zu können.

Jeder, der schon mal in einer der genannten Notsituationen war, weiß, wie erleichtert man ist, wenn ein Handwerker kommt und der Schaden kurze Zeit später wieder behoben ist. Warum werden diese Berufsgruppen von großen Teilen der Gesellschaft dann weniger gewertschätzt als ein Arzt, ein Polizist oder ein Feuerwehrmann?

Zugegeben, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Klempner oder ein Schlüsseldienst im Einsatz Leben rettet, ist nicht besonders hoch. Dennoch ist ihre Arbeit unersetzbar und wichtig. Wie wichtig, das haben mehrere Menschen in Uelzen in den vergangenen Monaten am eigenen Leib erfahren. Sie wurden von schwarzen Schafen abgezockt, die sich leider immer häufiger in der Branche tummeln.

Ende März ist die Toilette einer 24-Jährigen am Wochenende verstopft. Sogenannte Kanal-Haie erleichtern sie um 1300 Euro. Diese Woche schildert eine 23-jährige Uelzenerin, wie ihr ein dubioser Schlüsseldienst mal eben 1500 Euro abknöpfen wollte. Ihr Glück war, dass sie nur 200 Euro abheben konnte – die Betrüger zogen sauer von dannen.

Das Geld, das solche Banden erbeuten, geben sie aus, um Anzeigen bei Internet-Suchmaschinen zu schalten und ganz oben in den Ergebnissen angezeigt zu werden. Ihre Webseiten sind professionell gestaltet und von Laien kaum mehr von seriösen zu unterscheiden.

Neben den Wucher-Preisen, die diese „Handwerker“ aufrufen, sind zwei Dinge besonders dreist und verwerflich: Sie bedrängen ihre Kunden und schüchtern sie ein. Wenn zwei große, bullige Männer in der Dunkelheit vor einer jungen Frau oder einer älteren Dame auftauchen, kann man es schon mal mit der Angst zu tun bekommen. Und: Sie schaden dem Ruf der seriösen Dienstleister in der Handwerksbranche. Die Betrüger gehen sogar so weit, sich bei ihren Opfern als Mitarbeiter der örtlichen Schlüsseldienste auszugeben. Wenn sie pfuschen, fällt das auf diese Betriebe zurück.

Darum sollte sich jeder einmal bewusst machen: Ein seriöser, örtlicher Handwerker ist so wertvoll wie ein guter Freund. Er versteht sein Fach, leistet, in der Regel, zuverlässig solide Arbeit und hat faire Preise. Wenn es ihn nicht gäbe, würden wir alle ganz schön dumm aus der Wäsche gucken.

Betrüger schaden der Branche

VON SANDRA HACKENBERG

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