Von Woche zu Woche

Kommentar: Gewalt und Aggressivität inzwischen fester Bestandteil von Uelzener Partynächten

+
Hofinger“ und „Hutladen“ sind beliebte Partykneipen für Nachtschwärmer. Doch die Partyszene an der Gudesstraße bereitet der Polizei zunehmend Kopfzerbrechen.

Es ist eine Zahl, die einem zu denken gibt. 104 Körperverletzungen haben Polizisten im vergangenen Jahr für den Bereich der Gudesstraße in ihren Einsatzbüchern protokolliert.

Das sind zwei an jedem Wochenende – oder anders gesagt: Gewalt und Aggressivität sind inzwischen fester Bestandteil von Uelzener Partynächten.

Dass Nachtschwärmer, gerade Frauen, erklären, sie würden mit mulmigem Gefühl in die Partywochenenden starten – wer kann es ihnen verdenken. Zumal unter den Körperverletzungen längst nicht nur kleinere Raufereien zu verstehen sind. Vergangenen Juli sticht ein 48-Jähriger an der Gudesstraße einem Partygänger in den Hals, die Klinge des Messers verfehlt Halsschlagader und Kehle des 21-jährigen Opfers nur um Zentimeter.

Polizisten treffen bei Einsätzen auf jene, die es darauf anlegen; Stunk machen als Ventil für den Frust im Leben. Für die ein „Nein“ eines Türstehers eine willkommene Einladung zum Krakeelen und Raufen ist. Andere verlieren im Alkoholrausch jegliche Hemmschwelle. Je weiter die Nacht fortgeschritten ist, umso öfter werden Polizisten gerufen.

So kann es nicht weitergehen aus Sicht der Polizei. Sie holt sich die Stadt als Ordnungsbehörde an die Seite. Auf dem Tisch liegt jetzt eine Liste mit möglichen Maßnahmen. Darunter so manches „scharfe Schwert“, das geführt werden könnte: Personenkontrollen, Betretungs- verbote, Kameraüberwachung des öffentlichen Raumes, Einführung der Sperrstunde ...

Da dürfte angesichts solcher Optionen bald schon in Kommentarleisten sozialer Netzwerke zu lesen sein, die Polizei wolle das Partyvolk und Wirte gängeln. Wer solche Reden führt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er wirklich allen Ernstes weiter solche Zustände ertragen will. Und welche Alternative er dazu in petto hat? Gut zureden wird nicht helfen.

Aber Betrunkene wissen ja gar nicht mehr, was sie tun, könnte noch argumentiert werden. Das mag bei mehr als zwei Promille richtig sein. Allerdings ist jeder Partygänger für sich verantwortlich, entscheidet für sich, ob er noch einen Kurzen trinkt oder es doch lässt, bevor es zu spät ist. Und wer Testosteron-gesteuert auf dicke Hose macht, unbelehrbar ist, muss es ins Stammbuch geschrieben bekommen, dass das nicht geht. Notfalls mit empfindlichen Geldbußen und Gewahrsamnahmen.

Die Leidtragenden der jetzigen Situation sind jene, die einfach friedlich feiern wollen. In der Gemeinschaft, bei Musik und vielleicht einem Bier die Arbeitswoche hinter sich lassen wollen. Das muss möglich sein – ohne Ärger. Und daran arbeiten Polizei und Stadt.

Straftaten in der Partyszene

VON NORMAN REUTER

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare