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Kommentar: „Fridays for Future“ in Uelzen – Protest mit Tiefgang

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Mit Plakaten und Bannern setzen sich gestern Vormittag gut 400 Schüler am Hundertwasser-Bahnhof in Bewegung – es ist der erste Protest der Bewegung „Fridays for Future“ in Uelzen.

Es ist ein beeindruckendes Bild, das sich einem gestern in Uelzen präsentiert: Ein mehrere hundert Meter langer Tross junger Menschen zieht mit einer Botschaft durch die Stadt – es ist an der Zeit, auf die Straße zu gehen und sich für Veränderungen einzusetzen, bevor es zu spät ist.

„Fridays for Future“ erreicht als Bewegung, wie Uelzen gestern zeigt, längst nicht mehr nur die Menschen in den Städten – sie arbeitet sich voran, mobilisiert auch auf dem Land die Leute. 100 Teilnehmer hatten die Uelzener Organisatoren erwartet, 400 sind gekommen. .

Die Bewegung überrascht nicht nur mit ihrer Mobilisierungskraft, sondern auch mit ihrem Tiefgang. Wenngleich der Protestslogan „Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ noch als eine plumpe Anklage an die Väter- und Müttergeneration zu verstehen ist, so sind sich die Teilnehmer doch bewusst: Coole Sprüche und Protestmärsche reichen alleine nicht aus – jeder hat auch seinen eigenen Beitrag zur Zukunft des Planeten zu leisten, ist gestern mehrfach zu hören. Da werden von einer 16-Jährigen Sätze formuliert, die einen baff staunen lassen.

Umso ärgerlicher ist die leidige Debatte, ob nicht mit der Bewegung dem Schulschwänzen Tor und Tür geöffnet wird. Immerhin werde doch zu Unterrichtszeiten demonstriert. Es ist bezeichnend, dass sich jüngst Abgeordnete im Bundestag, als die „Fridays for Future“-Bewegung auf der Tagesordnung stand, immer wieder an dieser Frage abgearbeitet haben, anstatt Ideen für eine bessere Zukunft zu entwickeln.

Es mag jene geben, die sich über die schulfreie Zeit freuen, ja – gestern sind in Uelzen aber Menschen zu erleben, die weit Gewichtigeres im Sinn haben und die entschlossen wirken.

Es bleibt zu hoffen, dass den Worten Taten folgen – und der Enthusiasmus nicht verloren geht. Denn Umwelt- und Naturschutz kann unbequem sein – wer will schon bei Regen das Auto stehen lassen? Allzu oft greift die Mentalität um sich: „Naturschutz, ja bitte – aber nicht vor der eigenen Haustür.“

Die Uelzener Kreispolitik hat in dieser Woche vier neue Schutzgebiete ausgewiesen – nach Monaten der Diskussionen mit Kreisbewohnern, die Nachteile befürchteten. Der Landkreis hat auch zusätzliche Flächen für Windenergie auf den Weg gebracht – abzuwarten bleibt, ob jeder mit einem Windrad in der Nähe einverstanden ist oder den Klageweg beschreitet.

Die Welt wird nicht mit einem bequemen „Weiter so“ zu retten sein. Die Schüler machen es sich derzeit nicht bequem – das ist ein gutes Zeichen.

„Fridays for Future“ in Uelzen

VON NORMAN REUTER

Fridays for Future: Premiere für Uelzen mit 400 Teilnehmern

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